- 1 Section
- 10 Lessons
- unbegrenzt
- IPv6 – Vollständiger Überblick10
- 1.1Warum IPv6?
- 1.2IPv6-Adressaufbau und Schreibweise
- 1.3IPv6-Adresstypen: Unicast, Multicast, Anycast
- 1.4Subnetting mit IPv6
- 1.5Autokonfiguration: SLAAC und DHCPv6
- 1.6ICMPv6 und Neighbor Discovery Protocol
- 1.7Dual Stack, Tunneling, NAT64
- 1.8IPv6-Sicherheitsaspekte
- 1.9IPv6 konfigurieren unter Linux und Windows
- 1.10Aufgaben IPv6
Autokonfiguration: SLAAC und DHCPv6
Eines der elegantesten Features von IPv6 ist, dass ein Gerät sich selbst eine gültige globale Adresse geben kann – ganz ohne DHCP-Server. Dieser Mechanismus heißt SLAAC: Stateless Address Autoconfiguration. Daneben gibt es auch DHCPv6 für Fälle, in denen mehr zentrale Kontrolle gewünscht ist. Beide Verfahren können sogar kombiniert werden.
1. SLAAC – wie Geräte sich selbst konfigurieren
SLAAC steht für Stateless Address Autoconfiguration und ist in RFC 4862 definiert. „Stateless" bedeutet: Kein Server muss sich merken, welche Adresse er vergeben hat. Jedes Gerät berechnet seine eigene Adresse – deterministisch, aus Informationen, die es selbst kennt und aus dem Netz bezieht.
Der Ablauf läuft in wenigen Schritten ab, sobald ein Gerät an ein IPv6-Netz angeschlossen wird:
fe80::) aus seiner MAC-Adresse (via EUI-64) oder zufällig. Diese gilt nur im direkten Segment.ff02::2 (all routers), um einen Router zu finden.2001:db8:1::/64), die Gültigkeitsdauer und Flags enthält.2. EUI-64 – Interface Identifier aus MAC-Adresse
Beim klassischen SLAAC wird der Interface Identifier (IID) aus der 48-Bit-MAC-Adresse gebildet – nach dem EUI-64-Verfahren:
- MAC-Adresse in zwei Hälften teilen: erste 3 Byte + letzte 3 Byte
- In der Mitte
ff:feeinfügen → 64 Bit - Das 7. Bit des ersten Bytes invertieren (Universal/Local-Bit)
Beispiel: MAC 00:1A:2B:3C:4D:5E → EUI-64: 02:1A:2B:FF:FE:3C:4D:5E → IID: 021a:2bff:fe3c:4d5e
3. DHCPv6 – stateful und stateless
DHCPv6 ist das IPv6-Pendant zu DHCP in IPv4 – aber mit einem wichtigen Unterschied: Es gibt zwei Betriebsmodi, und Router steuern über RA-Flags, welcher verwendet wird.
Stateful DHCPv6
Der DHCPv6-Server vergibt explizit IPv6-Adressen und speichert die Zuordnungen (wie DHCP bei IPv4). Der Router setzt in der RA-Nachricht das M-Flag (Managed). Geeignet für Umgebungen, in denen zentrale Adressverwaltung wichtig ist (Unternehmensnetze, Server-Segmente).
Stateless DHCPv6
Hier teilt das Gerät seine Adresse weiterhin per SLAAC selbst zu – DHCPv6 liefert nur zusätzliche Konfigurationsdaten wie DNS-Server-Adressen und Domainname. Der Router setzt das O-Flag (Other). Häufig in Heimnetzen und einfachen Unternehmensnetzen.
| RA-Flag | Bedeutung | Adresse per | Sonstiges per |
|---|---|---|---|
| Kein Flag | Reines SLAAC | SLAAC | RA (z.B. kein DNS) |
| O-Flag | SLAAC + stateless DHCPv6 | SLAAC | DHCPv6 (DNS etc.) |
| M-Flag | Stateful DHCPv6 | DHCPv6 | DHCPv6 |
| M+O-Flag | Vollständig DHCPv6 | DHCPv6 | DHCPv6 |
4. Router Advertisement im Detail
Router Advertisements werden vom Router regelmäßig (alle 200 Sekunden standardmäßig) an ff02::1 gesendet oder auf Router Solicitations hin. Sie enthalten:
- Präfix-Information: Netzpräfix, Präfixlänge, Gültigkeitsdauer
- M- und O-Flags: Steuern SLAAC vs. DHCPv6
- Default Gateway: Die Link-Local-Adresse des Routers (kein DHCP nötig!)
- MTU-Option: Empfohlene MTU für das Segment
- RDNSS-Option: DNS-Server (RFC 8106), ohne DHCPv6
- Hop-Limit: Standard-TTL-Wert für das Netz
5. Vergleich: SLAAC vs. DHCPv6 vs. IPv4-DHCP
SLAAC
- Kein Server nötig
- Gerät bestimmt Adresse selbst
- Schnell, einfach
- DNS über RDNSS in RA
- Kein zentrales Logging
DHCPv6
- Server vergibt Adressen
- Zentrale Kontrolle & Logs
- Feste Adressen möglich
- Mehr Konfiguration nötig
- Kein Default-GW via DHCPv6!
IPv4-DHCP
- Alles über DHCP
- IP, DNS, GW, NTP
- Lease-Verwaltung
- Gut bekannt, weit verbreitet
- Broadcast-basiert
