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RAID 10
RAID 10 – auch geschrieben als RAID 1+0 – kombiniert die Performance von RAID 0 mit der Sicherheit von RAID 1. Daten werden zuerst gespiegelt (RAID 1), dann werden die Spiegel gestriped (RAID 0). Ergebnis: schnell und ausfallsicher. Der Preis: 50 % Speicher-Overhead, wie bei reinem RAID 1.
RAID 10 ist der Klassiker für Datenbanken und schreib-intensive Server-Workloads. Wo RAID 5/6 wegen Write Penalty leiden, glänzt RAID 10 mit voller Schreib-Performance.
1) Wie RAID 10 aufgebaut ist
Das „1+0" beschreibt die Reihenfolge: zuerst Mirror, dann Stripe. Bei 4 Disks:
- Disk 1 und Disk 2 bilden ein Mirror (RAID 1).
- Disk 3 und Disk 4 bilden ein zweites Mirror.
- Über diese beiden Mirrors wird gestripted (RAID 0).
2) Performance: das Beste aus beiden Welten
- Lesen: sehr schnell. Innerhalb eines Mirror-Paares können beide Disks parallel gelesen werden, plus Striping über mehrere Mirrors. Bis zu n-fache Lese-Performance.
- Schreiben: schnell. Jeder Block muss zwar zweimal geschrieben werden (Mirror), aber das passiert parallel. Keine Parity-Berechnung wie bei RAID 5/6 – also keine Write Penalty.
- IOPS: deutlich höher als bei Parity-RAIDs, besonders bei Random Writes.
Daher: RAID 10 ist der Standard bei OLTP-Datenbanken, Mail-Servern, virtuellen Maschinen, allen schreib-lastigen Workloads.
3) Tolerierbare Ausfälle – die Kniffel-Frage
Bei RAID 10 ist die Frage welche Disks gleichzeitig ausfallen dürfen interessant – die Antwort ist nicht einfach „1" oder „2", sondern variabel:
4) Kapazitäts-Rechnung
Beispiel 6 × 2 TB: Netto = 3 × 2 TB = 6 TB (Brutto 12 TB, Hälfte für Mirror)
5) RAID 10 vs. RAID 01 – nicht verwechseln!
Es gibt zwei Reihenfolgen, Mirror und Stripe zu kombinieren – und sie sind nicht gleichwertig:
6) Performance im Detail
Vergleich der IOPS pro Schreibvorgang (vereinfacht):
- RAID 0: 1 IOPS (kein Overhead)
- RAID 1: 2 IOPS (auf 2 Disks)
- RAID 5: 4 IOPS (lesen + schreiben + Parity)
- RAID 6: 6 IOPS (zwei Paritäten)
- RAID 10: 2 IOPS (wie RAID 1 – kein Parity)
Bei einer Datenbank, die viel schreibt (z.B. 1000 Writes/s pro Anwendung), bedeutet das in der Praxis: RAID 10 schafft das mit 2000 Disk-IOPS, RAID 6 braucht 6000. Bei begrenzten IOPS pro Disk macht das den Unterschied zwischen „läuft" und „läuft nicht".
7) Vorteile und Nachteile
8) Typische Use Cases
9) Rechen-Beispiel
Lösung:
(a) Nettokapazität = (n/2) × Disk-Größe = 4 × 1,92 TB = 7,68 TB.
(b) Im besten Fall 4 Disks (je eine pro Mirror-Paar). Im schlechtesten Fall reichen aber schon 2 Disks, wenn sie aus demselben Mirror-Paar stammen.
10) Praxis-Tipps
- Identische Disks pro Mirror-Paar. Modell, Größe – wie bei RAID 1.
- Disks aus verschiedenen Chargen. Insbesondere innerhalb eines Mirror-Paares – verhindert, dass beide gleichzeitig sterben.
- Hot Spares einplanen. 1-2 Reserve-Disks beschleunigen Rebuild bei Ausfall.
- RAID 10 oder RAID 6? Bei vielen kleinen Writes → RAID 10. Bei wenigen großen Files (Archiv) → RAID 6 (effizienter).
- Monitoring aktiv halten. Bei 2 ausgefallenen Disks im selben Mirror = Game Over. SMART-Werte beobachten.
- RAID 10 ≠ Backup! Auch hier gilt: separate Backup-Strategie nötig. Vgl. K58.
Zusammenfassung
RAID 10 = Stripe of Mirrors (RAID 1+0). Erst Mirror-Paare bilden (RAID 1), dann über die Mirrors stripen (RAID 0). Min: 4 Disks, immer gerade Zahl. Netto: n/2 × Disk-Größe (50 % Overhead). Tolerierbare Ausfälle: bis zu n/2 (je 1 pro Mirror-Paar) – aber im worst case schon 2 Disks reichen. Vorteile: sehr schnell beim Lesen UND Schreiben, schneller Rebuild, keine Write Penalty. Nachteile: 50 % Speicher-Overhead, hohe Kosten. Use Cases: OLTP-Datenbanken, VM-Hosts, Mail-Server, alle schreib-intensiven Workloads. Achtung: RAID 01 ist NICHT dasselbe und schlechter. Nächste Lektion: Software-RAID vs. Hardware-RAID.
