- 1 Section
- 11 Lessons
- unbegrenzt
- Kundenkommunikation & Beratungsgespräch11
- 1.1Sender-Empfänger-Modell
- 1.24-Ohren-Modell nach Schulz von Thun
- 1.3Aktives Zuhören, Fragetechniken und Bedarfsanalyse
- 1.4Beratungsgespräch strukturieren
- 1.5Zielgruppen unterscheiden und kommunizieren
- 1.6Englische IT-Fachsprache: Begriffe, Doku, Fehlermeldungen
- 1.7Marktbeobachtung: Preise und Wettbewerber vergleichen
- 1.8Marketing und Vertrieb unterstützen
- 1.9Daten multimedial aufbereiten und präsentieren
- 1.10Einwandbehandlung und Beschwerdemanagement
- 1.11Kunden einweisen und Kundenbeziehungen gestalten
Marketing und Vertrieb unterstützen
„Wir sind doch keine Verkäufer – wir sind IT!" Diese Trennung gilt heute kaum noch. In modernen IT-Unternehmen, Systemhäusern und IT-Abteilungen wird die technische Mannschaft regelmäßig in Marketing- und Vertriebs-Prozesse eingebunden – als Pre-Sales-Engineer, in Produkt-Demos, in Proof-of-Concepts, bei Referenzkunden-Calls. Wer in Beratungsgesprächen sitzt, sollte die Grundprinzipien von Marketing und Vertrieb kennen – nicht um Verkäufer zu werden, sondern um die Mechanik zu verstehen, in der man mitwirkt. Diese Lektion zeigt dir das klassische AIDA-Modell (Attention, Interest, Desire, Action), die Idee des Sales-Funnels mit typischen Konversions-Raten, das BANT-Schema zur Lead-Qualifizierung (Budget, Authority, Need, Timing) und konkrete IT-Aktivitäten, die Vertrieb unterstützen: Demos, PoCs, Referenzkunden, technische Vorqualifizierung. Aufbauend auf den Kommunikations-Lektionen davor versetzt sie dich in die Lage, im Gespann mit Sales-Kollegen souverän zu agieren.
1) Das AIDA-Modell – Klassiker der Werbe-Psychologie
Das AIDA-Modell (Elias St. Elmo Lewis, 1898) beschreibt vier Phasen, die ein Kunde durchläuft – von „kennt mich nicht" bis „kauft". Klick die Phasen an:
2) Sales-Funnel und Konversions-Raten
Der Sales-Funnel beschreibt, wie viele Leads aus jeder Stufe in die nächste übergehen. Die Zahlen unterscheiden sich nach Branche – aber die Form ist universell:
3) BANT – Leads qualifizieren
Nicht jeder Lead ist gleich viel wert. BANT ist seit Jahrzehnten der Standard zur Lead-Qualifizierung – vier Kriterien, die ein „echter" Lead erfüllen sollte:
Budget
Hat der Kunde finanzielle Mittel für die Lösung?
Authority
Sprechen wir mit dem Entscheider – oder mit einem Mittelsmann?
Need
Gibt es einen echten Bedarf – oder nur Interesse?
Timing
Wann soll die Lösung kommen – jetzt, in 3 Monaten, „mal sehen"?
4) Wie IT den Vertrieb konkret unterstützt
🎤 Pre-Sales-Engineering
IT-Profi begleitet Sales-Mitarbeiter im Gespräch – beantwortet technische Fragen, prüft Machbarkeit, hilft beim Lösungs-Design. Wirkt glaubwürdiger als reiner Verkäufer. Quote: „Mein technischer Kollege …" zieht im Erstgespräch oft mehr Vertrauen.
🖥 Produkt-Demos
Live-Vorführung der Lösung am Kunden-Use-Case. Wichtig: kein Standard-Skript abspielen, sondern auf die vorher (in Bedarfsanalyse) erhobenen Themen eingehen. Schwacher Demo-Standard: „Hier sehen Sie 200 Features." Starker: „Hier sehen Sie genau Ihr Reporting-Problem gelöst."
