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- Zahlensysteme & Boolesche Algebra10
- 1.1Warum Zahlensysteme? Stellenwertsysteme
- 1.2Binärsystem: Aufbau und Zählen
- 1.3Dezimal ↔ Binär umrechnen
- 1.4Hexadezimalsystem
- 1.5Hex ↔ Binär ↔ Dezimal: alle Umrechnungen
- 1.6Negative Zahlen: Zweierkomplement
- 1.7Boolesche Algebra: UND, ODER, NICHT
- 1.8XOR, NAND, NOR
- 1.9Bitmasken und logische Verknüpfungen in der IT
- 1.10Aufgaben Zahlensysteme & Logik
Binärsystem: Aufbau und Zählen
Das Binärsystem ist das Zahlensystem der Computer. Nach den Grundlagen aus Lektion 1 wissen wir: es ist ein Stellenwertsystem mit Basis 2. Es gibt nur zwei Ziffern: 0 und 1. Jede Position multipliziert sich mit einer Zweier-Potenz statt mit einer Zehner-Potenz.
Klingt eingeschränkt – ist aber genau, was Computer wollen. Diese Lektion zeigt dir, wie das System aufgebaut ist, warum Computer es benutzen und wie man darin zählt.
1) Warum überhaupt Binär?
Ein Computer ist eine Maschine aus Milliarden winziger Schalter (Transistoren). Jeder dieser Schalter hat nur zwei mögliche Zustände: leitet Strom oder leitet nicht. An oder Aus. Diese Zwei-Zustand-Natur ist physikalisch trivial zu bauen – einen Schalter, der zuverlässig genau zehn unterschiedliche Spannungen unterscheidet, könnte man nie mit der gleichen Zuverlässigkeit fertigen.
Aus dieser Hardware-Realität folgt die Software-Konsequenz: alles im Computer wird durch Folgen von An und Aus dargestellt. Diese zwei Zustände nennen wir 0 und 1. Ein einzelner solcher Wert heißt Bit – die kleinste Informationseinheit. Acht Bits bilden ein Byte.
Logik: false
Sym.: low / off
Logik: true
Sym.: high / on
2) Das Prinzip: Zweier-Potenzen
Wie in Lektion 1 gezeigt: in einem Stellenwertsystem hat jede Stelle einen Wert, der eine Potenz der Basis ist. Im Binärsystem sind das die Zweier-Potenzen: 1, 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256, … Jede Stelle ist doppelt so viel wert wie die rechts daneben.
Klick die Bits an und sieh, welche Dezimalzahl entsteht. Die Position bestimmt den Wert, das gesetzte Bit aktiviert ihn:
#FF hex), größte Zahl in einem unsigned byte.3) Im Binärsystem zählen
Im Dezimalsystem zählst du 0, 1, 2, …, 9 und dann gibt's einen Übertrag in die nächste Stelle: 10. Binär funktioniert genauso – nur dass der Übertrag schon nach der 1 kommt. Du zählst 0, 1, und dann ist die Stelle „voll", es geht weiter mit 10 (sprich „eins-null", nicht „zehn"!).
Klick durch die ersten 16 Zahlen und beobachte, wie die Bits umkippen. Die Logik ist die einer Auto-Tachometer-Rolle: wenn eine Stelle „überläuft", wird sie auf 0 zurückgesetzt und die nächste Stelle erhöht.
4) Wie viele Werte passen in N Bits?
Die Frage ist in IHK-Prüfungen ein Klassiker: Wie viele unterschiedliche Werte kann ich mit n Bits darstellen? Die Antwort ist immer dieselbe Formel: 2n. Mit jedem zusätzlichen Bit verdoppelt sich der Wertebereich.
