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- Relationale Datenbanken & ER-Modell10
- 1.1Was ist eine Datenbank? DBMS, Schema, Instanz
- 1.2ERM: Entitäten, Attribute, Beziehungen
- 1.3ER-Diagramm: Chen-Notation
- 1.4ER-Diagramm: Krähenfußnotation
- 1.5Kardinalitäten: 1:1, 1:N, M:N
- 1.6Vom ER-Modell zum Datenbankschema
- 1.7Normalisierung: 1. Normalform
- 1.8Normalisierung: 2. und 3. Normalform
- 1.9Denormalisierung
- 1.10Aufgaben ER-Modell & Normalisierung
Kardinalitäten: 1:1, 1:N, M:N
Kardinalitäten sind das wichtigste Werkzeug, um Beziehungen im ER-Modell präzise zu beschreiben. Sie beantworten die Frage: Wie viele Entitäten der einen Seite stehen mit wie vielen der anderen in Beziehung? Eine einzige Zahl entscheidet darüber, ob aus deinem Modell später eine, zwei oder drei Tabellen werden – und ob die Datenbank überhaupt sauber funktioniert.
Es gibt drei Grundtypen: 1:1 (eins zu eins), 1:N (eins zu vielen) und M:N (viele zu vielen). In dieser Lektion siehst du sie alle drei mit konkreten Beispielen, lernst die Übersetzung ins Datenbankschema und übst das Erkennen aus Aufgabentexten. Letzteres ist genau der Skill, den die IHK in Modellierungs-Aufgaben prüft.
1) Der Kardinalitäts-Konfigurator
Wähle die Kardinalität zwischen Kunde und Bestellung und sieh, wie sich daraus die Tabellenstruktur ableitet. Beobachte besonders, wann eine dritte Tabelle nötig wird – das ist der Schlüsselmoment beim Verstehen:
2) Beispiele aus dem Alltag – die drei Typen erkennen
Die schwierigste Übung ist nicht die Theorie, sondern aus einer Aufgabenstellung die richtige Kardinalität zu erkennen. Hier eine Sammlung realer Beziehungen, sortiert nach Typ:
1:1 (selten in der Praxis)
Jeder Mitarbeiter hat höchstens einen, jedes Auto gehört einem (oder ist frei).
Eine Person hat einen Pass, ein Pass gehört zu einer Person.
Pro Bestellung eine Rechnung. Oft als „1:0..1" – Bestellung kann unfakturiert sein.
1:N (häufigster Fall)
Eine Abteilung hat viele Mitarbeiter, jeder Mitarbeiter ist in einer Abteilung.
Ein Kunde tätigt mehrere Bestellungen, jede Bestellung hat genau einen Kunden.
Ein Land hat viele Städte, jede Stadt liegt in genau einem Land.
M:N (braucht Verknüpfungstabelle)
Studenten belegen mehrere Kurse, Kurse haben viele Studenten.
Ein Buch kann mehrere Autoren haben, ein Autor mehrere Bücher.
Schauspieler in vielen Filmen, Filme mit vielen Schauspielern.
3) Pflicht und Optional – Min-Max-Notation
Die einfache Notation 1:N reicht oft nicht aus. Sie sagt nichts darüber, ob eine Beziehung zwingend ist oder optional. Beispiel: Muss eine Bestellung einen Kunden haben? (Ja, normalerweise.) Muss ein Kunde eine Bestellung haben? (Nein, ein registrierter Kunde ohne Bestellung ist erlaubt.) Genau das drückt die Min-Max-Notation (auch [min, max]-Notation) aus:
(0, n) bei Kunde heißt: ein Kunde kann zwischen 0 und n Bestellungen haben (Min=0 bedeutet optional). (1, 1) bei Bestellung heißt: eine Bestellung gehört zu genau einem Kunden (Min=Max=1 bedeutet Pflicht).In SQL heißt das: in der Tabelle
bestellung muss die Spalte kunden_id als NOT NULL deklariert sein (denn jede Bestellung MUSS einen Kunden haben). Die Min-Max-Notation übersetzt sich direkt in NOT NULL- und CHECK-Constraints.
4) Vier Kombinationen aus Pflicht und Optional
Aus der Kombination von Min und Max ergeben sich vier praktische Fälle, die du in der Prüfung kennen solltest:
| Notation | Bedeutung | Krähenfuß | Beispiel | SQL-Hinweis |
|---|---|---|---|---|
(1, 1) | Genau eins, Pflicht | Zwei Striche | Bestellung → Kunde | NOT NULL FK |
(0, 1) | Höchstens eins, optional | Strich + Kreis | Mitarbeiter → Dienstwagen | nullable FK |
(1, n) | Mindestens eins, viele möglich | Krähenfuß + Strich | Bestellung → Position | CHECK Constraint möglich |
(0, n) | Beliebig viele, auch null | Krähenfuß + Kreis | Kunde → Bestellung | standardmäßig erlaubt |
Wichtig: Die Zahlen n oder * bedeuten „beliebig viele". n ist die übliche Schreibweise in Chen/Min-Max, * in UML und Krähenfuß. Beides ist gleichbedeutend.
