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- Projektdokumentation & IHK-Abschlussbericht10
- 1.1Was ist die IHK-Projektdokumentation?
- 1.2Projektantrag stellen und genehmigen lassen
- 1.3Aufbau der Projektdokumentation
- 1.4Ist-Analyse und Soll-Konzept
- 1.5Zeitplanung und Abweichungen dokumentieren
- 1.6Umsetzung beschreiben: Technische Dokumentation
- 1.7Testbericht und Qualitätssicherung
- 1.8Fazit, Ausblick und Anhänge
- 1.9Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
- 1.10Beispiel-Projektdokumentation (kommentiert)
Aufbau der Projektdokumentation
Anders als ein freier Bericht hat die Projektdokumentation eine relativ feste Struktur – die Prüfer:innen erwarten an bestimmten Stellen bestimmte Inhalte. Wer eigenwillig gliedert oder Pflicht-Abschnitte vergisst, verliert Punkte, ohne dass die Lösung selbst schlecht wäre. Die typische IHK-Doku folgt einer klassischen Projekt-Logik: Einleitung → Analyse → Konzept → Umsetzung → Test → Abschluss. Innerhalb dieses Rahmens hast du Freiheit – die Schwerpunkte richten sich nach Berufsbild und Thema. Aber das Skelett ist überall ähnlich. Diese Lektion zeigt dir die typische Gliederung Kapitel für Kapitel (Deckblatt → Einleitung → Ist → Soll → Realisierung → Test → Fazit → Anhang), das Seiten-Budget (wie viele Seiten pro Kapitel), die Formal-Anforderungen (Schrift, Layout, Seitenzahlen, Quellen) sowie typische Pflicht-Bestandteile wie Eigenständigkeits-Erklärung, Glossar und Abkürzungs-Verzeichnis. Klick durch die interaktive Gliederung – pro Kapitel erfährst du, was rein gehört und worauf zu achten ist.
1) Die typische Gliederung im Überblick
Klick die Kapitel an, um Inhalt und Tipps zu sehen:
2) Seiten-Budget
Bei 10-15 Seiten Hauptteil verteilen sich die Kapitel typischerweise so:
3) Formal-Anforderungen
Die formalen Vorgaben unterscheiden sich leicht je IHK-Kammer. Typische Werte:
📄 Schrift
Arial 11pt oder Times New Roman 12pt. Bei Code: Courier New / Consolas 10pt.
📏 Zeilenabstand
1,5-zeilig im Fließtext. Tabellen, Codeblöcke 1,0-zeilig.
🔢 Seitenzahlen
Hauptteil arabisch nummeriert. Vorspann römisch (I, II, III). Anhang fortlaufend oder mit Buchstabe (A1, A2).
📐 Ränder
Links 2,5 cm (Bindung), rechts/oben/unten 2 cm. Manche IHKs verlangen mehr.
📑 Kopf-/Fußzeile
Kopf: Projekt-Titel verkürzt. Fuß: Seitenzahl + dein Name. Auf jeder Seite.
🔗 Quellen-Zitierung
Konsistenter Stil (DIN ISO 690 oder Harvard). Fußnote oder Inline-Verweis. Quellenverzeichnis im Anhang.
🖼 Abbildungen
Mit Beschriftung („Abb. 1: Netzwerk-Topologie") und Bezug im Fließtext („vgl. Abb. 1"). Abbildungsverzeichnis ab ca. 5 Abbildungen.
💾 Format
Abgabe i.d.R. als PDF/A (langzeitstabil). Word-Dateien werden meist nicht akzeptiert.
4) Was zwingend in jede Doku gehört
- Deckblatt: Projekt-Titel, dein Name, Ausbildungs-Beruf, Ausbildungs-Betrieb, IHK, Prüfungstermin.
- Inhaltsverzeichnis: automatisch generiert mit Seitenzahlen. Alle Überschriften sauber durchnummeriert.
- Abkürzungsverzeichnis: alle Abkürzungen außer Allgemeinplätze (PC, IT, BSI). Alphabetisch sortiert.
- Glossar: Fachbegriffe, die nicht trivial sind. Kurze Definitionen, evtl. mit Quelle.
- Quellen-/Literaturverzeichnis: alle verwendeten Quellen – Bücher, Websites, Datenblätter, Normen, Interviews.
- Anlagen-Verzeichnis: Inhaltsverzeichnis der Anhänge (Skripte, Screenshots, Mess-Protokolle, Konfigurationen).
- Eigenständigkeits-Erklärung: handschriftlich unterschrieben oder qualifiziert digital signiert.
5) Empfehlungen zur Schreibarbeit
- Schreib während der Durchführung, nicht erst danach. Ein Projekt-Tagebuch mit kurzen Tagesnotizen rettet im Doku-Finale.
