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- Angebotsvergleich & Beschaffung11
- 1.1Beschaffungsprozess von A bis Z
- 1.2Lastenheft und Pflichtenheft
- 1.3Angebote einholen und strukturieren
- 1.4Quantitativer Angebotsvergleich
- 1.5Qualitativer Angebotsvergleich
- 1.6Marktgängige IT-Systeme bewerten
- 1.7Barrierefreiheit bei IT-Systemen (BITV, WCAG)
- 1.8Make-or-Buy-Entscheidung
- 1.9Lieferantenauswahl und -bewertung
- 1.10Lizenzmodelle im Überblick
- 1.11IHK-Aufgaben Angebotsvergleich
IHK-Aufgaben Angebotsvergleich
Dieser Abschnitt bündelt typische IHK-Prüfungsaufgaben aus dem Bereich Angebotsvergleich und Beschaffung. Der Schwerpunkt liegt auf dem quantitativen Angebotsvergleich (Bezugspreisberechnung), der Nutzwertanalyse und dem Lastenheft/Pflichtenheft. Löse jede Aufgabe selbstständig, bevor du die Lösung aufklappst.
1) Quantitativer Angebotsvergleich
Aufgabe 1 – Bezugspreisberechnung
Dein Unternehmen möchte 10 Notebooks beschaffen. Es liegen drei Angebote vor:
Anbieter A: Listenpreis 850 € je Stück, Rabatt 12 %, Skonto 2 %, Frachtkosten 60 € (gesamt)
Anbieter B: Listenpreis 780 € je Stück, Rabatt 8 %, kein Skonto, Frachtkosten frei Haus
Anbieter C: Listenpreis 920 € je Stück, Rabatt 18 %, Skonto 3 %, Frachtkosten 90 € (gesamt)
Berechne den Bezugspreis je Stück für alle drei Anbieter. Welcher ist am günstigsten?
Anbieter A: Listenpreis 850 € je Stück, Rabatt 12 %, Skonto 2 %, Frachtkosten 60 € (gesamt)
Anbieter B: Listenpreis 780 € je Stück, Rabatt 8 %, kein Skonto, Frachtkosten frei Haus
Anbieter C: Listenpreis 920 € je Stück, Rabatt 18 %, Skonto 3 %, Frachtkosten 90 € (gesamt)
Berechne den Bezugspreis je Stück für alle drei Anbieter. Welcher ist am günstigsten?
Anbieter A:
Nach Rabatt: 850 × (1 − 0,12) = 850 × 0,88 = 748,00 €
Nach Skonto: 748,00 × (1 − 0,02) = 748,00 × 0,98 = 733,04 €
+ Fracht je Stück: 60 ÷ 10 = 6,00 €
Bezugspreis/Stück A: 733,04 + 6,00 = 739,04 €
Anbieter B:
Nach Rabatt: 780 × 0,92 = 717,60 €
Kein Skonto, keine Fracht → Bezugspreis/Stück B: 717,60 €
Anbieter C:
Nach Rabatt: 920 × (1 − 0,18) = 920 × 0,82 = 754,40 €
Nach Skonto: 754,40 × 0,97 = 731,77 €
+ Fracht/Stück: 90 ÷ 10 = 9,00 €
Bezugspreis/Stück C: 731,77 + 9,00 = 740,77 €
Günstigster Anbieter: B mit 717,60 € / Stück
Merke: Skonto wird immer auf den rabattierten Preis berechnet, nicht auf den Listenpreis. Frachtkosten werden durch die Stückzahl geteilt, weil sie nur einmal anfallen.
Aufgabe 2 – Bezugspreis mit Staffelrabatt
Ein Unternehmen kauft 40 Lizenzen einer Software. Der Listenpreis beträgt 120 € je Lizenz. Ab 20 Lizenzen gilt ein Rabatt von 15 %, ab 50 Lizenzen 22 %. Skonto wird 2,5 % gewährt. Versand: kostenlos. Berechne den Gesamtbezugspreis und den Bezugspreis je Lizenz.
