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Spanning Tree Protocol (STP)
Redundante Verbindungen im Netzwerk sind wie Notausgänge in einem Gebäude: unverzichtbar für den Notfall, aber potenziell gefährlich, wenn man sie nicht richtig kontrolliert. Stell dir vor, du verbindest zwei Switches mit zwei Kabeln – für Redundanz. Jetzt sendet PC A einen Broadcast. Switch 1 schickt ihn an Switch 2 über Kabel 1. Switch 2 schickt ihn zurück über Kabel 2. Switch 1 empfängt ihn wieder und schickt ihn erneut weiter. Der Frame kreist endlos – und verdoppelt sich bei jedem Umlauf. In Sekunden bricht das Netz zusammen. Das nennt sich Broadcast Storm.
Das Spanning Tree Protocol (STP, IEEE 802.1D) ist die Lösung: Es erkennt Schleifen im Netzwerk und deaktiviert gezielt einzelne Ports, bis ein schleifenfreier Baum entsteht. Dabei bleiben die deaktivierten Ports in Bereitschaft: Fällt eine aktive Verbindung aus, reaktiviert STP automatisch den Ersatzpfad. Eine alternative Lösung für Redundanz ohne STP-Blockierung bietet Link Aggregation (LACP). Warum Broadcast Storms so gefährlich sind, erklärt auch die systematische Fehlersuche nach OSI.
1) Wie STP eine Schleife auflöst – animiert
STP-Switches kommunizieren über spezielle Nachrichten namens BPDUs (Bridge Protocol Data Units). Darin stecken die Bridge-ID, Pfadkosten und andere Informationen, mit denen die Switches gemeinsam entscheiden, welche Ports aktiv bleiben und welche blockiert werden. Die Berechnung läuft in drei Phasen ab:
MAC: AA:AA:AA:01
– noch nicht gewählt –
MAC: AA:AA:AA:02
– noch nicht gewählt –
MAC: AA:AA:AA:03
– noch nicht gewählt –
2) Port-Zustände in STP
Bevor ein Port Nutzerdaten überträgt, durchläuft er beim klassischen STP (802.1D) mehrere Zustände. Diese Übergänge sind gezielt langsam – sie geben dem Netz Zeit, sich zu stabilisieren, bevor Daten fließen. Genau das ist aber auch der Hauptkritikpunkt: Die Gesamtkonvergenz dauert bis zu 50 Sekunden – in dieser Zeit ist kein Netzwerkverkehr über den betroffenen Pfad möglich:
3) RSTP und moderne Varianten
RSTP (Rapid Spanning Tree Protocol, IEEE 802.1w) löst das Geschwindigkeitsproblem: Statt auf Timer zu warten, handeln benachbarte Switches die neuen Portzustände direkt miteinander aus. Konvergenz in 1–2 Sekunden statt 30–50. RSTP ist rückwärtskompatibel mit klassischem STP.
| Standard | Name | Konvergenz | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| IEEE 802.1D | STP (klassisch) | 30–50 s | Original, heute veraltet |
| IEEE 802.1w | RSTP | 1–2 s | Schnelle Konvergenz, heute Standard |
| IEEE 802.1s | MSTP | 1–2 s | Mehrere STP-Instanzen für VLAN-Gruppen |
| Cisco PVST+ | Per-VLAN STP | 30–50 s | Eigene STP-Instanz je VLAN (Cisco-proprietär) |
| Cisco Rapid-PVST+ | Rapid per-VLAN | 1–2 s | RSTP je VLAN – Cisco-Standard heute |
4) PortFast und BPDU Guard
PortFast ist eine Funktion für Endgeräte-Ports (keine Switch-zu-Switch-Verbindungen). Sie überspringt Listening und Learning und versetzt den Port sofort in den Forwarding-Zustand. Das ist wichtig, weil ein PC beim Start sofort eine DHCP-Anfrage schickt – wartet er 30 Sekunden auf STP, läuft die DHCP-Anfrage ins Leere.
BPDU Guard schützt PortFast-Ports: Empfängt ein PortFast-Port eine BPDU (was bedeutet, dass dort unerlaubterweise ein Switch angeschlossen wurde), wird der Port sofort in den Error-Disabled-Zustand versetzt. So verhindert man, dass jemand einfach einen persönlichen Switch ins Büronetzwerk steckt und damit die STP-Topologie durcheinanderbringt.
Zusammenfassung
STP (IEEE 802.1D) verhindert Switching-Schleifen (Broadcast Storms), indem es redundante Ports blockiert. Root Bridge = Switch mit niedrigster Bridge-ID (Priorität + MAC). Root Port = günstigster Weg zur Root. Designated Port = aktiver Port je Segment. Klassisches STP: ~50 s Konvergenz. RSTP: 1–2 s – heute Standard. PortFast für Endgeräte-Ports, BPDU Guard als Schutz vor unerlaubten Switches.
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