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Speichertypen: HDD, SSD, NVMe
Bevor wir uns mit RAID beschäftigen können (ab L3), brauchst du Klarheit über die Bausteine: welche Speicher gibt es überhaupt? Diese Lektion zeigt die drei wichtigsten Typen – HDD (klassische Festplatte), SSD (Solid State Drive) und NVMe (die schnellste moderne Variante). Plus: wie sie technisch funktionieren, welche Schnittstellen sie nutzen und wann man welchen einsetzt.
FISIs müssen die Charakteristika auswendig kennen – in der IHK-Klausur kommen praktisch immer Fragen zu IOPS, Latenz, Lebensdauer und Einsatzszenarien. Wir beginnen mit dem ältesten Vertreter.
1) HDD – die klassische Festplatte
Eine HDD (Hard Disk Drive) speichert Daten magnetisch auf rotierenden Scheiben (sogenannte Platter). Lese-/Schreibköpfe schweben Mikrometer über den Scheiben und schreiben Bits durch Magnetisierung. Das ist klassische Mechanik – mit allen Vor- und Nachteilen:
2) SSD – Solid State Drive
Eine SSD hat keine beweglichen Teile. Daten liegen in Flash-Speicher-Chips (NAND-Flash). Kein Suchen, kein Drehen – elektrische Zugriffe sind hundert- bis tausendfach schneller als mechanische.
Charakteristika:
- Schnell: Latenz im Mikrosekunden-Bereich (HDD: Millisekunden).
- Robust: keine Mechanik, daher stoßfest, leise, energieeffizienter.
- Endliche Schreibzyklen: jede Flash-Zelle kann nur einige tausend Mal beschrieben werden. SSDs nutzen Wear Leveling, um Last zu verteilen.
- Teurer pro GB als HDD, aber der Abstand schrumpft.
3) NVMe – die Hochleistungs-SSD
NVMe (Non-Volatile Memory Express) ist keine andere Technologie, sondern eine schnellere Schnittstelle für SSDs. Klassische SSDs nutzen SATA (eine Schnittstelle, die für HDDs entworfen wurde). NVMe-SSDs hängen direkt am PCIe-Bus – deutlich schneller.
Zum Vergleich: eine SATA-SSD schafft ~550 MB/s (das SATA-Limit), eine NVMe-SSD über 7000 MB/s – mehr als das Zehnfache. Bei vielen kleinen Operationen (IOPS) ist der Unterschied noch dramatischer.
4) Direktvergleich der drei Typen
Klick durch die Tabs und sieh die Charakteristika jedes Typs auf einen Blick:
5) Übersichtstabelle
| Kriterium | HDD | SATA-SSD | NVMe-SSD |
|---|---|---|---|
| Lesegeschwindigkeit | 80-200 MB/s | ~550 MB/s | 3.000-14.000 MB/s |
| IOPS (4K random) | 75-200 | 50-100 k | 300 k-1 M+ |
| Latenz | 5-15 ms | ~100 µs | ~10-20 µs |
| Maximale Kapazität | 24 TB+ | 8 TB | 15 TB+ |
| Preis pro TB | €15-25 | €60-90 | €60-130 |
| Bewegliche Teile? | Ja | Nein | Nein |
| Stoßempfindlich? | Ja | Nein | Nein |
| Geräusch | Hörbar | Lautlos | Lautlos |
| Stromverbrauch | 6-10 W | 2-4 W | 4-8 W (Last) |
| Schnittstelle | SATA, SAS | SATA III | PCIe (M.2, U.2) |
6) Schnittstellen und Form-Faktoren
Speicher kommt in verschiedenen physischen Formen und mit unterschiedlichen Anschlüssen:
7) Wear Leveling und TRIM – SSD-Besonderheiten
Flash-Speicher hat eine begrenzte Anzahl Schreibzyklen pro Zelle (typisch 1000-100.000, je nach Technologie). Wenn du immer dieselben Zellen beschreibst, sterben sie schnell. Lösung: Wear Leveling – die SSD verteilt Schreibvorgänge intern auf alle Zellen.
8) Welcher Speicher wofür?
Praxis-Empfehlungen:
- Betriebssystem-Laufwerk: NVMe oder SATA-SSD. Niemals HDD – das System wäre unerträglich langsam.
- Datenbank-Server: NVMe für aktive DB, SSD für moderate Last. IOPS sind hier kritisch.
- Webserver / Anwendungsserver: SSD reicht. Hohe Verfügbarkeit (RAID 1) wichtiger als pure Speed.
- Datei-Server / NAS: HDD für Massendaten (Bilder, Videos). SSD-Cache für oft genutzte Dateien.
- Backup / Archiv: HDD. Großvolumig und günstig. Geschwindigkeit zweitrangig.
- Cold Storage / Langzeit-Archiv: Tape (LTO-Bänder) – noch günstiger und stabiler als HDD.
- Workstation (CAD, Video): NVMe für aktive Projekte, große HDD für Fertigprojekte.
9) MTBF und Ausfallraten
MTBF (Mean Time Between Failures) ist eine statistische Kennzahl für die durchschnittliche Zeit zwischen zwei Ausfällen. Server-Festplatten haben oft Angaben wie „1,5 Mio Stunden MTBF". Das klingt nach 170 Jahren, ist aber statistisch gerechnet – in einer Flotte von 1000 Platten fällt im Schnitt eine pro 1500 Stunden aus.
Wichtiger ist die AFR (Annualized Failure Rate) – Wahrscheinlichkeit, dass eine Platte innerhalb eines Jahres ausfällt. Typisch 1-2 % bei guter Hardware. Beim Einsatz von 100 Platten heißt das: 1-2 Ausfälle pro Jahr einplanen. Daher RAID (siehe ab L3) und Backups (K58) unverzichtbar.
10) Trends 2026
- NVMe wird Standard. Auch in günstigen Notebooks. SATA-SSDs gibt es noch, aber weniger.
- HDDs bei 24-30 TB. Hersteller (Seagate, WD) treiben Kapazitäten mit Technologien wie HAMR/MAMR.
- QLC-Flash. Vier Bits pro Zelle – günstiger, aber kürzere Lebensdauer. Für Lese-lastige Workloads.
- PCIe Gen5 NVMe. Bis 14 GB/s. Gen6 in der Pipeline.
- Computational Storage. SSDs mit Rechenlogik – Filter direkt im Speicher.
- Tape lebt weiter. LTO-9 mit 18 TB, LTO-10 angekündigt – günstigster Langzeitspeicher.
Zusammenfassung
HDD = mechanisch, magnetische Scheiben, langsam (5-15 ms Latenz), günstig (€15-25/TB), große Kapazitäten. SATA-SSD = Flash-Speicher, schnell (~550 MB/s, ~100 µs), mittlerer Preis. NVMe-SSD = SSD direkt am PCIe-Bus, sehr schnell (bis 14 GB/s, 10 µs), hoher IOPS-Wert. Wichtige Kennzahlen: MB/s (Durchsatz), IOPS (Operationen pro Sekunde), Latenz. SSD-Besonderheiten: begrenzte Schreibzyklen, Wear Leveling, TRIM. Form-Faktoren: 2,5″, 3,5″, M.2, U.2. MTBF/AFR für Ausfallplanung. Nächste Lektion: Speicheranbindung: DAS, NAS, SAN.
