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- 11 Lessons
- unbegrenzt
- Angebotsvergleich & Beschaffung11
- 1.1Beschaffungsprozess von A bis Z
- 1.2Lastenheft und Pflichtenheft
- 1.3Angebote einholen und strukturieren
- 1.4Quantitativer Angebotsvergleich
- 1.5Qualitativer Angebotsvergleich
- 1.6Marktgängige IT-Systeme bewerten
- 1.7Barrierefreiheit bei IT-Systemen (BITV, WCAG)
- 1.8Make-or-Buy-Entscheidung
- 1.9Lieferantenauswahl und -bewertung
- 1.10Lizenzmodelle im Überblick
- 1.11IHK-Aufgaben Angebotsvergleich
Quantitativer Angebotsvergleich
Drei Angebote liegen auf dem Tisch. Alle erfüllen die technischen Mindestanforderungen aus dem Lastenheft. Jetzt entscheidet der Preis – aber welcher Preis? Listenpreis, Netto, Brutto, mit Skonto, mit Rabatt? Der quantitative Angebotsvergleich bringt alle Preiskomponenten auf eine gemeinsame, vergleichbare Basis und ermittelt den günstigsten Anbieter auf Basis messbarer Zahlen. Er ist das wichtigste Rechenwerkzeug in der Beschaffung und ein klassisches IHK-Prüfungsthema.
1) Die Bestandteile des Angebotspreises
Ein Angebotspreis enthält selten nur eine Zahl. Er setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die alle berücksichtigt werden müssen – und die bei Anbietern sehr unterschiedlich sein können. Stell dir vor, du kaufst ein Auto: Der Listenpreis steht auf dem Schild, aber dann kommen Überführungskosten, Zulassung, Rabatt, Händlerbonus und Finanzierungskosten. Erst die Summe aller Positionen ergibt den echten Preis.
| Bestandteil | Bedeutung | Rechenrichtung |
|---|---|---|
| Listenpreis (Bruttopreis) | Offizieller Katalogpreis des Anbieters | Ausgangspunkt |
| Rabatt | Prozentualer Nachlass auf den Listenpreis | − (abziehen) |
| Skonto | Nachlass bei besonders schneller Zahlung (z.B. 2 % bei Zahlung in 10 Tagen) | − (abziehen, wenn genutzt) |
| Liefer-/Frachtkosten | Versandkosten, Montage, Inbetriebnahme | + (aufaddieren) |
| Bezugspreis | Endpreis nach allen Zu- und Abschlägen (ohne MwSt.) | = Ergebnis |
Die Formel: Bezugspreis = Listenpreis − Rabatt − Skonto + Bezugskosten. Wichtig: Skonto wird auf den bereits rabattierten Preis berechnet, nicht auf den Listenpreis.
2) Interaktiver Angebotsvergleich-Rechner
Im folgenden Rechner kannst du die Angebotsbestandteile für drei Anbieter eingeben. Alle Felder sind mit einem realistischen Beispiel vorbelegt. Klicke auf „Berechnen", um den Bezugspreis je Anbieter zu ermitteln und den günstigsten Anbieter zu identifizieren.
| Position | Anbieter A | Anbieter B | Anbieter C |
|---|---|---|---|
| Listenpreis (€, netto) | |||
| Rabatt (%) | |||
| Skonto (%) | |||
| Bezugskosten (€) | |||
| Listenpreis − Rabatt | – | – | – |
| − Skonto | – | – | – |
| Bezugspreis (netto) | – | – | – |
3) Bezugspreis bei mehreren Einheiten
Oft wird nicht ein einzelnes Gerät, sondern eine größere Stückzahl beschafft. In diesem Fall wird auf Staffelpreise geachtet: Viele Anbieter gewähren bei größeren Mengen höhere Rabatte. Der Bezugspreis wird dann pro Einheit berechnet und mit der Stückzahl multipliziert. Wichtig: Bezugskosten (z.B. Frachtkosten) entstehen häufig nur einmalig – nicht pro Stück. Das muss in der Berechnung berücksichtigt werden.
| Rechenposition | Beispiel (20 Laptops, Anbieter A) |
|---|---|
| Listenpreis pro Stück | 800 € |
| Rabatt 12 % | − 96 € → 704 € pro Stück |
| Skonto 2 % (auf rabierten Preis) | − 14,08 € → 689,92 € pro Stück |
| Gesamtpreis 20 Stück | 689,92 € × 20 = 13.798,40 € |
| + Frachtkosten (einmalig) | + 150 € |
| Bezugspreis gesamt | 13.948,40 € |
| Bezugspreis pro Stück | 13.948,40 € ÷ 20 = 697,42 € |
Zusammenfassung
Der quantitative Angebotsvergleich ermittelt den Bezugspreis je Anbieter: Listenpreis minus Rabatt minus Skonto plus Bezugskosten. Skonto wird auf den bereits rabattierten Preis berechnet. Bezugskosten entstehen oft nur einmalig, nicht pro Stück. Der Anbieter mit dem niedrigsten Bezugspreis gewinnt den quantitativen Vergleich. Für die vollständige Entscheidung folgt der qualitative Angebotsvergleich, der nicht-monetäre Kriterien einbezieht.
