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- unbegrenzt
- Kundenkommunikation & Beratungsgespräch11
- 1.1Sender-Empfänger-Modell
- 1.24-Ohren-Modell nach Schulz von Thun
- 1.3Aktives Zuhören, Fragetechniken und Bedarfsanalyse
- 1.4Beratungsgespräch strukturieren
- 1.5Zielgruppen unterscheiden und kommunizieren
- 1.6Englische IT-Fachsprache: Begriffe, Doku, Fehlermeldungen
- 1.7Marktbeobachtung: Preise und Wettbewerber vergleichen
- 1.8Marketing und Vertrieb unterstützen
- 1.9Daten multimedial aufbereiten und präsentieren
- 1.10Einwandbehandlung und Beschwerdemanagement
- 1.11Kunden einweisen und Kundenbeziehungen gestalten
Sender-Empfänger-Modell
„Ich hab' doch deutlich gesagt, dass der Server am Wochenende offline ist – wer kann denn dafür, dass der Kunde am Montag verärgert anruft?" – ein Klassiker in jeder IT-Karriere. Die Antwort liegt im Sender-Empfänger-Modell, dem Grundbaustein jeder Kommunikationstheorie, geprägt 1949 von Claude Shannon und Warren Weaver für die Nachrichtentechnik und seitdem in Linguistik, Psychologie, Pädagogik weitergedacht. Die zentrale Idee: zwischen dem, was Sender meint, und dem, was Empfänger versteht, liegen mehrere Übersetzungs-Schritte – jeder davon ein potenzieller Stör-Punkt. Diese erste Lektion zeigt dir die fünf Komponenten (Sender, Codierung, Kanal, Decodierung, Empfänger), die typischen Störquellen, den Unterschied zwischen einseitiger und zweiseitiger Kommunikation (Feedback!), und warum kein „klar gesagt" als Beweis genügt, dass etwas verstanden wurde. Die folgenden Lektionen vertiefen daraus weiterführende Modelle – allen voran das 4-Ohren-Modell von Schulz von Thun.
1) Das Modell im Überblick
Klick die Komponenten an, um Details zu sehen:
2) Die fünf Schritte – pragmatisch
| Schritt | Was passiert | Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Gedanke / Absicht | Sender hat etwas im Kopf, das er mitteilen will | „Server-Wartung am Samstag, 8-12 Uhr, ERP nicht verfügbar" |
| 2. Codierung | Übersetzung in Worte, Mimik, Schrift | E-Mail-Text formulieren |
| 3. Übertragung (Kanal) | Botschaft geht über einen Medien-Kanal | E-Mail an Verteiler „alle Anwender" |
| 4. Decodierung | Empfänger nimmt wahr und interpretiert | Anwender liest E-Mail (oder löscht ungelesen) |
| 5. Verstehen / Reaktion | Botschaft kommt im Kopf des Empfängers an | Anwender merkt sich Termin oder vergisst ihn |
3) Wo's schief geht – die typischen Störquellen
🔧 Technische Störung
E-Mail im Spam, Anruf bricht ab, schlechte Tonqualität in Video-Call. Die Botschaft erreicht den Empfänger gar nicht oder nur lückenhaft.
📚 Sprachliche Störung
Fachbegriffe, Akronyme, Anglizismen, die der Empfänger nicht versteht. „Wir machen ein Rollout der neuen GPO via WSUS." → „Was?"
🧠 Vorwissen / Erfahrungs-Lücke
Sender setzt Wissen voraus, das Empfänger nicht hat. „Sie wissen ja, dass der DC am Wochenende gepatcht wird." → „Welcher DC?"
🎭 Emotionale Störung
Empfänger ist gestresst, verärgert, abgelenkt. Botschaft kommt zwar an, wird aber nicht ernst genommen oder negativ ausgelegt.
🎯 Kulturelle Unterschiede
„Wir sollten das mal angehen" heißt in DE „demnächst", in den USA „jetzt sofort". Höflichkeits-Normen und Direktheit variieren.
💬 Falsche Codierung
Sender formuliert zu vage oder mehrdeutig. „Demnächst" ist heute, morgen, nächste Woche, irgendwann?
🪞 Selektive Wahrnehmung
Empfänger filtert: hört nur, was er hören will. Schlechte Nachrichten werden überlesen, die guten gefeiert.
