- 1 Section
- 10 Lessons
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- IPv6 – Vollständiger Überblick10
- 1.1Warum IPv6?
- 1.2IPv6-Adressaufbau und Schreibweise
- 1.3IPv6-Adresstypen: Unicast, Multicast, Anycast
- 1.4Subnetting mit IPv6
- 1.5Autokonfiguration: SLAAC und DHCPv6
- 1.6ICMPv6 und Neighbor Discovery Protocol
- 1.7Dual Stack, Tunneling, NAT64
- 1.8IPv6-Sicherheitsaspekte
- 1.9IPv6 konfigurieren unter Linux und Windows
- 1.10Aufgaben IPv6
IPv6-Adressaufbau und Schreibweise
Eine IPv6-Adresse sieht auf den ersten Blick einschüchternd aus: 2001:0db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334. Aber das Prinzip dahinter ist logisch aufgebaut – und es gibt klare Regeln, wie man Adressen kürzt. Wer diese Regeln verinnerlicht, liest IPv6-Adressen bald genauso flüssig wie IPv4-Adressen.
1. Aufbau: 128 Bit, 8 Blöcke
Eine IPv6-Adresse ist 128 Bit lang und wird in 8 Blöcke à 16 Bit aufgeteilt. Jeder Block wird als vierstellige Hexadezimalzahl geschrieben, die Blöcke werden durch Doppelpunkte getrennt:
Blau = Netzpräfix (typisch /64) · Lila = Interface Identifier
2. Präfix und Interface Identifier
Wie bei IPv4 ist eine IPv6-Adresse in zwei Teile gegliedert – Netzanteil und Geräteanteil. Der Präfix identifiziert das Netz, der Interface Identifier (IID) das einzelne Gerät im Netz.
Die Präfixlänge wird in CIDR-Notation angegeben – genau wie bei IPv4. Ein typisches Subnetz erhält einen /64-Präfix: die ersten 64 Bit gehören zum Netz, die letzten 64 Bit zum Gerät. Zum Beispiel:
- Netzpräfix:
2001:0db8:85a3:0000::/64 - Interface Identifier:
::8a2e:0370:7334
3. Kurzschreibweise – zwei Regeln
Die Vollschreibweise ist umständlich. IPv6 erlaubt deshalb zwei Vereinfachungsregeln, die man kombinieren darf – aber mit Bedacht:
0db8 → db8, 0000 → 0. Mindestens eine Ziffer muss stehen bleiben.Beispiel:
2001:0db8:01:...0001 → 2001:db8:1:...1:: ersetzen: Eine oder mehrere aufeinanderfolgende Gruppen von 0000 dürfen einmal durch :: ersetzt werden. Diese Regel darf nur einmal pro Adresse angewendet werden – sonst ist die Adresse nicht mehr eindeutig rekonstruierbar.Beispiel:
2001:db8:0:0:0:0:0:1 → 2001:db8::1Beide Regeln zusammen führen zur kürzesten Darstellung:
| Vollschreibweise | Kurzschreibweise |
|---|---|
2001:0db8:0000:0000:0000:0000:0000:0001 | 2001:db8::1 |
fe80:0000:0000:0000:0202:b3ff:fe1e:8329 | fe80::202:b3ff:fe1e:8329 |
0000:0000:0000:0000:0000:0000:0000:0001 | ::1 (Loopback) |
0000:0000:0000:0000:0000:0000:0000:0000 | :: (Wildcard / unspezifiziert) |
2001:0db8:0001:0000:0000:0ab9:c0a8:0102 | 2001:db8:1::ab9:c0a8:102 |
:: darf nur einmal vorkommen. 2001::db8::1 ist ungültig, weil unklar wäre, wie viele Nullgruppen jeweils ersetzt wurden.4. Interaktiver Kürzungsrechner
Gib eine IPv6-Adresse in Vollform ein – der Rechner zeigt dir die korrekte Kurzschreibweise und prüft, ob die Eingabe gültig ist:
5. Präfixnotation
Präfixlängen werden in IPv6 genauso wie in CIDR bei IPv4 geschrieben – mit einem Schrägstrich:
2001:db8::/32– Netzwerk mit 32-Bit-Präfix (ISP-Block)2001:db8:1::/48– Kundenblock, 48-Bit-Präfix2001:db8:1:abc::/64– einzelnes Subnetz, 64-Bit-Präfix::1/128– einzelne Host-Adresse (Loopback)
Typische Hierarchie in der IPv6-Adressvergabe: Der ISP bekommt einen /32, gibt seinen Kunden jeweils einen /48, der Kunde vergibt intern /64-Subnetze. Bei einem /48 stehen damit 2¹⁶ = 65.536 Subnetze zur Verfügung.
6. Groß- und Kleinschreibung
Hexadezimale Buchstaben in IPv6-Adressen sind case-insensitive – 2001:DB8::1 und 2001:db8::1 sind identisch. In der Praxis und in der Dokumentation wird meist Kleinschreibung verwendet. RFC 5952 empfiehlt ebenfalls Kleinschreibung für die Kurzform.
