- 1 Section
- 10 Lessons
- unbegrenzt
- Projektmanagement Methoden10
- 1.1Warum Projekte scheitern
- 1.2Projektauftrag, Phasen und Meilensteine
- 1.3Wasserfall-Modell
- 1.4Scrum: Rollen, Events, Artefakte
- 1.5Kanban: Boards, WIP-Limits, Flow
- 1.6Hybrides Projektmanagement
- 1.7Netzplan & kritischer Pfad
- 1.8Gantt-Diagramm und Terminplanung
- 1.9Projektstrukturplan (PSP) und Aufgabenabgrenzung
- 1.10Projektkommunikation, Reflexion und Verbesserung
Projektstrukturplan (PSP) und Aufgabenabgrenzung
Bevor du planst, wann etwas passiert, musst du wissen, was überhaupt getan werden muss. Der Projektstrukturplan (PSP) – auf Englisch Work Breakdown Structure (WBS) – ist das Werkzeug, das genau das leistet. Er zerlegt das gesamte Projekt in handhabbare Teilaufgaben und sorgt dafür, dass nichts vergessen wird. Im Trio der Planungswerkzeuge ist der PSP der erste Schritt: Erst was (PSP), dann in welcher Reihenfolge (Netzplan), dann wann (Gantt).
1) Aufbau und Prinzip des PSP
Der PSP hat eine Baumstruktur: Oben steht das Gesamtprojekt, darunter die Teilprojekte oder Teilaufgaben, darunter die konkreten Arbeitspakete. Die Tiefe des Baums hängt von der Projektkomplexität ab – typisch sind 2–3 Ebenen. Das wichtigste Prinzip heißt 100-Prozent-Regel: Der PSP muss alle Arbeiten enthalten, die für das Projektziel nötig sind – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Jeder Knoten im Baum bekommt eine eindeutige PSP-Nummer (z.B. 1.2.3), die seine Position im Baum beschreibt. Das erleichtert die Kommunikation enorm: Statt „du weißt schon, diese Aufgabe mit dem Login" sagt man einfach „Arbeitspaket 2.1.1".
2) Arbeitspakete – die Grundeinheit des PSP
Das Arbeitspaket ist der kleinste Baustein im PSP. Es ist eine abgrenzbare, planbare und zuweisbare Aufgabe, die von einer Person oder einem Team in einem überschaubaren Zeitraum erledigt werden kann. Ein gutes Arbeitspaket hat folgende Eigenschaften:
- Klar definiertes Ergebnis: Was genau soll am Ende vorliegen?
- Einer Person zugewiesen: Wer ist verantwortlich?
- Schätzbare Dauer: Wie lange braucht es – realistisch?
- Abgrenzbar: Was gehört dazu, was nicht?
- Kontrollierbar: Woran erkenne ich, dass es fertig ist?
Eine Faustregel: Ein Arbeitspaket sollte nicht länger als eine Berichtswoche dauern. Ist es größer, wird es zu unübersichtlich – dann besser weiter aufteilen.
3) Gliederungsprinzipien
Einen PSP kann man nach verschiedenen Prinzipien gliedern – die Wahl hängt vom Projekt ab:
| Gliederungsprinzip | Wie es funktioniert | Passt für |
|---|---|---|
| Objektorientiert | Nach Ergebnissen/Produkten gegliedert (z.B. Frontend, Backend, Datenbank) | Softwareentwicklung, Produktprojekte |
| Funktionsorientiert | Nach Abteilungen oder Fachbereichen (z.B. IT, Marketing, Legal) | Unternehmensweite Projekte |
| Phasenorientiert | Nach Projektphasen (Planung, Durchführung, Test) | Projekte mit klaren Phasen wie Wasserfall |
| Gemischt | Kombination, z.B. erste Ebene phasenorientiert, zweite objektorientiert | Komplexe, große Projekte |
4) PSP, Netzplan und Gantt im Zusammenspiel
Die drei Planungswerkzeuge bauen aufeinander auf und ergänzen sich. Wer alle drei beherrscht, kann jedes Projekt vollständig planen – von der Aufgabendefinition bis zum konkreten Terminplan. Für die IHK-Projektdokumentation sind PSP und Gantt-Diagramm Pflichtbestandteile jedes Abschlussprojektberichts.
| Werkzeug | Beantwortet | Enthält |
|---|---|---|
| PSP | Was muss getan werden? | Teilaufgaben, Arbeitspakete, PSP-Nummern |
| Netzplan | In welcher Reihenfolge? | Abhängigkeiten, kritischer Pfad, Puffer |
| Gantt-Diagramm | Wann passiert was? | Balken, Meilensteine, Kalender |
Zusammenfassung
Der Projektstrukturplan (PSP) zerlegt das Gesamtprojekt hierarchisch in Teilaufgaben und Arbeitspakete. Die 100-Prozent-Regel besagt: Der PSP muss vollständig sein – alle nötigen Arbeiten müssen enthalten sein, nichts darf fehlen. Jedes Arbeitspaket ist konkret, abgrenzbar, einer Person zugewiesen und hat ein messbares Ergebnis. Gliederungsprinzipien sind objektorientiert, funktionsorientiert, phasenorientiert oder gemischt. Der PSP ist der erste Schritt der Projektplanung – die Grundlage für Netzplan, Gantt und Kostenplanung.