🧪 Proof of Concept (PoC)
Begrenzte Test-Umgebung beim Kunden, 2-8 Wochen. Erlaubt dem Kunden, die Lösung mit eigenen Daten zu prüfen. Aufwand hoch, Erkenntnis aber stark. Klare Erfolgskriterien vorab definieren – sonst endet PoC ergebnislos.
📚 Referenzkunden & Case Studies
IT hilft beim Aufbereiten echter Erfolgs-Geschichten: Architektur-Skizze, Kennzahlen, Kunden-Zitate. Wichtig: quantifizierbare Ergebnisse (40 % schnellere Auftragsabwicklung, 30 % weniger Ausfälle) statt Floskeln.
📝 Technische Whitepapers / Blogposts
Mittelfristige Vertriebs-Werkzeuge: detaillierte Hintergrund-Artikel, die Lösungs-Kompetenz zeigen. Zielgruppe sind technische Entscheider und Multiplikatoren. Lange Lebensdauer, gute Lead-Generierung.
🎓 Webinare, Konferenz-Vorträge
IT-Experten als Speaker – zeigt fachliche Tiefe, generiert Leads über Anmeldungen. Erfolgsfaktor: Inhalt vor Werbung. Wer 90 % Werbung packt, verliert Publikum.
🔧 Technische Vor-Qualifizierung
Frühe Prüfung, ob Kunde technisch zur Lösung passt: vorhandene Infrastruktur, Schnittstellen, Compliance-Anforderungen. Verhindert Aufträge, die später nicht umsetzbar sind.
💬 Beratungs-Workshops & Architektur-Reviews
Vor-Sales-Workshops am Kunden-Whiteboard. Zeigen Kompetenz und schaffen Bindung. Oft kostenlos als Pre-Sales-Investition oder zu reduziertem Tagessatz.
5) Marketing-Werkzeuge im IT-Vertrieb
| Werkzeug | Funktion | IT-Mitwirkung |
|---|---|---|
| Website / Landing Pages | Erstanschluss, SEO, Lead-Capture | technische Inhalte, Doku-Links, technische Spec |
| CRM (z. B. Salesforce, HubSpot, Pipedrive) | Lead- und Opportunity-Pflege | technische Notizen am Lead pflegen |
| Marketing Automation | Mail-Strecken, Lead-Nurturing | Whitepaper, Tech-Inhalte liefern |
| Social Selling (LinkedIn) | persönliche Marken, Thought Leadership | Tech-Posts, eigene Profile pflegen |
| Messen, Events, Trade Shows | direkte Begegnungen, Demo-Booth | Stand-Betreuung, Live-Demos |
| Account-Based Marketing (ABM) | gezielte Großkunden-Bearbeitung | technische Pitches pro Konto |
| Direkt-Vertrieb (Cold Calls, Outreach) | aktive Kontaktaufnahme | technische Antworten in Folge-Calls |
6) Vertriebs-Phasen und IT-Rolle
Wann ist IT im Vertriebs-Prozess gefragt? Stark vereinfacht:
| Phase | Sales-Aktivität | IT-Rolle |
|---|---|---|
| Lead-Generierung | Werbung, Outreach, Events | Content liefern (Blog, Whitepaper) |
| Qualifizierung (BANT) | Erstgespräch, Bedarf prüfen | technische Plausibilitäts-Check |
| Bedarfsanalyse | Workshops, Interviews | Pre-Sales-Engineer in Workshops |
| Lösungs-Design | Konzept-Vorschlag | Architektur skizzieren, technisch validieren |
| Angebots-Phase | Angebot, Verhandlung | Aufwand schätzen, Risiken benennen |
| PoC | Test-Setup, Begleitung | Implementierung & Übergabe |
| Abschluss | Vertrag, Kick-off | Übergabe an Liefer-Team |
| Onboarding (Nachvertrieb) | Customer-Success, Cross-Sell | Implementation, Einweisung |
7) Pre-Sales vs. After-Sales – Mentaler Modus
IT-Profis im Vertriebs-Modus müssen anders ticken als im Betriebs-Modus:
- Schnelligkeit: Antworten in Stunden, nicht Tagen. Vertriebs-Tempo ≠ Operations-Tempo.
