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RAID 1: Mirroring
RAID 1 ist das einfachste „echte" RAID-Level: zwei (oder mehr) Disks werden identisch gespiegelt. Jedes Bit auf Disk A liegt auch auf Disk B. Geht eine kaputt, übernimmt die andere – ohne Datenverlust, ohne Downtime. Der Preis: 50 % deiner Brutto-Kapazität bleibt ungenutzt.
RAID 1 ist im Mittelstand und in kleineren Servern der Standard für OS-Laufwerke und kritische Daten. Einfach zu verstehen, einfach zu administrieren, sehr zuverlässig. Diese Lektion zeigt das Prinzip, die Rechnung und wann RAID 1 die richtige Wahl ist.
1) Wie funktioniert Mirroring?
Beim Schreiben gehen die Daten parallel auf beide Disks. Beim Lesen kann der Controller entscheiden, von welcher Disk er liest (oft Round-Robin oder Last-Balance). Stell dir vor, du schreibst denselben Brief zweimal – einmal für die Akten, einmal als Sicherung.
2) Kapazitäts-Rechnung
Beispiel: 2 × 2 TB = 2 TB nutzbar. Bei 3 Disks (Triple Mirror) auch nur 2 TB.
3) Tolerierbare Disk-Ausfälle
Bei klassischem RAID 1 mit zwei Disks: 1 Disk darf ausfallen. Geht die zweite auch noch kaputt, ist alles verloren. Bei Triple Mirror (3 Disks, alle identisch): 2 Disks dürfen ausfallen.
Allgemein: n − 1 Disks dürfen ausfallen, wenn alle n Disks im Mirror sind. In der Praxis ist Triple Mirror selten – meist nimmt man dann lieber RAID 6 (zwei Parity-Disks bei mehr Nutzkapazität).
4) Performance bei RAID 1
Hier wird's interessant:
- Lesen: kann von beiden Disks gleichzeitig erfolgen → bis zu doppelte Lese-Performance. Der Controller verteilt Read-Operationen.
- Schreiben: muss auf beide Disks gleichzeitig → keine Beschleunigung. Manche Implementationen sind sogar leicht langsamer als eine Einzeldisk wegen Sync-Overhead.
- IOPS: beim Lesen verdoppelt, beim Schreiben unverändert.
Für lese-lastige Workloads (Web-Server, Datenbank-Reads, statische Dateien) ist RAID 1 also nicht nur sicher, sondern auch performant. Für schreib-lastige Workloads (Logging, OLTP-Schreibvorgänge) ist RAID 1 kein Performance-Booster.
5) Was passiert beim Disk-Ausfall?
Ablauf bei Disk-Ausfall im RAID 1:
- Disk fällt aus. Controller erkennt das (SMART-Werte, Timeouts).
- RAID wechselt in „Degraded"-Modus. System läuft weiter, aber ohne Redundanz. Achtung: bei Ausfall der zweiten Disk = Totalverlust!
- Administrator wird benachrichtigt (E-Mail, SNMP, Dashboard).
- Hot Spare springt ein (falls konfiguriert) – oder Admin tauscht Disk manuell.
- Rebuild läuft: alle Daten von der überlebenden Disk auf die neue Disk kopiert. Dauert bei 2 TB SSD ca. 1-2 h, bei 16 TB HDD bis zu 24 h.
- Rebuild fertig: System ist wieder voll redundant.
Vorteil von RAID 1: der Rebuild ist nicht rechenintensiv (anders als bei Parity-RAIDs). Es wird einfach kopiert – Disk 1 → Disk 2. Daher schneller und weniger anfällig für Folgeausfälle als RAID 5/6.
6) Vorteile und Nachteile
7) Wann ist RAID 1 die richtige Wahl?
8) RAID 1 vs. RAID 0 – Direkt-Vergleich
| Kriterium | RAID 0 | RAID 1 |
|---|---|---|
| Mindestanzahl Disks | 2 | 2 |
| Tolerierbare Ausfälle | 0 | 1 |
| Nettokapazität | 100 % | 50 % |
| Lese-Speed | 2× (parallel) | bis 2× (parallel) |
| Schreib-Speed | 2× (parallel) | 1× (kein Boost) |
| Rebuild-Zeit | – (Neuinstallation) | schnell (Copy) |
| Use Case | Performance, kein Schutz | Sicherheit, OS-Disks |
9) Rechen-Beispiel
Lösung:
(a) Nettokapazität = Disk-Größe = 4 TB (50 % von 8 TB Brutto).
(b) 1 Disk darf ausfallen, ohne Datenverlust. Fällt die zweite auch aus, sind alle Daten weg.
(c) Bei Triple Mirror (3 × 4 TB) bleibt die Nettokapazität bei 4 TB. Es dürfen aber 2 Disks gleichzeitig ausfallen.
10) Praxis-Tipps
- Identische Disks verwenden. Selber Hersteller, selbes Modell. Niemals verschiedene Größen (kleinere bestimmt das Mirror-Volumen).
- Aber: Manche empfehlen verschiedene Chargen, um Charge-Defekte abzufangen. Trade-off.
- SMART-Monitoring aktiv. Frühe Warnungen vor Disk-Tod erkennen, vorbeugend tauschen.
- Hot Spare einplanen. Wenn das System wichtig ist: eine Reserve-Disk kalt oder warm einbauen.
- Rebuild-Zeit beachten. Während Rebuild läuft, ist das Array verwundbar. Bei großen HDDs (16 TB+) eher RAID 6 wählen.
- RAID 1 ≠ Backup! Wenn jemand eine wichtige Datei löscht, ist sie auf beiden Disks weg. Vgl. K58.
- Hardware oder Software? Bei OS-Disks oft Software-RAID (Linux mdadm, Windows Storage Spaces) – einfach und gut genug. Bei Daten-Volumes oft Hardware. Vgl. L9.
Zusammenfassung
RAID 1 = Mirroring. Zwei (oder mehr) Disks werden 1:1 identisch beschrieben. Mindestanzahl: 2 Disks. Tolerierbare Ausfälle: n − 1 (bei 2 Disks → 1 Disk darf ausfallen). Nettokapazität: Disk-Größe (immer 50 % oder weniger Overhead). Performance: Lesen schnell (parallel), Schreiben unverändert. Vorteile: volle Redundanz, einfacher Rebuild, schnelle Reads. Nachteile: 50 % Speicherverlust, kein Schreib-Boost. Use Cases: OS-Laufwerke, kleine kritische Datenbanken, kleine NAS-Systeme. Nächste Lektion: RAID 5 – Striping mit Parität.
