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Dynamisches Routing: Grundprinzip
Stell dir vor, du verwaltetes ein Netzwerk mit 50 Routern an 20 Standorten. Bei statischem Routing müsstest du für jede Routenänderung manuell auf allen betroffenen Routern Befehle eingeben. Fällt eine Verbindung aus, passiert nichts automatisch – bis du eingreifst. In einem großen Netz ist das schlicht nicht handhabbar.
Dynamisches Routing löst dieses Problem: Die Router kommunizieren selbstständig miteinander, tauschen Informationen über erreichbare Netzwerke aus und berechnen die besten Wege – vollautomatisch. Fällt eine Verbindung aus, erkennen das die Nachbarrouter und berechnen alternative Wege. Dieser Prozess heißt Konvergenz.
1) Das Grundprinzip: Router sprechen miteinander
Bei dynamischem Routing aktiviert man auf jedem Router ein Routing-Protokoll und teilt mit, welche Netze direkt angeschlossen sind. Das Protokoll übernimmt den Rest: Es sendet Routing-Updates an Nachbar-Router, empfängt deren Updates und berechnet daraus die optimale Routing-Tabelle. Je nach Protokoll unterscheidet sich die Methode erheblich.
Es gibt zwei grundlegende Paradigmen:
- Distance-Vector: Jeder Router kennt nur seine direkten Nachbarn und teilt ihnen mit, wie weit entfernt er welche Netze sieht. Stille-Post-Prinzip: Die Information pflanzt sich von Router zu Router fort. Protokoll: RIP.
- Link-State: Jeder Router kennt die gesamte Netzwerktopologie und berechnet selbst den kürzesten Weg (Dijkstra-Algorithmus). Viel leistungsfähiger, aber ressourcenintensiver. Protokoll: OSPF.
2) Die wichtigsten dynamischen Routing-Protokolle
3) Konvergenz – was passiert bei einem Ausfall?
Konvergenz bezeichnet den Prozess, bei dem alle Router nach einer Änderung (Ausfall, neue Verbindung) wieder einen konsistenten Zustand erreichen. Während der Konvergenz können Pakete verloren gehen oder in Schleifen geraten. Wie schnell das Netz konvergiert, hängt stark vom Protokoll ab:
4) Statisch vs. Dynamisch – wann was?
| Kriterium | Statisches Routing | Dynamisches Routing |
|---|---|---|
| Netzgröße | Klein (1–5 Router) | Mittel bis groß |
| Aufwand | Hoch bei Änderungen | Gering nach Einrichtung |
| Reaktion auf Ausfälle | Keine automatische Anpassung | Automatisch (Konvergenz) |
| Sicherheit | Hoch (keine externen Updates) | Abhängig von Protokoll |
| Overhead | Keiner | Routing-Update-Traffic |
| Typischer Einsatz | Stub-Router, Default Route, Lab | Unternehmensnetze, ISPs |
Zusammenfassung
Dynamisches Routing: Router tauschen automatisch Topologieinformationen aus und berechnen die besten Wege. Zwei Paradigmen: Distance-Vector (RIP – Stille Post) und Link-State (OSPF – globale Karte). Konvergenz = Zeit bis alle Router nach einer Änderung wieder konsistent sind. OSPF konvergiert in Sekunden, RIP braucht Minuten. IGP für intern, EGP (BGP) für Internet-Routing.
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