- Verbindlichkeit ohne Über-Versprechen: ja zu Realistischem, klar zu Grenzen. „Das können wir, aber nur mit Add-On X."
- Kunden-Perspektive: nicht von Tech-Stack reden, sondern von Lösung. Zielgruppen-Sprache ist Pflicht.
- Sales-Sprache lernen: „Pipeline", „Lead", „MQL/SQL", „Opportunity", „Closed-Won/Lost" – Vokabular der Vertriebs-Kollegen.
- Zusammenarbeit mit Sales: klare Rollen vorab klären – wer fragt nach Budget, wer nach Technik?
- Eigene Grenzen kennen: nicht jeden Auftrag annehmen. Nein zu Aufträgen, die technisch riskant sind. Schützt langfristig die Marke.
8) Antipatterns
- „Wir sind IT, kein Vertrieb." Verweigerungs-Haltung führt dazu, dass Sales unrealistische Versprechen macht, die später IT erfüllen muss. Lösung: aktiv mitmachen, Realität einbringen.
- Feature-Show statt Lösungs-Demo. 50 Folien Funktionen → Kunde langweilt sich. Lösung: 3 konkrete Use-Cases live durchspielen.
- Über-Versprechen im Vertriebsgespräch. „Klar geht das, ist nur Konfiguration" – später Aufwand 200 Tage. Lösung: ehrliche Aufwand-Schätzung, auch bei Risiko zum Verlust.
- PoC ohne klare Erfolgs-Kriterien. Endet ohne Ergebnis, Kunde unentschieden. Lösung: vorab schriftlich festlegen, was „PoC erfolgreich" bedeutet.
- BANT-Stufen überspringen. Demo für Kunden ohne Budget, ohne Entscheider, ohne Termin → Zeitverschwendung. Lösung: vorab qualifizieren.
- Pre-Sales als Tech-Klagestelle. Pre-Sales-Engineer kritisiert eigene Produkte. Wirkt unprofessionell – Kunde wechselt zum Konkurrenten. Konstruktive Kritik intern, professionell extern.
- Referenzkunden ohne Zahlen. „Bei einem mittelgroßen Maschinenbauer …" – ohne Quantifizierung wirkt schwach. Lösung: konkrete Vorher-Nachher-Werte.
- Sales und IT laufen auseinander. Sales verspricht X, IT erfährt erst nach Vertragsabschluss davon. Lösung: regelmäßige Pre-Sales/Sales-Syncs, Sales-Engineer dabei.
Zusammenfassung
IT unterstützt heute Marketing und Vertrieb in vielen Rollen: Pre-Sales-Engineering, Demos, Proof-of-Concepts, Referenzkunden-Aufbereitung, Whitepapers, Webinare. Das AIDA-Modell (Attention/Interest/Desire/Action) beschreibt die Kundenreise, der Sales-Funnel mit typischen Konversions-Raten zeigt, wie Leads verloren gehen, und das BANT-Schema (Budget/Authority/Need/Timing) qualifiziert sie vorab. IT wird meist ab SQL eingebunden – wenn echte Gespräche, Demos und Architektur-Diskussionen beginnen. Wichtig ist die Balance zwischen Verbindlichkeit und ehrlicher Aufwand-Schätzung – Über-Versprechen rächt sich später im Projekt. Eigenständige Sales-Sprache (Pipeline, Lead, Opportunity) hilft, mit Sales-Kollegen auf Augenhöhe zu agieren.
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