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- Cloud Computing10
- 1.1Cloud-Grundbegriffe: IaaS, PaaS, SaaS
- 1.2Public, Private, Hybrid, Multi-Cloud
- 1.3AWS, Azure, Google Cloud im Vergleich
- 1.4Cloud-Preismodelle
- 1.5Skalierbarkeit: horizontal vs. vertikal
- 1.6Shared Responsibility Model
- 1.7Cloud-Migration: Lift & Shift, Refactor
- 1.8SLA in der Cloud
- 1.9DSGVO und Cloud: AVV, Drittlandtransfer
- 1.10Aufgaben Cloud
Cloud-Grundbegriffe: IaaS, PaaS, SaaS
Cloud Computing bedeutet im Kern: IT-Ressourcen über das Internet beziehen, anstatt sie selbst zu betreiben. Statt einen eigenen Server zu kaufen, mietet man Rechenleistung beim Anbieter. Statt eine Datenbank zu administrieren, nutzt man sie als Service. Statt eine E-Mail-Lösung zu installieren, loggt man sich bei Microsoft 365 ein. Diese drei Beispiele sind kein Zufall: sie entsprechen genau den drei Hauptmodellen, die jede:r Fachinformatiker:in kennen muss: IaaS, PaaS und SaaS.
Die klassische Analogie ist die Pizza: Du kannst sie komplett selbst machen (Teig, Soße, Belag, Ofen — alles eigene Arbeit). Du kannst Teig kaufen und nur belegen. Du kannst eine Tiefkühlpizza nehmen und nur in den Ofen schieben. Oder du gehst essen — bezahlst, isst, fertig. Jede Stufe nimmt dir mehr Arbeit ab, kostet aber pro Mahlzeit mehr und gibt dir weniger Kontrolle über das Endergebnis. Eine zweite Analogie: ein Auto. Selbst eines bauen (On-Prem) — nie. Selber kaufen und fahren (IaaS) — verbreitet. Leasen mit Service (PaaS) — Sorgenfrei-Paket. Carsharing nutzen (SaaS) — kein Eigentum, du zahlst pro Nutzung. So funktioniert die Cloud.
1) Die Pizza-Analogie: vier Stufen der Verantwortung
Stell dir vor, du willst Pizza essen. Du hast vier Optionen — jede nimmt dir mehr Arbeit ab, aber du gibst auch ein Stück Kontrolle auf:
On-Premises
Selbst gebacken
Mehl, Hefe, Soße, Belag, Ofen — alles selbst. Volle Kontrolle, viel Aufwand.
IaaS
Teig gekauft
Du belegst und bäckst. Anbieter liefert die Basis (Hardware, Strom).
PaaS
TK-Pizza
Nur noch in den Ofen schieben. Du wählst den Belag (deine App), Rest läuft.
SaaS
Pizzeria
Du bestellst, isst, bezahlst. Keine eigene Küche, keine Reste, kein Abwasch.
2) Der Verantwortungs-Stack — wer macht was?
Konkreter wird es, wenn man die typische IT-Architektur in Schichten zerlegt: vom Strom über die Hardware, das Betriebssystem, die Middleware (Datenbank, Webserver), die Laufzeitumgebung bis hin zur eigentlichen Anwendung und den Daten. Bei jedem Cloud-Modell verschiebt sich die Grenze zwischen Kundenverantwortung (gelb) und Anbieterverantwortung (grün) — und damit auch, wofür du als Admin in die Haftung kommst. Klick durch die Modelle:
3) IaaS — Infrastructure as a Service
IaaS ist die rohste Form der Cloud: du mietest Rechenleistung, Speicher und Netzwerk — also virtuelle Maschinen, Festplatten, virtuelle Netzwerke. Was darauf läuft, ist deine Sache: Betriebssystem installieren, Patches einspielen, Datenbank konfigurieren, Backups einrichten. IaaS ähnelt am stärksten der eigenen Virtualisierung — nur dass der Hypervisor jemand anderem gehört.
Typische IaaS-Beispiele:
- AWS EC2 (Elastic Compute Cloud) — virtuelle Server in vielen Größen
- Azure Virtual Machines — Microsofts Pendant
- Google Compute Engine — Googles VMs
- Hetzner Cloud, IONOS, OVH — europäische Alternativen
IaaS ist die richtige Wahl, wenn du maximale Kontrolle brauchst — etwa für eine ältere Anwendung, die nicht in Container passt; für Datenbank-Server mit spezieller Konfiguration; oder für Linux-Server mit Custom-Software, die du selbst pflegen willst.
4) PaaS — Platform as a Service
Bei PaaS gibst du das Betriebssystem ab. Du bekommst eine vorkonfigurierte Plattform — eine Datenbank, einen Webserver, eine Container-Runtime — und dort wirfst du deinen Code rein. Wartung, Updates, Skalierung der Plattform übernimmt der Anbieter. Du musst dich nicht mehr darum kümmern, ob die zugrunde liegende VM mit einem Security-Patch versorgt wurde — das passiert im Hintergrund.
