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- IPv6 – Vollständiger Überblick10
- 1.1Warum IPv6?
- 1.2IPv6-Adressaufbau und Schreibweise
- 1.3IPv6-Adresstypen: Unicast, Multicast, Anycast
- 1.4Subnetting mit IPv6
- 1.5Autokonfiguration: SLAAC und DHCPv6
- 1.6ICMPv6 und Neighbor Discovery Protocol
- 1.7Dual Stack, Tunneling, NAT64
- 1.8IPv6-Sicherheitsaspekte
- 1.9IPv6 konfigurieren unter Linux und Windows
- 1.10Aufgaben IPv6
Subnetting mit IPv6
Beim IPv6-Subnetting musst du das Rechnen mit Binärzahlen weniger strapazieren als bei IPv4 – die Adressstruktur ist klarer aufgeteilt. Die meisten End-User-Netze bekommen einen /64-Präfix, und die Einteilung in Subnetze folgt einer einfachen, hierarchischen Logik. Verstehst du die Bit-Aufteilung, löst du Subnetting-Aufgaben routiniert.
1. Die Standardstruktur: /48 → /64
In IPv6 gibt es eine etablierte Hierarchie für die Adressvergabe, die die IANA in RFC 6177 und anderen Dokumenten beschreibt. Sie sieht typischerweise so aus:
ISP /32
/48
/64
- ISP bekommt einen
/32von der regionalen Registry (RIPE etc.) - ISP vergibt an Kunden typischerweise einen
/48– das sind 16 Bit für den Kunden - Kunde teilt intern mit dem 16-Bit-Subnetz-Feld in bis zu 65.536 Subnetze auf
- Jedes Subnetz bekommt den
/64-Präfix – mit 2⁶⁴ Adressen pro Subnetz
2. Subnetze berechnen
Das Prinzip ist einfach: Du nimmst einen größeren Block und teilst ihn in kleinere auf. Die Anzahl der möglichen Subnetze und Hosts ergibt sich aus den „freien" Bits.
| Ausgangs-Präfix | Ziel-Präfix | Bits zum Subnetzen | Anzahl Subnetze | Hosts/Subnetz |
|---|---|---|---|---|
/48 | /64 | 16 Bit | 2¹⁶ = 65.536 | 2⁶⁴ (≈ 18 × 10¹⁸) |
/48 | /56 | 8 Bit | 256 | 2⁷² |
/56 | /64 | 8 Bit | 256 | 2⁶⁴ |
/32 | /48 | 16 Bit | 65.536 | – |
/64 | /80 | 16 Bit | 65.536 | 2⁴⁸ |
3. Praktisches Beispiel: Betrieb in vier Abteilungen
Ein Unternehmen bekommt vom ISP den Präfix 2001:db8:acad::/48. Es soll in vier Abteilungsnetze aufgeteilt werden. Da der Präfix /48 ist und Subnetze auf /64 enden sollen, stehen 16 Bit zur freien Einteilung. Die einfachste Lösung: die ersten Subnetze durchnummerieren.
| Subnetz | IPv6-Präfix | Verwendung |
|---|---|---|
| 0 | 2001:db8:acad:0000::/64 (::/64) | Geschäftsführung |
| 1 | 2001:db8:acad:0001::/64 | IT-Abteilung |
| 2 | 2001:db8:acad:0002::/64 | Vertrieb |
| 3 | 2001:db8:acad:0003::/64 | Produktion |
| … | 2001:db8:acad:ffff::/64 | letztes mögliches Subnetz |
Das vierte Byte in der Adresse (hier 0000, 0001, 0002, 0003) ist die Subnetz-ID. Man kann hexadezimal zählen – das 16. Subnetz wäre :000f::, das 256. wäre :00ff:: usw.
4. Interaktiver Subnetz-Rechner
Gib einen IPv6-Präfix und eine gewünschte Subnetz-Präfixlänge ein, um die Anzahl der Subnetze und Adressen zu berechnen:
5. Unterschied zu IPv4-Subnetting
IPv4-Subnetting ist oft mühsam: Binärrechnung, Netzmasken, Broadcast-Adressen, knappe Adressräume. IPv6 ist entspannter:
- Keine Broadcast-Adresse: Der letzte Block eines IPv6-Subnetzes ist keine reservierte Broadcast-Adresse.
- Keine Netzmaske: IPv6 nutzt ausschließlich CIDR-Präfixnotation, keine Subnetzmaske wie
255.255.255.0. - Genug Raum: Man muss keine Adressen sparen. Ein /64 pro Subnetz ist Standard – egal wie viele Geräte drinhängen.
- Hierarchie ist klarer: ISP /32 → Kunde /48 → Standort /56 → Subnetz /64. Das ist eine saubere, verständliche Struktur.
