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nslookup und dig
„Die Webseite lädt nicht – aber ping auf 8.8.8.8 funktioniert." Wenn IPs gehen, Namen aber nicht, liegt das fast immer am DNS. Genau für dieses Szenario gibt es die zwei wichtigsten DNS-Diagnose-Werkzeuge: nslookup (auf jedem System verfügbar) und dig (mächtiger, unter Linux/macOS Standard, unter Windows nachinstallierbar).
Die Analogie: Stell dir vor, jemand sagt „Ruf bei Müller in Konstanz an." Du brauchst die Telefonnummer, kennst sie aber nicht. Also schlägst du im Telefonbuch nach. Genau das macht DNS für IP-Adressen: google.de → 142.250.185.99. nslookup und dig sind nichts anderes als das manuelle Nachschlagen im Telefonbuch – ohne dass du gleich anrufen musst. Damit testest du, ob das Telefonbuch (DNS) überhaupt antwortet, und wenn ja, ob es die richtige Nummer ausgibt.
1) nslookup vs. dig – wer kann was?
Beide Werkzeuge fragen DNS-Server ab und zeigen deren Antwort an. Der Unterschied liegt in Ausführlichkeit und Skript-Tauglichkeit. nslookup ist auf jedem Windows-System direkt verfügbar und hat einen interaktiven Modus – dig ist deutlich gesprächiger und liefert RFC-konforme Ausgabe, die sich für Automatisierung eignet:
- Auf jedem System (Win/Linux/macOS) vorhanden
- Interaktiver Modus durch nackten Aufruf
- Kompakte, vereinfachte Ausgabe
- Skript-tauglich nur eingeschränkt
- Wird offiziell als „deprecated" geführt – funktioniert aber überall
- Standard unter Linux/macOS, Win: separat installieren
- RFC-konforme Ausgabe mit allen DNS-Sektionen
- Sehr gut skriptbar (
+short,+noall +answer) - Zeigt Flags (AA, RD, RA), TTL, Authority & Additional
- Werkzeug der Wahl für DNS-Profis
2) Interaktiver Query-Builder – verschiedene Record-Typen abfragen
DNS kennt viele Record-Typen, nicht nur die einfache Namen-zu-IP-Auflösung. A liefert IPv4, AAAA liefert IPv6, MX die Mailserver, NS die zuständigen Nameserver, TXT Textinformationen (oft für SPF/DKIM), PTR die Reverse-Auflösung von IP zu Name. Wähle Domain und Record-Typ, um die typische Ausgabe zu sehen:
x.x.x.x.in-addr.arpa. Mit dig geht das einfacher: dig -x 8.8.8.8. Reverse-Lookups werden u. a. von Mail-Servern genutzt, um Absender-IPs zu validieren.3) Die wichtigsten Befehlsvarianten
In der Praxis kommt man mit einer Handvoll Kommandozeilen aus. Was die meisten Admins immer wieder brauchen:
dig +trace google.de ausführen – das zeigt jede Stufe: Root → TLD-Server (.de) → autoritativer Server für google.de.4) DNS-Probleme systematisch diagnostizieren
Wenn eine Website nicht erreichbar ist, ist DNS ein klassischer Verdächtiger – aber nicht immer der Schuldige. Das folgende Schema hilft, schnell die richtige Schicht zu treffen. Die Logik: Erst prüfen, ob der DNS-Server überhaupt antwortet. Dann, ob die richtige Antwort kommt:
ipconfig /flushdns bzw. resolvectl flush-cachesipconfig /flushdns, Linux mit systemd resolvectl flush-caches, macOS sudo dscacheutil -flushcache. Auch der Browser hat einen eigenen DNS-Cache (in Chrome: chrome://net-internals/#dns).5) Klassische Fallen und ihre Diagnose
Ein paar wiederkehrende Fehlerbilder bei DNS lohnt es sich zu kennen, weil sie sonst überproportional viel Zeit kosten:
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Quick-Check |
|---|---|---|
| Server antwortet, aber „SERVFAIL" | DNSSEC-Validierung scheitert oder Zone broken | dig +cd domain (ohne DNSSEC-Check) |
| Server antwortet, aber „NXDOMAIN" | Domain existiert wirklich nicht – oder Tippfehler | dig @8.8.8.8 domain – gleiche Antwort? |
| Interne Domain wird nicht aufgelöst | Falscher DNS-Server (öffentlich statt intern) | DNS-Konfig prüfen, intern muss DC bzw. interner Resolver sein |
| Auflösung dauert sehr lange | Erster DNS-Server tot, Timeout zum zweiten | dig mit explizitem Server testen |
| Manche Geräte gehen, andere nicht | Unterschiedliche DNS-Konfig per DHCP-Option | ipconfig /all, DHCP-Lease prüfen |
| Auflösung klappt nur teilweise (manche Domains) | Falscher Forwarder oder fehlende Zone | Test mit verschiedenen Domains + verschiedenen DNS-Servern |
Zusammenfassung
nslookup und dig sind die zwei Werkzeuge für DNS-Diagnose. nslookup ist überall verfügbar und einfach, dig ist mächtiger und besser skriptbar. Wichtige Record-Typen: A, AAAA, MX, NS, TXT, PTR. Diagnose-Logik: erst prüfen ob DNS-Server antwortet, dann ob er die richtige Antwort liefert, im Zweifel mit alternativem Server (z. B. 1.1.1.1) gegenprüfen. Klassische Quick-Fixes: DNS-Cache leeren (ipconfig /flushdns), expliziter DNS-Server in der Abfrage (dig @1.1.1.1), dig +trace für vollständigen Auflösungsweg.
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