Typische PaaS-Beispiele:
- AWS Elastic Beanstalk / Azure App Service / Google App Engine — du lädst deinen Code hoch, der Rest läuft
- Heroku — der PaaS-Pionier für Webanwendungen
- AWS RDS / Azure SQL / Cloud SQL — Managed Databases (MySQL, PostgreSQL etc.)
- AWS Lambda / Azure Functions — Function-as-a-Service (FaaS), serverlos
PaaS lohnt sich, wenn du eigene Software entwickelst, aber kein Interesse hast, Linux zu administrieren. Der Tradeoff: weniger Flexibilität. Du musst dich an die unterstützten Sprachen/Frameworks halten, die der Anbieter vorgibt. Was nicht passt, läuft nicht.
5) SaaS — Software as a Service
Bei SaaS bekommst du die fertige Anwendung — komplett betrieben, gewartet, aktualisiert. Du loggst dich im Browser ein und nutzt sie. Code, Server, Datenbanken, Backups, Updates — alles unsichtbar. Du zahlst pro Nutzer:in oder pro Funktionsumfang.
SaaS ist mit Abstand die häufigste Form von Cloud — und die meisten Menschen nutzen täglich Dutzende davon, ohne es zu merken:
- Microsoft 365, Google Workspace — Office-Suiten
- Salesforce, HubSpot — CRM
- Slack, Microsoft Teams, Zoom — Kommunikation
- Dropbox, OneDrive, Google Drive — Dateiablage
- Jira, Asana, Trello — Projektmanagement
- GitHub, GitLab.com — Code-Hosting
SaaS bedeutet null Wartungsaufwand für die IT — und null Kontrolle über die Software. Mag der Anbieter morgen die Oberfläche ändern oder eine Funktion abkündigen, bleibt dir nur zustimmen oder migrieren.
6) Vergleich auf einen Blick
Die folgende Tabelle fasst zusammen, wofür welches Modell taugt und welcher administrative Aufwand bleibt:
| Aspekt | On-Premises | IaaS | PaaS | SaaS |
|---|---|---|---|---|
| Hardware-Verantwortung | Kunde | Anbieter | Anbieter | Anbieter |
| OS-Patches | Kunde | Kunde | Anbieter | Anbieter |
| Anwendungs-Code | Kunde | Kunde | Kunde | Anbieter |
| Daten-Backup | Kunde | Kunde | variiert | Anbieter (meist) |
| Skalierung | manuell, langwierig | auf Knopfdruck | automatisch | unsichtbar |
| Initialkosten | hoch (CapEx) | niedrig (OpEx) | sehr niedrig | fast null |
| Lock-in-Risiko | kein | gering | mittel | hoch |
| Typische Beispiele | eigener Server-Raum | AWS EC2, Azure VMs | Heroku, App Engine, RDS | Microsoft 365, Salesforce |
Eine wichtige Beobachtung: CapEx vs. OpEx. Eigene Hardware ist Capital Expenditure (Investitionsausgabe — einmaliges Geld in den Anlagen) und über Jahre abzuschreiben. Cloud ist Operational Expenditure (laufende Kosten — wie Miete oder Strom). Diese Verschiebung hat Konsequenzen für Steuer, Bilanz und TCO-Rechnung — und ist einer der wirtschaftlichen Hauptgründe, warum Unternehmen in die Cloud gehen.
7) Weitere "-aaS"-Varianten
Über die drei Hauptmodelle hinaus haben sich diverse Spezialformen etabliert. Du musst sie nicht alle auswendig kennen, aber die Begriffe sollten klingeln:
| Abk. | Name | Was steckt dahinter |
|---|---|---|
| FaaS | Function as a Service | Serverlose Funktionen, die nur bei Aufruf laufen (AWS Lambda, Azure Functions) |
| DBaaS | Database as a Service | Verwaltete Datenbanken (AWS RDS, Azure SQL Database) |
| STaaS | Storage as a Service | Speicher-Service (AWS S3, Azure Blob Storage) |
| CaaS | Container as a Service | Verwaltete Container-Plattformen (AWS ECS, Azure Container Apps) |
| DaaS | Desktop as a Service | Virtuelle Desktops aus der Cloud (Azure Virtual Desktop) |
| BaaS | Backup as a Service | Verwaltete Backup-Lösungen |
| iPaaS | Integration Platform as a Service | Plattformen zur Integration verschiedener Systeme |
Zusammenfassung
Cloud Computing bedeutet IT-Ressourcen über das Internet beziehen statt selbst betreiben. Drei Hauptmodelle: IaaS (Infrastructure — virtuelle Server, du verwaltest OS und alles drüber), PaaS (Platform — vorkonfigurierte Plattform für deinen Code), SaaS (Software — fertige Anwendung über den Browser). Die Verantwortungsgrenze zwischen Kunde und Anbieter verschiebt sich je nach Modell — von voll beim Kunden (On-Prem) bis voll beim Anbieter (SaaS). Vorteile der Cloud: keine Vorabinvestition (OpEx statt CapEx), schnelle Skalierung, weniger Wartung. Nachteile: laufende Kosten, Vendor-Lock-in-Risiko, weniger Kontrolle. Spezialformen: FaaS, DBaaS, STaaS, CaaS, DaaS, BaaS — alles Sonderfälle des PaaS-Prinzips.
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