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WLAN-Diagnose
„Das WLAN ist langsam!" – einer der häufigsten Support-Anrufe in jedem Büro und in jedem Haushalt. Während ping und traceroute bei kabelgebundenen Netzen oft direkt zum Ziel führen, gibt es bei WLAN eine zusätzliche Dimension: das Funkmedium selbst. Reichweite, Störungen, Kanalbelegung, Antennenausrichtung – Fehler können dort liegen, wo kein Kabel hingeht und keine Konfig-Datei hilft.
Die Analogie: WLAN funktioniert wie eine Cocktailparty. Alle reden gleichzeitig, im selben Raum, auf denselben „Frequenzen" (Lautstärke, Tonhöhe). Solange wenige Personen anwesend sind, versteht man jeden gut. Sobald sich der Raum füllt – oder jemand zur Bohrmaschine greift –, muss man lauter sprechen, näher rangehen, oder in ein Nebenzimmer wechseln. Genau dieselben Strategien gibt es im WLAN: Sendeleistung, kürzere Distanz, freier Kanal.
1) Typische WLAN-Probleme und ihre Klassifizierung
Bevor man Tools ansetzt, hilft es, das Symptom einer Klasse zuzuordnen. WLAN-Probleme lassen sich grob in vier Kategorien einteilen, jede mit eigenen Ursachen und Werkzeugen:
| Symptom-Klasse | Typische Ursachen |
|---|---|
| Schwacher Empfang | Distanz zum AP zu groß, Wände/Stahlbeton, falsche Antennenausrichtung, abschattende Möbel/Geräte |
| Verbindungsabbrüche (Roaming) | Bewegung zwischen Access Points, schlechtes Handover, „Sticky Client" hängt am alten AP |
| Langsamer Durchsatz | Überfüllter Kanal, alte Geräte am AP, niedrige Verbindungsrate (Legacy-Modi), QoS-Probleme |
| Kann sich nicht verbinden | Falsches Passwort, MAC-Filter, WPA2/WPA3-Inkompatibilität, DHCP scheitert, falsches VLAN |
2) Signalstärke richtig interpretieren – RSSI & dBm
Die wichtigste Messgröße im WLAN ist die Signalstärke (RSSI), angegeben in dBm (Dezibel-Milliwatt). Achtung: dBm ist eine negative logarithmische Skala – je näher an 0, desto besser. −30 dBm wäre direkt neben dem Access Point, −90 dBm ist faktisch nicht mehr nutzbar. Klick einen Wert für die Bedeutung:
3) Kanalbelegung – die Quelle vieler Probleme
Bei 2,4 GHz gibt es in Europa zwar 13 Kanäle, aber nur drei davon überlappen sich nicht: 1, 6 und 11. Jeder andere Kanal stört zwei Nachbarn. Wenn dein AP auf Kanal 4 sendet, der Nachbar auf 6 und der nächste auf 9 – dann produzieren alle drei gegenseitig Kollisionen, obwohl sie nominell auf „verschiedenen Kanälen" sind. 5-GHz-Netze haben dieses Problem nicht – dort sind alle Kanäle nicht-überlappend (allerdings mit kürzerer Reichweite).
iwlist wlan0 scan oder nmcli dev wifi list, macOS: airport -s oder Option+WLAN-Symbol) findet man heraus, welche Kanäle in der Umgebung belegt sind. Den am wenigsten genutzten 1/6/11-Kanal wählen – oder besser: in 5 GHz wechseln, wo das Problem weitgehend wegfällt.4) Symptom-Matcher – häufige Fehler & Lösungen
Die meisten WLAN-Probleme passen in eine Handvoll typischer Muster. Klick ein Symptom, um Ursachenkandidaten und Lösungswege zu sehen:
netsh wlan show interfaces, auf Linux mit iw dev wlan0 link.5) Werkzeuge im Überblick
Die wichtigsten WLAN-Diagnose-Tools nach Plattform – für die meisten reicht bereits ein Bordmittel, kommerzielle Tools sind nur in Enterprise-Umgebungen wirklich notwendig:
| Plattform | Tool | Zeigt |
|---|---|---|
| Windows | netsh wlan show interfaces | Aktuelles WLAN, BSSID, Signal in %, Geschwindigkeit, Kanal |
| Windows | WLAN-Analyzer (MS-Store) | Grafische Kanalbelegung in der Umgebung |
| Linux | iw dev wlan0 link | BSSID, Signalstärke in dBm, Rate |
| Linux | iwlist wlan0 scan / nmcli dev wifi list | Scan aller Netze in der Umgebung mit Kanal & Signal |
| macOS | Option-Klick aufs WLAN-Symbol | BSSID, Kanal, Signal, Rauschen, TX-Rate, Modus |
| Android | WiFi Analyzer (Play Store) | Kanalbelegung als Graph in Echtzeit |
| Enterprise | Ekahau, NetSpot, AirMagnet | Heatmaps, Site-Surveys, Spektrum-Analyse |
Zusammenfassung
WLAN-Probleme fallen in vier Klassen: schwacher Empfang, Verbindungsabbrüche, langsamer Durchsatz, Verbindung scheitert ganz. Wichtigste Messgröße ist RSSI in dBm – Faustregel: −67 dBm = Grenzwert für Voice/Video, −85 dBm = praktisch unbenutzbar. SNR (Signal-zu-Rausch-Verhältnis) sollte über 20 dB liegen. Bei 2,4 GHz nur Kanäle 1, 6, 11 nutzen – alles andere produziert Überlappung. 5 GHz hat das Problem nicht, dafür weniger Reichweite. Werkzeuge: netsh wlan show interfaces (Win), iw dev wlan0 link (Linux), WLAN-Analyzer/WiFi-Analyzer für Kanalsicht. Bei Sticky-Client-Problemen: 802.11k/v/r im Enterprise-AP aktivieren.
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