- 1 Section
- 10 Lessons
- unbegrenzt
- Cloud Computing10
- 1.1Cloud-Grundbegriffe: IaaS, PaaS, SaaS
- 1.2Public, Private, Hybrid, Multi-Cloud
- 1.3AWS, Azure, Google Cloud im Vergleich
- 1.4Cloud-Preismodelle
- 1.5Skalierbarkeit: horizontal vs. vertikal
- 1.6Shared Responsibility Model
- 1.7Cloud-Migration: Lift & Shift, Refactor
- 1.8SLA in der Cloud
- 1.9DSGVO und Cloud: AVV, Drittlandtransfer
- 1.10Aufgaben Cloud
Cloud-Preismodelle
Eines der wichtigsten Versprechen der Cloud lautet: „Du zahlst nur, was du nutzt". Das klingt nach unbegrenzter Sparoption — und ist gleichzeitig die größte Kostenfalle, die Unternehmen bei der Cloud-Migration erleben. Pay-as-you-go ist nur eine von mehreren Preisformen — und je nach Nutzungsmuster die teuerste. Wer Cloud-Kosten verstehen will, muss die verschiedenen Preismodelle kennen und gezielt mischen.
Die Analogie: Cloud-Pricing ist wie der Mobilfunk-Markt. Du kannst Prepaid nehmen — flexibel, pro Minute teuer (= On-Demand). Du kannst einen 2-Jahres-Vertrag abschließen — günstiger pro Minute, aber bindend (= Reserved). Du kannst auf eine Tarif-Aktion warten — billigster Preis, kann aber jederzeit vom Anbieter zurückgezogen werden (= Spot). Du kannst auf Flatrate setzen — fester Monatspreis, egal wie viel du nutzt (= Savings Plans). Wer immer nur Prepaid kauft, zahlt am Ende des Jahres das Vielfache. Genauso ist es in der Cloud. Eine zweite Analogie: Bahn-Tickets — Flexpreis (teuer, kein Zwang), Sparpreis (günstiger, gebunden an Verbindung), BahnCard 100 (Flat). Cloud-Anbieter haben aus dem Tarifmarkt gelernt.
1) Die vier Hauptpreismodelle
Im Kern bieten alle großen Cloud-Anbieter (AWS, Azure, GCP) dieselben vier Modelle an — nur mit unterschiedlichen Namen. Die Logik dahinter ist immer dieselbe: Wer sich auf Nutzung festlegt, bekommt Rabatt.
On-Demand
0 % RabattPay-as-you-go: stundengenau (oder sekundengenau bei manchen Services) abgerechnet, keine Bindung, jederzeit kündbar. Höchster Stunden-Preis. Für sporadische Lasten, Tests, kurzfristige Projekte.
Reserved / Reservation
bis 72 % Rabatt1 oder 3 Jahre Bindung an einen bestimmten Instance-Type. Bezahlung im Voraus, monatlich oder gar nicht. Für Dauerlasten — Datenbankserver, Webserver, AD-Controller.
Savings Plans
bis 66 % RabattVerpflichtung auf eine Stunden-Ausgabe (z. B. „10 €/Stunde für 3 Jahre"), egal welche Instances. Flexibler als Reserved. Bei AWS „Compute Savings Plans", bei Azure „Reservations", bei GCP „Committed Use Discounts".
Spot / Preemptible
bis 90 % Rabatt Achtung: jederzeit AbbruchUngenutzte Anbieter-Kapazität. Sehr billig, kann aber jederzeit mit wenigen Sekunden Vorwarnung beendet werden. Für unkritische, unterbrechbare Workloads — Batch-Jobs, ML-Training, Render-Farmen.
2) Kostenverlauf über die Zeit — Modelle im Vergleich
Visuell wird der Unterschied am deutlichsten, wenn man die Stundenkosten verschiedener Modelle für denselben Server über einen Tag zeichnet:
3) Was kostet eigentlich was? — die Komponenten
Cloud-Rechnungen setzen sich aus vielen einzelnen Posten zusammen. Wer nur den Preis seiner VM kennt, wird von der ersten Monatsabrechnung kalt erwischt. Die wichtigsten Komponenten:
| Komponente | Was abgerechnet wird | Beispielpreis (grob) |
|---|---|---|
| Compute | VM-Laufzeit (Stunden × vCPU + RAM) | 0,02 – 5 €/h je nach Größe |
| Storage (Block) | GB-Monate für VM-Festplatten | 0,05 – 0,20 €/GB·Monat |
| Storage (Object) | GB-Monate + Anfragen (PUT/GET) | 0,02 €/GB Standard, $/$+ pro 1000 Requests |
| Egress-Traffic | Daten raus aus der Cloud | 0,05 – 0,12 €/GB ⚠ |
| Ingress-Traffic | Daten rein in die Cloud | 0 € (meistens kostenlos) |
| Cross-Region-Traffic | Daten zwischen Regionen | 0,02 – 0,08 €/GB |
| Snapshots | GB-Monate, oft komprimiert | 0,05 €/GB·Monat |
| Public IP | Statische öffentliche IP | 0,003 – 0,005 €/h auch unbenutzt |
| Load Balancer | Stunden + Datenverarbeitung | ~20-30 €/Monat + Traffic |
| Managed Services | RDS, S3-Features, Lambda-Aufrufe | variiert stark |
Der gefährlichste Posten: Egress-Traffic. Daten in die Cloud zu schieben ist gratis, raus kostet. Ein Backup-Restore von 10 TB aus AWS = 10.000 GB × 0,09 € = 900 € — eine teure Überraschung. Anbieter haben hier bewusst asymmetrisch bepreist: rein billig (lockt Kunden), raus teuer (verstärkt Vendor-Lock-in). Die EU-Regulatorik versucht das gerade einzudämmen.
