- 1 Section
- 11 Lessons
- unbegrenzt
- Angebotsvergleich & Beschaffung11
- 1.1Beschaffungsprozess von A bis Z
- 1.2Lastenheft und Pflichtenheft
- 1.3Angebote einholen und strukturieren
- 1.4Quantitativer Angebotsvergleich
- 1.5Qualitativer Angebotsvergleich
- 1.6Marktgängige IT-Systeme bewerten
- 1.7Barrierefreiheit bei IT-Systemen (BITV, WCAG)
- 1.8Make-or-Buy-Entscheidung
- 1.9Lieferantenauswahl und -bewertung
- 1.10Lizenzmodelle im Überblick
- 1.11IHK-Aufgaben Angebotsvergleich
Lastenheft und Pflichtenheft
Auftraggeber und Auftragnehmer reden oft aneinander vorbei – nicht weil sie es wollen, sondern weil sie unterschiedliche Dinge meinen, wenn sie „das System soll schnell sein" sagen. Lastenheft und Pflichtenheft sind die zwei Dokumente, die dieses Problem lösen: Das eine beschreibt, was gebraucht wird. Das andere beschreibt, wie es umgesetzt wird. Beide sind verbindliche Vertragsbestandteile und ein klassisches IHK-Prüfungsthema.
1) Lastenheft vs. Pflichtenheft – der Grundunterschied
Die einfachste Eselsbrücke: Der Auftraggeber schreibt das Lastenheft. Der Auftragnehmer antwortet mit dem Pflichtenheft. Das Lastenheft beschreibt das „Was" und „Warum" – aus der Perspektive des Kunden, ohne technische Lösungsvorgaben. Das Pflichtenheft beschreibt das „Wie" und „Womit" – die konkrete technische Umsetzung der Lastenheft-Anforderungen.
2) Anforderungstypen im Lastenheft
Ein gutes Lastenheft unterscheidet zwischen verschiedenen Typen von Anforderungen. Das verhindert, dass optionale Wünsche genauso viel Gewicht bekommen wie unverzichtbare Funktionen – und schützt vor späteren Streitigkeiten über den Umfang.
3) Typischer Aufbau eines Lastenhefts
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| 1. Ausgangssituation | Beschreibung des aktuellen Zustands und warum eine Änderung nötig ist |
| 2. Projektziel | Was soll am Ende erreicht sein? Messbar und konkret |
| 3. Systemgrenzen | Was gehört zum System, was nicht (In-Scope / Out-of-Scope) |
| 4. Funktionale Anforderungen | Was das System tun soll (Muss/Soll/Kann) |
| 5. Nicht-funktionale Anforderungen | Performance, Sicherheit, Verfügbarkeit, Wartbarkeit (nach ISO 25010) |
| 6. Rahmenbedingungen | Budget, Zeitplan, bestehende IT-Infrastruktur, gesetzliche Anforderungen |
| 7. Lieferumfang | Was genau soll geliefert werden? Hardware, Software, Dokumentation, Schulung? |
4) Lastenheft in der Praxis und im IHK-Abschlussprojekt
Im IHK-Abschlussprojekt ist das Lastenheft die formale Grundlage für die Ist-Analyse und das Soll-Konzept. Es zeigt: Der Azubi hat verstanden, was der Auftraggeber wirklich braucht – nicht nur, was er sagte. Ein häufiger Fehler in Abschlussprojekten: Das Lastenheft enthält bereits technische Lösungen. Das ist falsch – das Lastenheft beschreibt nur die Anforderungen, nicht die Lösung. Die Lösung kommt ins Pflichtenheft. Mehr dazu in Ist-Analyse dokumentieren und Soll-Konzept und Lösungsansätze.
Zusammenfassung
Das Lastenheft wird vom Auftraggeber erstellt und beschreibt das „Was" – alle Anforderungen an das System, technologieneutral formuliert. Das Pflichtenheft wird vom Auftragnehmer erstellt und beschreibt das „Wie" – die konkrete technische Umsetzung. Anforderungen werden in MUSS (K.O.-Kriterien), SOLL (Bewertungskriterien) und KANN (optionale Features) unterteilt. Beide Dokumente sind verbindlich und bilden die Grundlage für Vertrag, Entwicklung und Abnahmetests.