📵 Falscher Kanal
Kritische Information per Slack-Channel mit 200 Leuten, statt mit den 5 Betroffenen direkt. Geht unter.
4) Ein klassischer IT-Dialog
Was passiert, wenn nur einseitig kommuniziert wird – ohne Feedback-Check:
5) Verbal vs. nonverbal
Im Face-to-Face-Gespräch ist nur ein Bruchteil dessen, was ankommt, der eigentliche Wortinhalt. Studien (z. B. Mehrabian) zeigen bei emotionalen Aussagen:
- ~7 % Wortinhalt – das, was wörtlich gesagt wird
- ~38 % Tonfall / Stimme – wie es klingt
- ~55 % Körpersprache – Mimik, Gestik, Haltung
Wichtig: die Zahlen gelten nur für widersprüchliche emotionale Aussagen (Sender sagt etwas Nettes, blickt aber feindlich) – nicht allgemein. Im IT-Alltag heißt das: bei Konflikten oder Beratungen ist persönlich besser als E-Mail. Für sachliche Informationen kann eine klare E-Mail das Beste sein, weil sie nachlesbar bleibt.
6) Einseitige vs. zweiseitige Kommunikation
| Einseitig | Zweiseitig |
|---|---|
| Sender → Empfänger, kein Rückkanal | Sender ↔ Empfänger, mit Feedback |
| z. B. Massen-Mail, Aushang, Web-Seite | Gespräch, Video-Call, Slack-Konversation |
| Schnell, skaliert auf viele Empfänger | Verständnis lässt sich prüfen, Anpassung möglich |
| Hohes Missverständnis-Risiko | Aufwendiger, dafür präziser |
| Geeignet für: einfache Info, viele Empfänger | Geeignet für: komplexe Themen, einzelne Stakeholder |
7) Praxis-Tipps für die IT
- Kanal-Wahl bewusst: komplexe oder emotionale Themen nicht per E-Mail klären – Telefon oder F2F.
- Vokabular anpassen: Fachbegriffe nur, wenn der Empfänger sie versteht. Sonst übersetzen oder weglassen. Mehr in Zielgruppen kommunizieren.
- Konkretheit: „demnächst" wird zu „bis Freitag, 16 Uhr".
- Feedback einholen: „Habe ich das verständlich erklärt?" oder „Was ist Ihnen unklar?"
- Wiederholung in eigenen Worten: bei wichtigen Themen den Empfänger das Verstandene zusammenfassen lassen.
- Schriftliche Bestätigung: nach mündlicher Absprache eine kurze E-Mail – „wie besprochen ...". Vermeidet spätere Streit-Punkte.
- Mehrere Kanäle bei wichtigen Infos: E-Mail + Slack + Intranet-Hinweis. Selektive Wahrnehmung kompensieren.
8) Antipatterns
- „Ich hab's doch gesagt." Beweis, dass etwas gesagt wurde, ist kein Beweis, dass es verstanden wurde. Lösung: Verständnis aktiv prüfen.
- Fachsprache als Statussymbol. „Wir machen RBAC-Refactoring mit OIDC-Migration" → Geschäftsführung versteht nichts, fragt aber nicht aus Scham. Lösung: Zielgruppen-Sprache.
- E-Mail bei Konflikt. Tonfall fehlt, Empfänger interpretiert oft aggressiver als gemeint. Lösung: persönliches Gespräch.
- Massenverteiler für Einzel-Themen. Verwischt Verantwortung – „dachte, dass jemand anders reagiert". Lösung: direkte Adressierung.
- Feedback ignorieren. Empfänger fragt nach, Sender wiederholt nur das Original. Lösung: andere Erklärung versuchen, Beispiel geben.
Zusammenfassung
Das Sender-Empfänger-Modell beschreibt Kommunikation in fünf Schritten: Gedanke → Codierung → Kanal → Decodierung → Verstehen. Zwischen Sender-Absicht und Empfänger-Verständnis liegen viele Stör-Möglichkeiten – technisch (Spam), sprachlich (Fachbegriffe), kulturell, emotional, durch falschen Kanal. Im persönlichen Kontakt zählt der Tonfall und die Körpersprache oft mehr als der Wortinhalt selbst. Schlüssel zur guten Kommunikation ist deshalb der Feedback-Loop: Verständnis aktiv prüfen, statt sich auf „klar gesagt" zu verlassen.
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