| Bits | Werte (2ⁿ) | Größter Wert (unsigned) | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1 Bit | 2 | 1 | Wahrheitswert: true/false |
| 2 Bit | 4 | 3 | DNA-Basen (A,C,G,T) |
| 3 Bit | 8 | 7 | Unix-Rechte einer Klasse (rwx) |
| 4 Bit | 16 | 15 | Eine Hex-Ziffer (0-F) |
| 8 Bit | 256 | 255 | Ein Byte, ein IP-Oktett, eine Farbkomponente |
| 16 Bit | 65.536 | 65.535 | Portnummer, „short int" |
| 32 Bit | ≈ 4,29 Mrd. | 4.294.967.295 | IPv4-Adresse, „int" in vielen Sprachen |
| 64 Bit | ≈ 18,4 Trillionen | 18.446.744.073.709.551.615 | „long int", aktuelle CPU-Register |
| 128 Bit | ~3,4 × 10³⁸ | — | IPv6-Adresse, UUID, AES-Schlüssel |
5) Wertebereiche, die du auswendig wissen solltest
Vier Werte solltest du im Schlaf wissen, weil sie überall auftauchen – in Prüfungen, im Code, in Spezifikationen:
6) Drei Begriffe, die du nicht verwechseln darfst
In der Praxis und in Prüfungen werden manche Begriffe gerne durcheinander geworfen. Drei Klassiker, die saubere Trennung verdienen:
- Bit: die kleinste Informationseinheit. Hat einen von zwei Zuständen: 0 oder 1.
- Byte: eine Gruppe aus 8 Bits. Ein Byte kann 256 verschiedene Werte annehmen (0 bis 255). Speicher wird meist in Bytes gemessen.
- Nibble: eine Gruppe aus 4 Bits. Ein halbes Byte. Praktisch, weil 4 Bits genau einer Hex-Ziffer entsprechen.
Wichtig: bei Datenübertragungsraten meint man oft Bits (Megabit pro Sekunde), bei Speicher meist Bytes (Megabyte). 1 MByte/s ≈ 8 MBit/s. Wer das verwechselt, wundert sich über „langsame" Downloads.
7) Die typischen Stolperfallen
Drei Patterns, die in IHK-Aufgaben gern für Verwirrung sorgen – und dich bewusst auf die falsche Antwort lenken:
- Off-by-one bei Anzahl vs. Maximalwert: mit 8 Bit kannst du 256 verschiedene Werte darstellen – aber der größte Wert ist 255 (nicht 256!). Weil null der 256. Wert ist.
- Bit-Zählung links vs. rechts: das Bit ganz rechts heißt Least Significant Bit (LSB, niedrigwertigstes) und hat Stellenwert 2⁰=1. Das Bit ganz links ist das Most Significant Bit (MSB). Bei 8-Bit ist das Bit-Position 7, Wert 128. Manche zählen Positionen 0 bis 7, andere 1 bis 8 – immer prüfen.
- Bits vs. Bytes: 1 KB = 1024 Bytes = 8192 Bits. Vorzeichen vor dem B zeigen den Unterschied: Mb = Megabit, MB = Megabyte. Internet-Anbieter werben in Mbit/s, Festplatten in MB.
Zusammenfassung
Das Binärsystem ist das Stellenwertsystem mit Basis 2: nur zwei Ziffern (0 und 1), Stellenwerte sind Zweier-Potenzen (1, 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, …). Es ist das natürliche Zahlensystem der Computer, weil Hardware aus Schaltern mit zwei Zuständen besteht. Ein einzelnes Bit kann 2 Werte annehmen, n Bits können 2ⁿ Werte annehmen. Ein Byte sind 8 Bit (256 Werte, 0 bis 255). Ein Nibble sind 4 Bit (16 Werte). Wichtige Wertebereiche: 8 Bit → 0-255, 16 Bit → 0-65535, 32 Bit → ca. 4,29 Milliarden, 64 Bit → ca. 18,4 Trillionen. Beim Zählen funktioniert Binär wie Dezimal, nur mit Übertrag nach der 1 statt nach der 9. Wichtige Unterscheidung: LSB (least significant bit, rechts) hat Stellenwert 1, MSB (most significant bit, links) hat den größten Stellenwert. Achtung: Anzahl Werte = 2ⁿ, aber größter Wert = 2ⁿ-1 (weil Null einer der Werte ist). Mehr zur Umrechnung Dezimal ↔ Binär in Lektion 3.
