- 1 Section
- 10 Lessons
- unbegrenzt
- Zahlensysteme & Boolesche Algebra10
- 1.1Warum Zahlensysteme? Stellenwertsysteme
- 1.2Binärsystem: Aufbau und Zählen
- 1.3Dezimal ↔ Binär umrechnen
- 1.4Hexadezimalsystem
- 1.5Hex ↔ Binär ↔ Dezimal: alle Umrechnungen
- 1.6Negative Zahlen: Zweierkomplement
- 1.7Boolesche Algebra: UND, ODER, NICHT
- 1.8XOR, NAND, NOR
- 1.9Bitmasken und logische Verknüpfungen in der IT
- 1.10Aufgaben Zahlensysteme & Logik
Warum Zahlensysteme? Stellenwertsysteme
Du nutzt jeden Tag Zahlen – aber hast du dir je überlegt, warum wir genau zehn Ziffern haben? Warum nicht acht? Oder sechzehn? Die Antwort ist: weil wir zehn Finger haben. Mehr nicht. Das ist der einzige Grund, warum unser Alltags-Zahlensystem das Dezimalsystem ist.
In der Informatik ist das anders. Ein Computer hat keine zehn Finger – er hat Strom an oder Strom aus, ein oder null. Daraus folgt: das natürliche Zahlensystem eines Computers hat zwei Ziffern. Es heißt Binärsystem. Und weil Binärzahlen für Menschen schwer zu lesen sind, gibt es noch ein praktisches Hilfssystem: das Hexadezimalsystem mit 16 Ziffern.
Diese drei Systeme – Dezimal, Binär und Hex – wirst du in der Informatik dauernd brauchen: bei IP-Adressen und Subnetzmasken, bei Speicheradressen, bei Bitmasken, bei Farben in HTML (#FF8800), bei Charakter-Kodierungen, bei Hardware-Adressen wie MAC. Wer hier flüssig umrechnet, spart sich täglich Stress.
1) Das Prinzip: Stellenwertsysteme
Alle hier behandelten Systeme sind Stellenwertsysteme: jede Ziffer hat einen Wert, der von ihrer Position abhängt. Das ist so selbstverständlich, dass man's leicht übersieht – aber genau dieses Prinzip ist der Schlüssel zum Verständnis aller Zahlensysteme.
Beispiel: die Zahl 352 bedeutet nicht „3, 5, 2". Sondern: 3 × 100 + 5 × 10 + 2 × 1. Die Position bestimmt den Wert. Die rechte Ziffer ist die Einer-Stelle, die zweite die Zehner, die dritte die Hunderter. Jeder Schritt nach links multipliziert mit 10 – der Basis des Dezimalsystems.
| Position | 3 | 2 | 1 | 0 |
|---|---|---|---|---|
| Stellenwert | 10³ = 1000 | 10² = 100 | 10¹ = 10 | 10⁰ = 1 |
| Ziffer | 0 | 3 | 5 | 2 |
| Beitrag | 0 | 300 | 50 | 2 |
2) Dieselbe Zahl in mehreren Systemen
Wenn du das Prinzip einmal verstanden hast, ist das wichtigste Lern-Erlebnis: eine Zahl ist eine Zahl, unabhängig vom Zahlensystem. Die Menge „dreizehn" ist dieselbe Menge – aber sie wird unterschiedlich aufgeschrieben:
11111111), im Dezimal 3 Stellen (255), im Hex nur 2 Stellen (FF). Genau deshalb wird Hex in der Praxis gern als „kompakte Binärschreibweise" verwendet – es lässt sich elegant zwischen Hex und Binär umrechnen. Mehr dazu in den Lektionen 4 und 5.3) Notation – wie erkennt man die Basis?