Anwendbarer Rabatt: 15 % (40 Lizenzen, Schwelle 20 erreicht, aber unter 50)
Listenpreis gesamt: 40 × 120 = 4.800 €
Nach Rabatt (15 %): 4.800 × 0,85 = 4.080 €
Nach Skonto (2,5 %): 4.080 × 0,975 = 3.978 €
Versand: 0 €
Gesamtbezugspreis: 3.978,00 € | Bezugspreis je Lizenz: 3.978 ÷ 40 = 99,45 €
Hätte das Unternehmen 10 zusätzliche Lizenzen bestellt (50 gesamt), würde der 22 %-Rabatt greifen: 6.000 × 0,78 × 0,975 = 4.563 € gesamt → 91,26 € je Lizenz. Ob das günstiger ist, hängt davon ab, ob die 10 zusätzlichen Lizenzen überhaupt gebraucht werden.
2) Lastenheft und Pflichtenheft
Aufgabe 3 – Zuordnung Lastenheft / Pflichtenheft
Ordne die folgenden Aussagen entweder dem Lastenheft oder dem Pflichtenheft zu und begründe kurz:
(a) „Das System muss 200 gleichzeitige Nutzer unterstützen."
(b) „Wir setzen PostgreSQL 15 als Datenbankserver ein."
(c) „Die Anwendung ist per Browser ohne Installation nutzbar."
(d) „Der Load Balancer verteilt Anfragen per Round-Robin auf drei App-Server."
(e) „Alle Nutzerdaten müssen ausschließlich in der EU gespeichert werden."
(f) „Die REST-API wird mit OpenAPI 3.0 dokumentiert."
(a) „Das System muss 200 gleichzeitige Nutzer unterstützen."
(b) „Wir setzen PostgreSQL 15 als Datenbankserver ein."
(c) „Die Anwendung ist per Browser ohne Installation nutzbar."
(d) „Der Load Balancer verteilt Anfragen per Round-Robin auf drei App-Server."
(e) „Alle Nutzerdaten müssen ausschließlich in der EU gespeichert werden."
(f) „Die REST-API wird mit OpenAPI 3.0 dokumentiert."
(a) 200 gleichzeitige Nutzer → Lastenheft (Anforderung aus Kundensicht, keine Technologievorgabe)
(b) PostgreSQL 15 → Pflichtenheft (technische Umsetzungsentscheidung des Auftragnehmers)
(c) Browserbasiert ohne Installation → Lastenheft (Anforderung aus Nutzersicht – wie sie die Software nutzen wollen)
(d) Round-Robin Load Balancer auf 3 Server → Pflichtenheft (konkrete Architekturentscheidung)
(e) Datenspeicherung nur in EU → Lastenheft (rechtliche/organisatorische Anforderung des Auftraggebers)
(f) OpenAPI 3.0 Dokumentation → Pflichtenheft (technische Umsetzungsdetail)
Faustformel: Wenn die Aussage beschreibt, WAS das System können soll oder welche Rahmenbedingungen gelten → Lastenheft. Wenn sie beschreibt, WIE und WOMIT es umgesetzt wird → Pflichtenheft.
3) Qualitativer Vergleich und Nutzwertanalyse
Aufgabe 4 – Nutzwertanalyse
Dein Unternehmen wählt zwischen zwei Cloud-Speicherlösungen. Die Kriterien und Bewertungen sind gegeben:
Kriterien: DSGVO-Konformität (Gewicht 35 %), Speicherkapazität (25 %), Benutzerfreundlichkeit (20 %), Kosten (15 %), Support (5 %)
Anbieter X: DSGVO: 5, Kapazität: 3, Bedienbarkeit: 4, Kosten: 2, Support: 4
Anbieter Y: DSGVO: 3, Kapazität: 5, Bedienbarkeit: 5, Kosten: 5, Support: 3
Berechne den Nutzwert für beide Anbieter. Welcher wird empfohlen?
Kriterien: DSGVO-Konformität (Gewicht 35 %), Speicherkapazität (25 %), Benutzerfreundlichkeit (20 %), Kosten (15 %), Support (5 %)
Anbieter X: DSGVO: 5, Kapazität: 3, Bedienbarkeit: 4, Kosten: 2, Support: 4
Anbieter Y: DSGVO: 3, Kapazität: 5, Bedienbarkeit: 5, Kosten: 5, Support: 3
Berechne den Nutzwert für beide Anbieter. Welcher wird empfohlen?
