- 1 Section
- 10 Lessons
- unbegrenzt
- Wirtschaftlichkeit & Kostenrechnung10
- 1.1Kostenarten: Personal, Sach, Gemeinkosten
- 1.2Stundensatz und Tagessatz berechnen
- 1.3Break-Even-Analyse und Amortisation
- 1.4Return on Investment (ROI)
- 1.5Total Cost of Ownership (TCO)
- 1.6Nutzwertanalyse
- 1.7Soll-Ist-Vergleich und Abweichungsanalyse
- 1.8Earned-Value-Methode
- 1.9Investitionsrechnung: statisch vs. dynamisch
- 1.10IHK-Aufgaben Wirtschaftlichkeit
Earned-Value-Methode
Ein klassischer Soll-Ist-Vergleich sagt dir, ob du über Budget bist. Aber er beantwortet nicht die entscheidendere Frage: Bist du über Budget, weil du zu viel ausgegeben hast – oder weil du mehr geleistet hast als geplant? Die Earned-Value-Methode (EVM) löst dieses Problem, indem sie Kosten und Fortschritt gleichzeitig betrachtet. Sie ist das präziseste Kontrollwerkzeug im klassischen Projektmanagement und ein wichtiges IHK-Thema.
1) Die drei Grundgrößen der EVM
Die Earned-Value-Methode basiert auf drei Kennzahlen, die für jeden Berichtszeitpunkt berechnet werden. Das Zusammenspiel dieser drei Werte ergibt ein vollständiges Bild des Projektstatus – und ermöglicht sogar eine Prognose, wie das Projekt enden wird.
2) Rechenbeispiel
Ein Softwareprojekt hat ein Gesamtbudget von 100.000 € und eine Laufzeit von 10 Monaten. Nach 5 Monaten (Stichtag) ergibt die Messung folgendes Bild: Laut Plan sollten bis heute Leistungen im Wert von 50.000 € erbracht sein (PV). Das Team hat aber nur Leistungen im Wert von 40.000 € abgeliefert (EV) – und dafür 48.000 € ausgegeben (AC).
| Kennzahl | Berechnung | Ergebnis | Interpretation |
|---|---|---|---|
| CV | EV − AC = 40.000 − 48.000 | −8.000 € | 8.000 € über Budget für die erbrachte Leistung |
| SV | EV − PV = 40.000 − 50.000 | −10.000 € | 10.000 € hinter dem Zeitplan (in Plankosten) |
| CPI | EV ÷ AC = 40.000 ÷ 48.000 | 0,83 | Pro ausgegebenem Euro nur 0,83 € Leistung erzielt |
| SPI | EV ÷ PV = 40.000 ÷ 50.000 | 0,80 | Nur 80 % des geplanten Fortschritts erreicht |
Das Projekt ist also gleichzeitig zu langsam und zu teuer – ein doppeltes Problem. Ohne EVM wäre das möglicherweise nicht sofort sichtbar gewesen: Ein normaler Soll-Ist-Vergleich hätte nur gezeigt, dass 48.000 € ausgegeben wurden bei einem Plan von 50.000 € – das sieht noch gut aus. Erst die EVM deckt auf, dass für die 48.000 € zu wenig Leistung erbracht wurde.
3) Prognose: Wie wird das Projekt enden?
Die EVM erlaubt nicht nur einen Blick zurück, sondern auch eine Hochrechnung auf das Projektende. Die wichtigste Prognosegröße ist der EAC (Estimate at Completion): Was werden die Gesamtkosten voraussichtlich betragen, wenn das Projekt so weiterläuft wie bisher?
| Formel | Bedeutung |
|---|---|
| EAC = BAC ÷ CPI | Hochrechnung: Gesamtbudget (BAC) geteilt durch CPI. Im Beispiel: 100.000 ÷ 0,83 = 120.482 € – das Projekt wird ca. 20 % über Budget enden. |
| BAC | Budget at Completion – das ursprünglich geplante Gesamtbudget (hier: 100.000 €) |
Diese Prognose gibt dem Projektleiter frühzeitig ein starkes Signal: Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, kostet das Projekt 120.000 € statt 100.000 €. Jetzt – nach 5 von 10 Monaten – ist noch Zeit zu reagieren. Nach 9 Monaten wäre es zu spät.
Zusammenfassung
Die Earned-Value-Methode kombiniert Kosten- und Fortschrittskontrolle in einem System. Die drei Grundgrößen sind PV (Planned Value, Plankosten), EV (Earned Value, Leistungswert) und AC (Actual Cost, Istkosten). Daraus werden CV (Kostenabweichung = EV−AC), SV (Terminabweichung = EV−PV), CPI (Kosteneffizienz = EV÷AC) und SPI (Zeiteffizienz = EV÷PV) berechnet. Werte unter 1 bzw. negativ signalisieren Probleme. Die EAC-Prognose (BAC÷CPI) sagt voraus, was das Projekt am Ende kosten wird. Die EVM ist die präzisere Erweiterung des Soll-Ist-Vergleichs und ein anspruchsvolles IHK-Thema.