5) Spezielle Kardinalitäten in der Praxis
Drei Spezialfälle, die in echten Datenmodellen häufig vorkommen und in Prüfungsaufgaben gerne auftauchen:
- Rekursive Beziehung (1:N auf sich selbst): Klassisches Vorgesetzten-Modell. Ein Mitarbeiter hat 0..1 Vorgesetzten (auch ein Mitarbeiter); ein Mitarbeiter ist Vorgesetzter von 0..N anderen. Im Schema: Spalte
vorgesetzten_idin der gleichen Tabelle, die als Fremdschlüssel aufpersonal_nrderselben Tabelle zeigt. - Schwache Beziehung (identifizierend): Eine schwache Entität (z. B. Rechnungsposition) hat zwingend Min=1 zu ihrer starken Entität, weil sie ohne diese gar nicht existieren kann. Im Schema: zusammengesetzter Primärschlüssel und
ON DELETE CASCADE, siehe referenzielle Integrität. - Ternäre Beziehung: Drei Entitäten in einer Beziehung. Beispiel: Lieferant — liefert — Produkt — an — Kunde. Wird in der Praxis oft in zwei binäre Beziehungen aufgelöst, weil ternäre Tabellen schwer abzufragen sind. Oder: man modelliert die Beziehung selbst als eigene Entität (z. B. „Liefervorgang") mit drei Fremdschlüsseln.
6) Erkennen aus dem Aufgabentext – Schlüsselwörter
In IHK-Aufgaben steht die Kardinalität nie direkt da. Du musst sie aus dem Fließtext herauslesen. Diese Formulierungen sind verräterische Hinweise:
- „Jeder/jede [A] hat genau einen/eine [B]" → 1 auf der A-Seite, vermutlich 1:1 oder 1:N
- „Ein/eine [A] kann mehrere [B] haben" → N oder M auf der B-Seite
- „Ein/eine [B] kann zu mehreren [A] gehören" → M auf der A-Seite → wenn beides, ist es M:N!
- „Es ist möglich/optional, dass..." → Min=0 (optionale Beziehung)
- „Jede/jeder [A] muss mindestens einen/eine [B] haben" → Min=1 auf der B-Seite
- „Höchstens", „maximal" → setzt das Max, oft Max=1
Übungstipp: Streiche aus einem Aufgabentext die wichtigen Sätze und markiere die Schlüsselwörter farbig. Daraus lässt sich das ER-Modell mit korrekten Kardinalitäten fast mechanisch erzeugen. Das ist eine Technik, die in der schriftlichen IHK-Prüfung viel Zeit spart.
7) Wann wird welche Notation genutzt?
Wir haben jetzt drei verschiedene Schreibweisen kennengelernt: die Chen-Zahlen (1, N, M), die Min-Max-Notation ([0,n]), die Krähenfuß-Symbole. Das wirkt erst einmal nach Chaos – ist es aber nicht, wenn man weiß, welche wo dominiert:
| Notation | Beispiel | Verwendung |
|---|---|---|
| Chen klassisch | 1, N, M an der Linie | Deutsche Lehrbücher, IHK-Prüfung |
| Min-Max | (0,n), (1,1) neben der Entität | Genauere Variante, präzise Pflicht-Kennzeichnung |
| Krähenfuß | Symbol an Linienende | Industrie, Tools wie MySQL Workbench, draw.io |
| UML | 0..1, 0..*, 1..* in Multiplizitäten | Softwarearchitektur, UML-Klassendiagramme |
Im IHK-Kontext begegnest du vor allem den ersten beiden. In Modellierungs-Aufgaben mit Min-Max-Notation kannst du fast immer auch die Chen-Variante 1:N angeben, solange du zusätzlich Pflicht/Optional erklärst – das wird mit Punkten honoriert.
Zusammenfassung
Eine Kardinalität beschreibt, wie viele Entitäten der einen Seite einer Beziehung mit wie vielen der anderen verknüpft sind. Es gibt drei Grundtypen: 1:1 (eins zu eins, selten in der Praxis), 1:N (eins zu vielen, der Standardfall) und M:N (viele zu vielen, braucht eine Verknüpfungstabelle). Die Übersetzung ins Schema folgt klaren Regeln: 1:1 oft in eine Tabelle zusammenlegen, 1:N Foreign Key auf der N-Seite, M:N braucht eine dritte Tabelle mit zwei Fremdschlüsseln. Die Min-Max-Notation (min, max) erweitert das um Pflicht (1,1) und Optional (0,1), was sich direkt in NOT NULL-Constraints übersetzt. Verschiedene Notationen drücken dasselbe aus: Chen-Buchstaben (1, N, M), Min-Max ([0,n]), Krähenfuß-Symbole, UML-Multiplizitäten. In Aufgabentexten verraten Schlüsselwörter die Kardinalität: „genau ein" → 1, „mehrere" → N, „kann optional" → Min=0, „mindestens ein" → Min=1.
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