Anbieter X:
DSGVO: 5 × 0,35 = 1,75
Kapazität: 3 × 0,25 = 0,75
Bedienbarkeit: 4 × 0,20 = 0,80
Kosten: 2 × 0,15 = 0,30
Support: 4 × 0,05 = 0,20
Nutzwert X: 1,75 + 0,75 + 0,80 + 0,30 + 0,20 = 3,80
Anbieter Y:
DSGVO: 3 × 0,35 = 1,05 | Kapazität: 5 × 0,25 = 1,25 | Bedienbarkeit: 5 × 0,20 = 1,00 | Kosten: 5 × 0,15 = 0,75 | Support: 3 × 0,05 = 0,15
Nutzwert Y: 1,05 + 1,25 + 1,00 + 0,75 + 0,15 = 4,20
Empfehlung: Anbieter Y (Nutzwert 4,20 > 3,80)
Obwohl Anbieter X bei DSGVO besser abschneidet, gewinnt Y durch Kapazität, Bedienbarkeit und Kosten. Zu beachten: Falls DSGVO ein K.O.-Kriterium ist (z.B. Mindestscore 4), würde Y ausscheiden. Das zeigt: Gewichtung und K.O.-Kriterien müssen vor der Analyse festgelegt werden.
Aufgabe 5 – Make-or-Buy begründen
Ein mittelständisches Handelsunternehmen überlegt, ob es eine eigene Warenwirtschaftssoftware entwickeln (Make) oder ein bestehendes ERP-System kaufen soll (Buy). Die Fakten: 80 Mitarbeitende, keine eigene IT-Abteilung, der Kernprozess (Einkauf, Lager, Vertrieb) ist standardisiert, Budget begrenzt, DSGVO-Konformität erforderlich. Empfehle eine Entscheidung und begründe sie mit mindestens vier Argumenten.
Empfehlung: Buy – Ein bestehendes ERP-System kaufen/abonnieren.
1. Keine eigene IT-Abteilung: Eigenentwicklung erfordert IT-Know-how für Entwicklung, Wartung und Betrieb. Das fehlt. Ein eingekauftes System wird vom Hersteller gewartet.
2. Standardisierter Prozess: Wenn Einkauf, Lager und Vertrieb standardisiert sind, gibt es marktgängige ERP-Systeme (z.B. Sage, Lexware, SAP Business One), die genau das abdecken – ohne Anpassungsentwicklung.
3. Begrenztes Budget: Eigenentwicklung ist initial teurer und bindet langfristig Ressourcen für Wartung. Ein SaaS-ERP hat planbare monatliche Kosten.
4. DSGVO: Bekannte ERP-Hersteller haben DSGVO-Konformität bereits umgesetzt. Eine Eigenentwicklung müsste das aufwändig selbst sicherstellen.
5. IT ist nicht die Kernkompetenz: Als Handelsunternehmen sollte der Fokus auf Einkauf und Vertrieb liegen – nicht auf Softwareentwicklung.
Make wäre sinnvoll, wenn: hochspezifische Anforderungen, die kein Marktprodukt erfüllt, oder strategisches Ziel, eigenes Softwareprodukt zu vermarkten.
Kursüberblick – Was du nach K04 können solltest
| Thema | Kernaussage | Lektion |
|---|---|---|
| Beschaffungsprozess | 8 Phasen von Bedarfsermittlung bis Rechnungsprüfung | L1 |
| Lastenheft / Pflichtenheft | LH: AG schreibt Was. PH: AN schreibt Wie. MUSS/SOLL/KANN. | L2 |
| Angebote einholen | RFI / RFQ / RFP. Strukturierte Anfrage = vergleichbare Angebote. | L3 |
| Quantitativer Vergleich | Bezugspreis = Listenpreis − Rabatt − Skonto + Bezugskosten | L4 |
| Qualitativer Vergleich | Gewichtete Kriterienbewertung für nicht-monetäre Faktoren | L5 |
| Make-or-Buy | Selbst machen vs. einkaufen – Kernkompetenz, TCO, Kapazität | L8 |
| Lizenzmodelle | Einzelplatz, Volumen, Concurrent, SaaS, Open Source (GPL vs. MIT) | L10 |
In der IHK-Prüfung wird der quantitative Angebotsvergleich am häufigsten abgefragt – übe die Bezugspreisberechnung bis sie sitzt. Lastenheft/Pflichtenheft-Zuordnungen kommen fast immer als Multiple-Choice oder Kurzantwort. Make-or-Buy wird als Argumentationsaufgabe gestellt.
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