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Speicheranbindung: DAS, NAS, SAN
In L1 hast du HDD, SSD und NVMe kennengelernt – das sind die Bausteine. Jetzt geht es darum, wie sie an einen Server oder PC angebunden werden. Drei Architekturen haben sich etabliert: DAS, NAS und SAN. Sie unterscheiden sich fundamental in Anbindung, Protokoll und Einsatzbereich.
Diese Unterscheidung ist Pflichtwissen für FISIs – in praktisch jeder Klausur kommt eine Frage dazu. Die Begriffe werden auch von Vendor-Marketingunterlagen oft durcheinandergeworfen, daher hier die klaren Definitionen.
1) DAS – Direct Attached Storage
DAS ist der einfachste Fall: Speicher direkt am Server. Festplatten stecken im Server-Gehäuse oder hängen über ein direktes Kabel (SATA, SAS, eSATA, USB) an einem einzelnen Host. Kein Netzwerk, keine Sharing-Mechanismen – ein Server, sein Speicher.
Beispiele: SSD im Laptop, Festplatten im Tower-PC, externes USB-Laufwerk, Server mit eingebauten Disks. Auch ein extern angebundenes Disk-Shelf ist DAS, solange es exklusiv an einem Server hängt.
2) NAS – Network Attached Storage
NAS ist ein spezialisiertes Gerät im Netzwerk, das Dateien bereitstellt. Mehrere Clients greifen über LAN per Datei-Protokoll (SMB/CIFS, NFS) zu. Das NAS hat ein eigenes Betriebssystem und verwaltet Dateien und Berechtigungen.
Beispiele: Synology DiskStation, QNAP, TrueNAS-Server, Windows-Server mit Datei-Freigabe. Eingesetzt für gemeinsame Datei-Ablage, Home-Office-Backups, Medienarchive. Du sprichst auf Dateiebene – „öffne mir Datei X".
3) SAN – Storage Area Network
SAN ist ein dediziertes Netzwerk für Speicher. Statt Dateien werden Block-Daten übertragen – der Server sieht das SAN-Volume wie eine direkt angeschlossene Festplatte. Protokolle: Fibre Channel (FC), iSCSI, FCoE.
SANs sind die Enterprise-Lösung: hochverfügbar, performant, teuer. Standard in Rechenzentren für Datenbanken, VM-Storage, kritische Workloads. Mehrere Server teilen sich Storage, das System selbst sieht jedes Volume als lokale Disk.
4) Visualisierung der drei Architekturen
Klick durch die drei Topologien:
5) Block vs. Datei – der fundamentale Unterschied
Warum unterscheiden wir „Block-Storage" und „File-Storage"? Das ist die wichtigste Frage in der Speicher-Welt:
6) Direktvergleich
| Kriterium | DAS | NAS | SAN |
|---|---|---|---|
| Anbindung | direkt (SATA, SAS) | LAN (Ethernet) | dediziertes Netz (FC, iSCSI) |
| Sicht | Block | Datei | Block |
| Sharing | 1 Host | viele Clients | viele Server |
| Protokolle | SATA, SAS, NVMe, USB | SMB, NFS | iSCSI, FC, FCoE, NVMe-oF |
| Performance | sehr hoch | mittel | sehr hoch |
| Komplexität | niedrig | mittel | hoch |
| Kosten | niedrig | mittel | hoch |
| Typische Größe | einige TB | 10er TB | 100er TB bis PB |
| Ausfallsicherheit | von Server abhängig | RAID + Replikation | hoch (redundante Wege) |
| Use Case | Workstation, Single-Server | Datei-Ablage, Backup | VM-Cluster, DB-Server |
7) Speicher-Protokolle im Detail
8) Einsatzszenarien – welche Architektur wann?
9) Object Storage – die vierte Architektur
Streng genommen gibt es noch eine vierte Speicher-Architektur, die hier nicht im IHK-Rahmenplan steht, aber praktisch wichtig ist: Object Storage. Statt Block oder File arbeitet es mit Objekten – einer Datei plus Metadaten, addressiert über eindeutige IDs/URLs.
Beispiele: Amazon S3, Azure Blob Storage, Google Cloud Storage, MinIO (self-hosted). Skaliert auf Exabyte. Zugriff per HTTP-API. Standard für Cloud-Anwendungen, Backups, Bilder/Videos, statische Webseiten. Nicht direkt mountbar wie ein Dateisystem (außer mit Workarounds).
10) Praktische Tipps
- Kein NAS für Datenbanken. NFS oder SMB als DB-Storage = Performance-Killer. SAN oder DAS nehmen.
- iSCSI ist Einsteiger-SAN. Funktioniert über normales Ethernet, kein FC-Setup nötig. Performance reicht für viele Workloads.
- NAS nicht über WAN. SMB/NFS sind LAN-Protokolle, latenzanfällig. Für Remote-Zugriff Cloud-Storage oder VPN.
- Backups separat. Wenn dein NAS Primärspeicher und Backup-Ziel ist, hast du kein Backup. (Vgl. K58.)
- RAID ist nicht Backup. Auch im NAS/SAN. RAID schützt vor Disk-Ausfall, nicht vor Lösch-Unfällen oder Ransomware. Vgl. ab L3.
Zusammenfassung
DAS = Speicher direkt am Server (SATA, SAS, NVMe), exklusiv, schnell, günstig. NAS = Speichergerät im Netzwerk, Datei-Ebene über SMB (Windows) oder NFS (Linux), für gemeinsame Datei-Ablage. SAN = dediziertes Netzwerk für Block-Storage über iSCSI/Fibre Channel/NVMe-oF, für VM-Cluster und Datenbanken. Block vs. Datei: Block = Server verwaltet Filesystem (Performance), Datei = Storage verwaltet Filesystem (Sharing). Object Storage (S3) als vierte moderne Variante. Wahl je nach Use Case: Workstation → DAS, Datei-Ablage → NAS, Datenbank/VMs → SAN. Nächste Lektion: RAID-Grundprinzip.
