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RAID 6: doppelte Parität
RAID 6 ist der große Bruder von RAID 5. Statt einem Paritätswert pro Stripe werden zwei berechnet (P und Q). Damit dürfen gleichzeitig zwei Disks ausfallen, ohne dass Daten verloren gehen. Das ist heute der Standard für große Arrays – seit Festplatten regelmäßig 10+ TB groß sind, ist RAID 5 zu riskant geworden.
Diese Lektion baut auf L6 auf und zeigt, warum RAID 6 die mathematisch elegantere und in der Praxis sicherere Lösung ist.
1) Warum eine zweite Parität?
Erinnerung aus L6: bei RAID 5 darf nur eine Disk ausfallen. Geht eine zweite kaputt – etwa während des Rebuilds – ist das Array verloren. Bei großen modernen Disks ist das ein reales Problem:
- Rebuild bei 12 TB HDD: 24+ Stunden.
- Während Rebuild sind alle Disks unter Volllast – Folge-Ausfälle wahrscheinlicher.
- URE-Risiko (Unrecoverable Read Error) steigt mit Disk-Größe.
- Disks aus derselben Charge altern oft ähnlich.
Lösung: zweite Parität dazu. Das verdoppelt die Sicherheit – zum Preis einer zusätzlichen Disk-Größe an Overhead.
2) Wie RAID 6 funktioniert
RAID 6 nutzt zwei verschiedene Paritäts-Algorithmen:
- P (Parität): klassisches XOR, wie bei RAID 5.
P = D1 ⊕ D2 ⊕ D3 ⊕ … - Q (zweite Parität): Reed-Solomon-Code – eine mathematisch unabhängige Berechnung. Im einfachsten Fall: Galois-Field-Multiplikation. Klingt kompliziert, ist es auch.
Wichtig zu wissen: P und Q sind nicht identisch – sie nutzen unterschiedliche Mathematik. Daher: zwei unabhängige Werte, aus denen jeweils ein Disk-Ausfall rekonstruiert werden kann.
3) Verteilung über die Disks
Wie bei RAID 5 wandern P und Q über alle Disks – kein dedizierter Parity-Drive. Bei 6 Disks belegt jede Reihe zwei Disks mit Parität (P und Q), die anderen vier mit Daten:
4) Was passiert bei Disk-Ausfällen?
- 0 Disks defekt: Normalbetrieb. Volle Performance.
- 1 Disk defekt: Degraded-Modus. System läuft weiter, Rebuild kann starten. Noch eine Disk Reserve.
- 2 Disks defekt: Doppelt degraded. Trotzdem noch alle Daten verfügbar – aber jetzt keine Reserve mehr. Sofort beide tauschen!
- 3 Disks defekt: Verloren. Drei gleichzeitige Ausfälle sind in der Praxis selten, aber möglich (Charge-Defekt, Stromausfall, etc.).
Der Rebuild bei 2 ausgefallenen Disks ist mathematisch komplexer: es wird ein lineares Gleichungssystem über dem Galois-Feld gelöst. In der Praxis übernehmen das die RAID-Controller-Algorithmen vollautomatisch.
5) Kapazitäts-Rechnung
Beispiel 6 × 2 TB: Netto = 4 × 2 TB = 8 TB (Brutto 12 TB; 4 TB = doppelte Parität)
6) RAID 5 vs. RAID 6 – Vergleich
7) Write Penalty bei RAID 6
Da nun zwei Paritäts-Blöcke aktualisiert werden müssen, ist die Write Penalty noch höher als bei RAID 5:
- Alten Datenblock lesen (1 IOPS)
- Alte P-Parität lesen (1 IOPS)
- Alte Q-Parität lesen (1 IOPS)
- Neue Daten schreiben (1 IOPS)
- Neue P-Parität schreiben (1 IOPS)
- Neue Q-Parität schreiben (1 IOPS)
Das macht 6 IOPS pro Schreibvorgang. Auf modernen Hardware-Controllern (mit Cache und Battery-Backup) wird das gemildert – die Schreibvorgänge werden gesammelt und gemeinsam berechnet. Trotzdem: RAID 6 ist schreib-langsamer als RAID 5.
8) Vorteile und Nachteile
9) Typische Use Cases
10) Hybrid-Varianten
Für noch mehr Sicherheit oder Performance gibt es Kombinationen:
- RAID 60 (RAID 6+0): mehrere RAID 6-Gruppen, gestripted. Jede Gruppe verträgt 2 Ausfälle. Bei 24 Disks in 4 Gruppen à 6 Disks → bis zu 8 Ausfälle insgesamt (max 2 pro Gruppe).
- RAID 6 mit Hot Spares: 1-2 unbenutzte Reserve-Disks, die automatisch bei Ausfall einspringen.
- RAID 6 + Replikation: SAN-Cluster spiegeln zwischen Rechenzentren. Disaster Recovery on top.
- Triple-Parity (RAID 7 / RAID-Z3): drei Paritäten, drei Disks dürfen ausfallen. Selten, hoher Overhead, nur in ZFS verbreitet.
Zusammenfassung
RAID 6 = Striping mit doppelter Parität. Zwei unabhängige Paritäts-Werte (P per XOR, Q per Reed-Solomon) erlauben den Ausfall von zwei Disks gleichzeitig. Min: 4 Disks. Tolerierbare Ausfälle: 2. Netto: (n − 2) × Disk-Größe. Heutiger Standard für große Arrays mit Disks > 4 TB (HDD) oder hochkritischen Daten. Vorteile: hohe Sicherheit, gute Effizienz bei vielen Disks. Nachteile: höhere Write Penalty (6 IOPS), mindestens 4 Disks nötig. Use Cases: Enterprise-NAS/SAN, Archive, Surveillance, Compliance-Storage. Nächste Lektion: RAID 10 – Stripe of Mirrors.
