- 1 Section
- 11 Lessons
- unbegrenzt
- Angebotsvergleich & Beschaffung11
- 1.1Beschaffungsprozess von A bis Z
- 1.2Lastenheft und Pflichtenheft
- 1.3Angebote einholen und strukturieren
- 1.4Quantitativer Angebotsvergleich
- 1.5Qualitativer Angebotsvergleich
- 1.6Marktgängige IT-Systeme bewerten
- 1.7Barrierefreiheit bei IT-Systemen (BITV, WCAG)
- 1.8Make-or-Buy-Entscheidung
- 1.9Lieferantenauswahl und -bewertung
- 1.10Lizenzmodelle im Überblick
- 1.11IHK-Aufgaben Angebotsvergleich
Lizenzmodelle im Überblick
Ein Unternehmen kauft 50 Lizenzen für Microsoft Office – und nutzt sie auf 70 Computern. Ist das legal? Was passiert, wenn ein Mitarbeitender kündigt: Darf der neue Kollege die Lizenz übernehmen? Und was bedeutet eigentlich „Open Source" – darf man das einfach kommerziell nutzen? Fragen rund um Softwarelizenzen sind im IT-Alltag täglich relevant, rechtlich komplex und teuer, wenn man sie falsch handhabt. Diese Lektion gibt einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Lizenzmodelle.
1) Was ist eine Softwarelizenz?
Wenn du Software kaufst, kaufst du in der Regel nicht die Software selbst, sondern das Recht, sie zu nutzen. Der Quellcode und alle Rechte daran bleiben beim Hersteller. Die Lizenz ist ein Vertrag, der genau regelt: Wer darf die Software nutzen? Auf wie vielen Geräten? Für welche Zwecke? Darf sie weitergegeben, verändert oder redistributiert werden? Ein Verstoß gegen Lizenzbedingungen ist eine Urheberrechtsverletzung und kann zu erheblichen Geldstrafen führen.
2) Die wichtigsten Lizenzmodelle
3) Open-Source-Lizenzen im Detail
Open-Source-Software ist weit verbreitet in der IT-Infrastruktur – Linux, Apache, PostgreSQL, Python sind alle Open Source. Aber nicht alle Open-Source-Lizenzen erlauben dasselbe. Die wichtigste Unterscheidung ist zwischen Copyleft-Lizenzen und permissiven Lizenzen.
| Lizenz | Typ | Darf verwendet werden? | Muss Quellcode geteilt werden? |
|---|---|---|---|
| GPL (v2/v3) | Copyleft (stark) | Ja, auch kommerziell | Ja – wenn Software verbreitet wird, muss Quellcode offen sein |
| LGPL | Copyleft (schwach) | Ja | Nur für die Bibliothek selbst, nicht für das einbindende Programm |
| MIT | Permissiv | Ja, auch kommerziell | Nein – Nutzung frei, nur Copyright-Hinweis behalten |
| Apache 2.0 | Permissiv | Ja, auch kommerziell | Nein – mit Patentrechtsklausel |
| BSD | Permissiv | Ja, auch kommerziell | Nein – sehr freizügig |
Für Unternehmen, die proprietäre Software entwickeln, sind GPL-lizenzierte Komponenten problematisch: Wird GPL-Code integriert und die Software verbreitet, muss der gesamte Quellcode offengelegt werden. Das nennt man den „Copyleft-Effekt". MIT, Apache und BSD stellen hier keine Einschränkungen.
4) Lizenzmanagement im Unternehmen
Unternehmen mit vielen Softwarelizenzen brauchen ein strukturiertes Software Asset Management (SAM): eine lückenlose Übersicht über alle Lizenzen (was besitzen wir?), die tatsächliche Nutzung (was wird wirklich genutzt?) und den Abgleich (sind wir compliant?). Zu viele Lizenzen kosten unnötig Geld. Zu wenige Lizenzen riskieren Urheberrechtsverletzungen, die bei Audits durch Hersteller wie Microsoft oder SAP teuer werden können.
Zusammenfassung
Eine Softwarelizenz gewährt das Nutzungsrecht, nicht das Eigentumsrecht. Die wichtigsten Modelle sind Einzelplatz-, Volumen-, Concurrent-Use-, Subscription-, Open-Source-Lizenzen und Freeware. Open-Source-Lizenzen unterscheiden sich in Copyleft (GPL: Quellcode offenlegen bei Weitergabe) und permissiv (MIT, Apache: freie Nutzung, auch kommerziell). Freeware ist nicht Open Source. Lizenzmanagement (SAM) vermeidet Unter- und Überlizenzierung. Lizenzbedingungen sind Teil des Lastenhefts und des Vertrags – rechtliche Grundlagen in IT-Recht & Lizenzrecht.
