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RAID 0: Striping
RAID 0 ist das schnellste, einfachste – und gefährlichste – RAID-Level. Es nutzt Striping, um Daten parallel über mehrere Disks zu verteilen. Ergebnis: rasante Performance und volle Kapazität. Aber: kein Redundanz-Bit. Ein Disk-Ausfall = alle Daten weg. Der Name ist trügerisch – es ist eigentlich kein „richtiges" RAID, da das R (Redundant) fehlt.
Trotzdem hat RAID 0 in bestimmten Situationen seine Berechtigung. In dieser Lektion lernst du das Prinzip, die Rechnung, die Risiken und die wenigen Use Cases, in denen es Sinn macht.
1) Wie funktioniert Striping?
Beim Striping werden Daten in Blöcke (Stripes) aufgeteilt und reihum auf alle Disks geschrieben. Stell dir vor, du legst Bücher in zwei Regale – Buch 1 ins linke, Buch 2 ins rechte, Buch 3 wieder ins linke, usw. Wenn du beide Regale gleichzeitig befragen kannst, suchst du doppelt so schnell.
2) Performance-Gewinn
Der Performance-Vorteil von RAID 0 ist real und messbar – aber kein Wunder. Faustregel:
- Sequentielles Lesen/Schreiben: nahezu linear skalierend. Zwei Disks ≈ 2× Speed, vier Disks ≈ 4× Speed.
- Random Lesen/Schreiben: auch verbessert, aber weniger linear. Bei vielen kleinen Operationen tritt Controller-Overhead in Erscheinung.
- IOPS: addieren sich. 2× 100 IOPS-Disks ≈ 200 IOPS-Verbund.
Beispiel: zwei HDDs mit je 150 MB/s im RAID 0 → ca. 280-290 MB/s (nicht ganz das Doppelte wegen Overhead). Bei NVMe-SSDs ist der Effekt geringer, weil eine einzelne NVMe schon so schnell ist, dass der Controller-Engpass früher greift.
3) Kapazität – die einzige RAID-Form, die nichts „kostet"
RAID 0 ist die einzige RAID-Variante, bei der die volle Brutto-Kapazität nutzbar ist. Alle anderen Level opfern einen Teil für Redundanz.
Beispiel: 4 × 2 TB = 8 TB nutzbar (alle Disks gleich groß!)
4) Das große Problem: Ausfallwahrscheinlichkeit
Hier wird's hässlich. RAID 0 ist weniger ausfallsicher als eine einzelne Disk! Warum? Weil jede einzelne Disk das gesamte Array zum Erliegen bringen kann.
• Bei 2 Disks: ≈ 4 %
• Bei 4 Disks: ≈ 7,8 %
• Bei 8 Disks: ≈ 14,9 %
Und ein einziger Ausfall bedeutet Totalverlust aller Daten. Das ist das Gegenteil von Ausfallsicherheit!
5) Vorteile und Nachteile
6) Wann macht RAID 0 Sinn?
Trotz aller Warnungen gibt es Einsatzbereiche, in denen RAID 0 sinnvoll ist:
7) Mindestanzahl Disks: 2
RAID 0 braucht mindestens 2 Disks. Mehr ist möglich (4, 6, 8) – die Performance skaliert weiter. Aber: das Ausfallrisiko skaliert mit.
In der Praxis selten mehr als 4 Disks im RAID 0. Bei vielen Disks kombiniert man oft mit Mirror oder Parität (RAID 10, RAID 50/60) – siehe spätere Lektionen.
8) Rechen-Beispiel für die Klausur
Eine typische IHK-Aufgabe:
Lösung:
Nettokapazität = n × Disk-Größe = 6 × 4 TB = 24 TB.
Maximal tolerierbare Ausfälle: 0. Bereits der Ausfall einer einzigen Disk führt zum Verlust aller Daten.
9) RAID 0 vs. JBOD
Manchmal wird RAID 0 mit JBOD (Just a Bunch Of Disks) verwechselt. Beide kombinieren mehrere Disks, aber:
- RAID 0: Daten werden verteilt (gestriped). Parallele I/O = höhere Performance. Aber: Ausfall einer Disk → alle Daten weg.
- JBOD (auch „spanning" oder „concatenation"): Disks werden aneinandergehängt. Erst Disk 1 voll, dann Disk 2 usw. Keine Performance-Gain. Bei Ausfall: nur die Daten auf der ausgefallenen Disk weg, der Rest noch da.
JBOD ist also „etwas weniger riskant" als RAID 0, aber auch ohne Performance-Vorteil. In der Praxis selten genutzt.
10) Praxis-Tipps
- RAID 0 nur für temporäre Daten. Niemals für OS oder kritische Daten.
- Identische Disks verwenden. Modell, Größe, idealerweise gleiche Charge – maximale Konsistenz.
- Backup-Strategie definieren. Wenn RAID 0 zum Einsatz kommt: tägliches Backup ist Pflicht. Vgl. K58.
- SMART-Monitoring. Frühe Disk-Probleme erkennen, bevor das ganze Array ausfällt.
- Kombi-RAIDs prüfen. Wenn dir Performance UND Sicherheit wichtig sind: RAID 10 (L8) ist meistens die bessere Wahl.
- Stripe Size anpassen. Bei großen Dateien (Video) lieber größere Stripes (256 KiB), bei vielen kleinen Files kleinere (32-64 KiB).
Zusammenfassung
RAID 0 = Striping ohne Redundanz. Daten werden in Stripes auf mehrere Disks verteilt – parallele I/O bringt deutlichen Speed-Gewinn. Vorteile: maximale Performance, volle Kapazität (Netto = Brutto), günstig. Nachteile: KEINE Redundanz – ein Disk-Ausfall = Totalverlust. Ausfallrisiko steigt mit jeder Disk. Mindestanzahl: 2 Disks. Formel: Netto = n × Disk-Größe. Tolerierbare Disk-Ausfälle: 0. Sinnvoll für temporäre/reproduzierbare Daten (Cache, Video-Editing, Build-Server). Nie für kritische Daten ohne Backup. Nächste Lektion: RAID 1 – Mirroring.
