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- Relationale Datenbanken & ER-Modell10
- 1.1Was ist eine Datenbank? DBMS, Schema, Instanz
- 1.2ERM: Entitäten, Attribute, Beziehungen
- 1.3ER-Diagramm: Chen-Notation
- 1.4ER-Diagramm: Krähenfußnotation
- 1.5Kardinalitäten: 1:1, 1:N, M:N
- 1.6Vom ER-Modell zum Datenbankschema
- 1.7Normalisierung: 1. Normalform
- 1.8Normalisierung: 2. und 3. Normalform
- 1.9Denormalisierung
- 1.10Aufgaben ER-Modell & Normalisierung
ER-Diagramm: Krähenfußnotation
Die Chen-Notation ist didaktisch klar, aber zeichnerisch aufwendig: jedes Attribut eine Ellipse, jede Beziehung eine Raute, dazwischen viele Linien. Bei einem realen Datenmodell mit 30 Tabellen und 200 Attributen wird das schnell unübersichtlich. Deshalb hat sich in der Industrie die Krähenfußnotation (engl. Crow's Foot Notation) durchgesetzt – kompakt, lesbar und in allen Datenbank-Tools Standard.
Der Trick: Attribute werden direkt in die Entitäten-Boxen geschrieben, Beziehungen sind einfache Linien zwischen den Boxen, und die Kardinalitäten stehen als kleine Symbole an den Linienenden – die Symbole sehen aus wie Krähenfüße, daher der Name. Eine Notation, die hervorragend dem entspricht, was man später in einer Datenbank sieht: Tabellen mit Spalten und Fremdschlüssel-Beziehungen.
1) Dasselbe Modell – zwei Notationen
Bevor wir die Symbole im Detail anschauen, ein direkter Vergleich. Schalte zwischen Chen und Krähenfuß und sieh, wie dieselbe Bibliothek aus Lektion 2 in beiden Notationen aussieht. Beide drücken exakt dasselbe aus – nur die grafische Sprache unterscheidet sich:
2) Die Krähenfuß-Symbole an Linienenden
Das Herzstück der Notation: vier Symbole, die am Ende jeder Beziehungs-Linie stehen können. Sie sagen auf der Seite, wo sie sitzen, wie viele Entitäten beteiligt sind. Klick eine Karte für Details:
Genau eins (1)
Null oder eins (0..1)
Eins oder viele (1..*)
Null oder viele (0..*)
3) Wie liest man eine Beziehung?
Anders als bei Chen, wo eine Zahl irgendwo an der Linie steht, hat Krähenfuß die Symbole direkt an den Enden. Das gibt einen klaren Lese-Algorithmus: man liest von einer Box zur anderen und das Symbol auf der Zielseite sagt, wie viele Instanzen dort beteiligt sind.
Beispiel: „KUNDE — — — <-Krähenfuß—-Strich—-Strich" bei BESTELLUNG bedeutet: von einem Kunden ausgehend gibt es null oder mehr Bestellungen, von einer Bestellung ausgehend gibt es genau einen Kunden. Liest man die Linie von links nach rechts: „1 Kunde hat 0..N Bestellungen". Liest man sie von rechts nach links: „1 Bestellung gehört zu genau 1 Kunde". Beide Aussagen stecken in derselben Linie – das ist die Stärke der Notation.
Die häufigsten Kardinalitäten – mit ihren Krähenfuß-Kombinationen – werden ausführlich in der nächsten Lektion behandelt. Für jetzt reicht: links der Linie steht, was bei Kunde gilt; rechts steht, was bei Bestellung gilt.
4) Krähenfuß zeigt die Tabellen schon
Ein großer Vorteil der Notation: Sie sieht den späteren Tabellen so ähnlich, dass die Übersetzung fast trivial wird. Jede Box wird eine Tabelle. Jede Zeile innerhalb der Box wird eine Spalte. Schlüssel werden zu Primary Keys, mit Pfeil markierte Beziehungen zu Foreign Keys.
5) Tools, die Krähenfuß zeichnen
Praktisch jedes moderne DB-Tool nutzt Krähenfuß. Diese drei sind in der Berufspraxis am häufigsten anzutreffen – und alle drei sind kostenfrei (zumindest in der Basisversion):
MySQL Workbench
Kostenloses Tool von Oracle. „EER Diagram"-Modus zeichnet Krähenfuß automatisch aus einem bestehenden Schema (Reverse-Engineering). Direkt mit MySQL/MariaDB verbunden. Empfohlen für IHK-relevante Übungen.
DBeaver
Universal-DB-Tool für PostgreSQL, MySQL, Oracle, MS SQL und viele mehr. Schema-Visualisierung im Krähenfuß-Stil. Open Source.
draw.io / diagrams.net
Webbasiertes Diagramm-Tool mit fertiger Krähenfuß-Bibliothek („Entity Relation"). Für manuelle Skizzen, Vorprüfungs-Übungen und Doku. Komplett kostenlos.
6) Vergleich der beiden Notationen im Detail
Wann nutzt man Chen, wann Krähenfuß? Eine Übersicht der konkreten Unterschiede – damit du in der Prüfung das eine erkennst und in der Praxis das andere effizient anwendest:
| Aspekt | Chen | Krähenfuß |
|---|---|---|
| Entität | Rechteck | Rechteck mit Attributen drin |
| Attribut | Eigene Ellipse, mit Linie verbunden | Zeile innerhalb der Entitätsbox |
| Beziehung | Raute mit Verb | Beschriftete Linie |
| Kardinalität | Zahl/Buchstabe an Linie (1, N, M) | Symbol am Linienende (Strich, Krähenfuß, Kreis) |
| Schwache Entität | Doppeltes Rechteck | Markierung durch Schlüssel-Konfiguration |
| Platzbedarf | Hoch (Attribute brauchen Platz drumherum) | Kompakt (Attribute in der Box) |
| Lesbarkeit für Einsteiger | Sehr hoch (jedes Konzept ein Symbol) | Mittel (Erfahrung mit Symbolen nötig) |
| Nähe zum SQL-Schema | Gering | Sehr hoch (sieht aus wie Tabellen) |
| IHK-Prüfung | Standard | Akzeptiert, falls korrekt |
| Industrie/Tools | Selten | Standard |
Praxis-Tipp: Wer das ER-Modell ohne Tool zeichnet (zum Beispiel auf einem Whiteboard mit Kollegen), nimmt oft Chen wegen der besseren Lesbarkeit. Wer das Modell in ein Tool eingibt und später daraus SQL erzeugen will, nimmt Krähenfuß. Beide haben ihren Platz – und beide drücken dasselbe Konzept aus.
Zusammenfassung
Die Krähenfußnotation ist die in der Industrie dominante Form der ER-Diagramme. Sie ist kompakter als Chen, weil Attribute direkt in die Entitäten-Boxen geschrieben werden und Beziehungen reine Linien sind. Die Kardinalitäten stehen als kleine Symbole an den Linienenden: zwei Striche = genau eins, Strich + Kreis = null oder eins, Krähenfuß + Strich = eins bis viele, Krähenfuß + Kreis = null bis viele. Die Symbole stehen auf der Seite, für die sie gelten – eine Linie kann also auf beiden Seiten unterschiedliche Symbole haben. Krähenfuß-Diagramme sehen den späteren SQL-Tabellen sehr ähnlich, was die Übersetzung zum Datenbankschema erleichtert. Tools wie MySQL Workbench, DBeaver und draw.io zeichnen Krähenfuß automatisch. Für die IHK-Prüfung beide Notationen beherrschen – Chen ist häufiger, Krähenfuß wird aber akzeptiert.
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