4) Interaktiver Preisrechner — ein Beispiel-Setup
Stell dir ein typisches Setup zusammen und sieh, was es kostet:
5) Free Tiers — die Lockmittel
Alle drei Großanbieter bieten kostenlose Einstiegspakete, die für Tests, Lernzwecke und kleine Hobbyprojekte oft ausreichen:
- AWS Free Tier: 12 Monate gratis 750 h/Monat einer t2.micro/t3.micro, 5 GB S3, 750 h RDS db.t3.micro, 1 Mio. Lambda-Aufrufe/Monat (dauerhaft). Achtung: nach 12 Monaten wird automatisch berechnet.
- Azure Free: 12 Monate gratis B1s-VM (750 h/Monat), 5 GB Blob Storage, ähnliche Pakete. Plus 200 € Startguthaben für 30 Tage.
- Google Cloud: 300 $ Startguthaben für 90 Tage, dauerhaft kostenlose Always-Free-Stufen für viele Services (1 e2-micro/Monat, 5 GB Storage etc.).
Für Studium und Berufsausbildung sind diese Tiers Gold wert — du kannst alle drei Plattformen ohne Risiko ausprobieren. Aber: immer Budget-Alerts setzen! Eine vergessene laufende VM kann nach Ablauf des Free Tier dreistellige Beträge verursachen.
6) Kostenfallen, die jeden treffen
Aus der Praxis: das sind die typischen Bills-of-Surprise, mit denen Unternehmen nach dem ersten Cloud-Monat zu kämpfen haben:
- Vergessene Ressourcen: Test-VMs, die nicht abgeschaltet wurden, ungenutzte Load Balancer, vergessene Snapshots. Lösung: Tagging-Pflicht (Owner, Cost-Center), automatisches Abschalten nach Inaktivität.
- Egress-Traffic-Schock: Backup-Restore, Datenmigration zwischen Regionen, externe API-Aufrufe. Lösung: Traffic so weit wie möglich innerhalb derselben Region halten.
- Idle-Ressourcen: Dev-Umgebungen, die 24×7 laufen statt 8×5. Lösung: Auto-Shutdown-Scripts oder Tools wie ParkMyCloud.
- Übergroße Instances: „Lieber gleich groß, falls's wächst." Lösung: mit kleinen Größen starten, dann scale-out per Auto-Scaling.
- Datenbank ohne Backup-Strategie: RDS macht standardmäßig automatische Backups — die kosten Storage. Lösung: Retention-Period auf wirklich nötiges Minimum setzen.
- Doppelte Logs: CloudWatch, S3-Logs, ELB-Logs, VPC-Flow-Logs — alle gleichzeitig aktiviert. Lösung: bewusst auswählen, was wirklich gebraucht wird.
- Premium-Support-Pläne: Enterprise Support kostet 10 % des Cloud-Verbrauchs (mind. 15.000 $/Monat bei AWS). Lösung: nur abschließen, wenn echt nötig.
7) FinOps — Cloud-Kosten professionell managen
Aus diesen Problemen ist eine eigene Disziplin entstanden: FinOps (Cloud Financial Operations). Die FinOps Foundation beschreibt es als Zusammenarbeit von Finanz, Engineering und Business, um Cloud-Kosten transparent und steuerbar zu machen. Die drei Phasen:
- Inform (Sichtbarkeit): Tagging-Strategie, Cost-Allocation, Dashboards. Wer verursacht welche Kosten? Welche Projekte/Abteilungen?
- Optimize (Optimieren): Right-Sizing (kleinere Instances), Reserved/Savings für Dauerlasten, Auto-Shutdown für Dev, Storage-Tiering.
- Operate (Steuern): Budgets, Forecasts, Alerts. Continuous Improvement: jeden Monat 1-2 Prozent optimieren.
In großen Unternehmen gibt es heute eigene FinOps-Teams. Für die IHK-Prüfung reicht es, den Begriff einzuordnen — und zu wissen, dass Cloud-Kostenkontrolle kein „nice to have" ist, sondern eine eigene Kompetenz.
Zusammenfassung
Vier Hauptpreismodelle in der Cloud: On-Demand (Pay-as-you-go, teuerster Stundenpreis, jederzeit kündbar), Reserved (1-3 Jahre Bindung, bis 72 % Rabatt), Savings Plans (flexible Stundenausgaben-Verpflichtung, bis 66 % Rabatt), Spot/Preemptible (ungenutzte Kapazität, bis 90 % Rabatt, jederzeit Abbruch möglich). Rechnung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: Compute (Stunden × Größe), Storage (GB·Monat), Egress-Traffic (gefährlich!), Cross-Region-Traffic, Snapshots, Public IPs, Load Balancer, Managed Services. Egress ist die häufigste Kostenfalle. Free Tiers (AWS, Azure, GCP) für Tests und Lernen — aber Budget-Alerts setzen. Typische Kostenfallen: vergessene Ressourcen, Idle-Workloads, überdimensionierte Instances, doppelte Logs. FinOps ist die Disziplin, Cloud-Kosten zu managen — Phasen: Inform, Optimize, Operate.
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