Wenn die Zahl 10 da steht – ist das zehn? Oder zwei (binär)? Oder sechzehn (hex)? Es gibt keine universelle Antwort. Daher gibt es Konventionen, mit denen die Basis kenntlich gemacht wird. In der Praxis und in IHK-Aufgaben begegnen dir vor allem diese:
- Tiefgestellte Basis:
10102bedeutet „Binär",FF16bedeutet „Hex",4210bedeutet Dezimal. Lehrbuchstandard. - Präfixe im Code:
0b1010für Binär,0xFFfür Hex, normale Zahl ohne Präfix ist Dezimal. So nutzen es Java, C, Python, JavaScript. - Suffixe: manchmal
FFhfür Hex oder101bfür Binär – seltener, aber gerade in Assembler-Welt verbreitet. - Kontext: Wenn klar ist worüber gesprochen wird, lässt man die Markierung weg. Bei MAC-Adresse
00:1A:2Bist Hex selbstverständlich.
In IHK-Klausuren wird meist die tiefgestellte Notation verwendet. 110012 ist eindeutig Binär, 2A16 ist eindeutig Hex. Mach es dir in deinen eigenen Antworten zur Gewohnheit – das schafft Klarheit und vermeidet teure Missverständnisse.
4) Ein bisschen Geschichte
Zahlensysteme sind sehr alt – aber das Stellenwert-Prinzip mit der Null als Platzhalter ist überraschend jung. Die Babylonier hatten ein Sexagesimalsystem (Basis 60) – davon stammt unsere Aufteilung des Kreises in 360 Grad und unsere Stunden in 60 Minuten. Die Römer hatten ein nicht-stellenwertbasiertes System (MCMLXXIV = 1974). Erst die Inder erfanden um 500 nach Christus das Stellenwertsystem mit der Null. Über arabische Mathematiker kam es im Mittelalter nach Europa.
5) Wer braucht welches System?
Für die IHK-Prüfung – und das tägliche Programmieren – sind nicht alle Zahlensysteme gleich wichtig. Hier die für Informatiker*innen wichtigsten und wo sie auftauchen:
#FF8800), MAC-Adressen, Speicheradressen, IPv6, Hashes (MD5, SHA), Maschinenwortdarstellung in Debuggern.chmod 755). Eine Oktal-Ziffer = 3 Bit. In modernen Sprachen wenig genutzt.6) Was kommt in den nächsten Lektionen?
Jetzt wo die Grundlage steht – Stellenwert ist universell, Basis ist verschieden – geht's in den weiteren Lektionen ins Detail:
- Lektion 2 – Binärsystem: wie es funktioniert, warum Computer es nutzen, wie man darin zählt.
- Lektion 3 – Dezimal ↔ Binär: die zwei Standard-Verfahren zum Umrechnen.
- Lektion 4 – Hexadezimalsystem: die kompakte Bruder-Schwester von Binär.
- Lektion 5 – Alle Umrechnungen: jedes mit jedem.
- Lektion 6 – Zweierkomplement: wie negative Zahlen funktionieren.
- Lektionen 7-9: die Boolesche Algebra, also UND/ODER/NICHT, XOR/NAND/NOR und Bitmasken in der Praxis.
- Lektion 10: typische IHK-Aufgaben zum Üben.
Zusammenfassung
Zahlen lassen sich in verschiedenen Zahlensystemen darstellen. Allen in dieser Lektion behandelten Systemen liegt das Stellenwert-Prinzip zugrunde: jede Ziffer hat einen Wert, der von ihrer Position abhängt, multipliziert mit Potenzen der Basis. Die wichtigsten Systeme sind Dezimal (Basis 10, Alltag), Binär (Basis 2, Computer-intern), Hexadezimal (Basis 16, Programmierung). Eine Zahl bleibt dieselbe – nur ihre Darstellung ändert sich. Je höher die Basis, desto kürzer die Darstellung. Notation in IHK-Aufgaben meist tiefgestellt: 10102, FF16, 4210. Im Code: 0b1010, 0xFF. Anwendungen in der Praxis: IP-Adressen und Subnetting, Farben, MAC-Adressen, Bitmasken, Speicheradressen, Hashes. Die nächsten Lektionen behandeln jedes System einzeln und die Umrechnungen.
