- 1 Section
- 10 Lessons
- unbegrenzt
- Projektmanagement Methoden10
- 1.1Warum Projekte scheitern
- 1.2Projektauftrag, Phasen und Meilensteine
- 1.3Wasserfall-Modell
- 1.4Scrum: Rollen, Events, Artefakte
- 1.5Kanban: Boards, WIP-Limits, Flow
- 1.6Hybrides Projektmanagement
- 1.7Netzplan & kritischer Pfad
- 1.8Gantt-Diagramm und Terminplanung
- 1.9Projektstrukturplan (PSP) und Aufgabenabgrenzung
- 1.10Projektkommunikation, Reflexion und Verbesserung
Scrum: Rollen, Events, Artefakte
Stell dir vor, du arbeitest in einem Kochteam. Statt nach einem starren Rezept zu kochen, das vor einem Jahr geschrieben wurde, kocht ihr jede Woche ein Gericht, probiert es mit den Gästen, nehmt Feedback auf – und verbessert das nächste Gericht. Genau das ist das Prinzip hinter Scrum: kurze Arbeitszyklen, regelmäßiges Feedback, kontinuierliche Verbesserung. Scrum ist heute das meistgenutzte agile Rahmenwerk in der Softwareentwicklung – und ein Kernthema der IHK-Prüfung.
1) Was ist Scrum?
Scrum ist kein starres Vorgehensmodell, sondern ein Rahmenwerk (Framework). Es gibt vor, welche Rollen es gibt, welche regelmäßigen Meetings stattfinden und welche Artefakte (Dokumente/Listen) gepflegt werden – wie das Team die eigentliche Arbeit erledigt, bleibt aber flexibel. Der Name „Scrum" stammt aus dem Rugby und bezeichnet das Gedränge nach einem Regelverstoß, bei dem das Team eng zusammenarbeitet, um den Ball zurückzugewinnen.
Der Grundrhythmus von Scrum ist der Sprint: ein fester Arbeitszeitraum von 1–4 Wochen, in dem das Team ein konkretes, nutzbares Ergebnis liefert. Kein Sprint dauert länger als vier Wochen – das erzwingt regelmäßiges Feedback und verhindert, dass Fehler lange unentdeckt bleiben.
2) Die drei Rollen in Scrum
Scrum kennt genau drei Rollen – nicht mehr, nicht weniger. Jede hat eine klare Verantwortung. Das Klicken auf eine Rolle zeigt dir, was sie genau bedeutet.
3) Die vier Scrum-Events
Scrum schreibt genau vier regelmäßige Meetings vor, die sogenannten Events. Sie haben feste Zeitboxen – das bedeutet: Sie dauern maximal so lange wie vorgegeben, auch wenn nicht alles besprochen wurde. Das verhindert endlose Meetings und schafft Disziplin.
| Event | Wann | Dauer (max.) | Zweck |
|---|---|---|---|
| Sprint Planning | Zu Beginn jedes Sprints | 8 h (für 4-Wochen-Sprint) | Team wählt Aufgaben aus dem Product Backlog und plant den Sprint. |
| Daily Scrum | Täglich | 15 Minuten | Kurzes Standup: Was habe ich gestern getan? Was tue ich heute? Was blockiert mich? |
| Sprint Review | Am Ende jedes Sprints | 4 h (für 4-Wochen-Sprint) | Das Team präsentiert das fertige Ergebnis dem Auftraggeber. Feedback wird aufgenommen. |
| Sprint Retrospective | Nach dem Sprint Review | 3 h (für 4-Wochen-Sprint) | Das Team reflektiert: Was lief gut? Was verbessern wir im nächsten Sprint? |
Das Daily Scrum ist dabei besonders wichtig: Es dauert nur 15 Minuten, findet aber täglich statt – oft im Stehen, daher auch „Daily Stand-up". Es löst eines der häufigsten Projektprobleme: fehlende Kommunikation innerhalb des Teams. Wer blockiert ist, sagt es – und das Team kann sofort helfen.
4) Die drei Scrum-Artefakte
Artefakte sind in Scrum die zentralen Listen und Dokumente, die den Arbeitsfortschritt sichtbar machen. Sie sorgen dafür, dass alle Beteiligten jederzeit wissen, was zu tun ist, was gerade gemacht wird und was schon fertig ist – Transparenz als Grundprinzip.
Ziehe User Stories vom Product Backlog in den Sprint Backlog, um sie für den nächsten Sprint einzuplanen.
5) Scrum vs. Wasserfall – der entscheidende Unterschied
Der fundamentale Unterschied liegt im Umgang mit Unsicherheit. Das Wasserfall-Modell versucht, alle Anforderungen zu Beginn vollständig zu definieren und dann stur umzusetzen. Scrum akzeptiert von Anfang an, dass sich Anforderungen ändern – und baut darauf, durch kurze Zyklen und regelmäßiges Feedback schnell reagieren zu können.
| Merkmal | Wasserfall | Scrum |
|---|---|---|
| Planung | Vollständig vorab | Iterativ, Sprint für Sprint |
| Kundenfeedback | Erst am Ende | Nach jedem Sprint |
| Änderungen | Teuer und aufwändig | Eingebaut und erwünscht |
| Dokumentation | Sehr ausführlich | So viel wie nötig |
| Risiko | Spät erkannt | Früh erkannt, früh behoben |
| Passt für | Stabile Anforderungen, Compliance | Dynamische Anforderungen, Softwareentwicklung |
Zusammenfassung
Scrum ist ein agiles Rahmenwerk für iterative Softwareentwicklung in kurzen Zyklen (Sprints von 1–4 Wochen). Die drei Rollen sind Product Owner (priorisiert Anforderungen), Scrum Master (schützt den Prozess) und Development Team (setzt um). Die vier Events sind Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review und Sprint Retrospective. Die drei Artefakte sind Product Backlog, Sprint Backlog und Increment. Im Vergleich zum Wasserfall-Modell ermöglicht Scrum schnelles Reagieren auf Änderungen und regelmäßiges Kundenfeedback. Für Projekte mit stabilen Anforderungen kann das hybride Vorgehen sinnvoller sein.