- Erst Outline, dann Fließtext. Kapitel-Skelett mit Stichworten erstellen, dann auffüllen. Verhindert thematische Sprünge.
- Schreibstil: nüchtern, sachlich, im Präteritum für Tätigkeiten („Ich installierte den Server"). Keine Umgangssprache, kein Buzzword-Bingo.
- Konsistenz bei Begriffen: einmal „Backup-System", nicht abwechselnd „Sicherungs-Lösung". Einmal definieren, dann beibehalten.
- Querverweise nutzen: „… wie in Kapitel 3 beschrieben…". Word/LibreOffice setzen automatisch.
- Korrekturschleifen: nach erster Fassung mindestens zwei Tage Pause, dann nochmal lesen. Fehler werden auffälliger.
- Vier-Augen-Prinzip: Kollege/Familie/Mitazubi liest gegen. Andere Augen entdecken anderes.
- Rechtschreib- und Grammatik-Check: Word, LanguageTool, Duden-Mentor. Tippfehler kosten Punkte.
- Auf Vorgaben achten: manche IHKs verlangen ein Vorgaben-PDF. Wer davon abweicht, riskiert Abzug.
6) Anhänge – was rein, was nicht
Anhänge sind Beweismittel, keine Müllhalde. Was rein gehört:
- Lange Konfigurations-Dateien (Auszüge im Hauptteil reichen)
- Vollständige Skripte (mit Kommentaren)
- Detaillierte Screenshots (Hauptteil zeigt nur wichtigste)
- Test-Protokolle mit allen Test-Fällen
- Angebots-Vergleiche, Nutzwertanalysen
- Datenblätter relevanter Hardware
- Übergabe-Protokoll mit Unterschrift
- Interview-Protokolle (falls Interviews geführt)
Nicht rein gehört:
- Datenblätter, die im Hauptteil keine Rolle spielen
- Komplette Hersteller-Handbücher
- Aller Quellcode jedes verwendeten Tools
- Sehr lange Log-Files ungefiltert
- Privat- oder Betriebs-Geheimnisse, die nicht anonymisiert wurden
Faustregel: Würde der Prüfer dies brauchen, um eine Detail-Frage zu klären? Ja → rein. Nein → weg.
7) Antipatterns & Stolperfallen
- Übergewichtetes Unternehmen. Seite 1-3 nur Firmen-Vorstellung, dann zu wenig Platz für Lösung. Lösung: 0,5-1 Seite Umfeld reichen.
- Hauptteil 8 Seiten, Anhang 80 Seiten. Anhang wird nicht durchgelesen, im Hauptteil fehlt das Wichtige.
- Unterschiedliche Begriffe für gleiche Sache. Backup, Sicherung, Datensicherung, Sicherungs-Lösung. Verwirrt den Leser.
- Keine Querverweise. Doku als lose Sammlung von Kapiteln. Lösung: bewusst verlinken („siehe Kapitel 4.2").
- Fehlende Eigenständigkeits-Erklärung. Klingt formal, ist aber Pflicht. Ohne → Doku unvollständig.
- Quellen wild. Mal Fußnote, mal Inline, mal nichts. Lösung: einen Stil wählen und durchziehen.
- Abbildungen ohne Bezug im Text. Bild eingefügt, aber nirgendwo erwähnt. Lösung: jedes Bild im Fließtext referenzieren.
- Bildunterschriften vergessen. Jedes Bild braucht „Abb. X: Bezeichnung". Sonst nicht zitierbar.
- Word-Datei statt PDF. Verformatierungen, Schrift fehlt beim Prüfer. Lösung: PDF/A exportieren.
- Letzte-Nacht-Doku. Tippfehler, Stil-Brüche, Inhalts-Lücken. Lösung: mindestens 1 Woche vor Deadline fertig sein.
Zusammenfassung
Die IHK-Projektdokumentation folgt einer klaren Struktur: Vorspann (Deckblatt, Verzeichnisse) → Hauptteil (Einleitung → Planung → Ist → Soll → Realisierung → Test → Übergabe → Fazit) → Anhang (Glossar, Quellen, Anlagen, Eigenständigkeits-Erklärung). Schwerpunkt liegt bei Soll-Konzept und Realisierung – nicht bei der Firmen-Vorstellung. Formale Vorgaben (Schrift, Layout, Quellen-Stil) je nach IHK-Kammer prüfen und durchgängig einhalten. Wichtigste Erfolgs-Faktoren: paralleles Schreiben während der Projekt-Durchführung, nüchterner Stil, konsistente Begriffe, Querverweise und ein schlanker, gezielter Anhang. Häufigster Fehler: Unternehmens-Vorstellung dominiert, Hauptteil und Anhang sind dysbalanciert.
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