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SSL/TLS-VPN: OpenVPN
IPsec ist mächtig, aber komplex – besonders für Remote-Access-Szenarien mit vielen verschiedenen Clients und Netzwerken. SSL/TLS-VPN ist ein anderer Ansatz: Statt auf OSI-Schicht 3 zu arbeiten, nutzt es TLS (das Protokoll hinter HTTPS) als Transportschicht für den VPN-Tunnel. Das bringt einen entscheidenden praktischen Vorteil: TLS läuft über TCP-Port 443 – denselben Port wie HTTPS – und passiert damit (fast) jeden Firmen-Proxy und Firewall.
OpenVPN ist die bekannteste Open-Source-Implementierung von SSL/TLS-VPN. Es ist extrem flexibel, läuft auf allen Plattformen, unterstützt sowohl UDP (bevorzugt) als auch TCP, und bietet volle Kontrolle über Routing, Verschlüsselung und Authentifizierung. Viele kommerzielle VPN-Produkte (z.B. Cisco AnyConnect, Pulse Secure) nutzen ähnliche Prinzipien.
1) Architektur
OpenVPN läuft im Userspace (kein Kernelmodul nötig) und kommuniziert über ein virtuelles Netzwerkinterface (TUN für Layer-3-Routing, TAP für Layer-2-Bridging). TLS wird für den Steuerkanal genutzt, ein eigener Datenstrom für die eigentlichen Nutzdaten.
tun0
10.8.0.2
AES-256-GCM · HMAC-SHA256 · TLSv1.3
tun0: 10.8.0.1
UDP/1194
192.168.0.0/24
2) OpenVPN-Konfiguration verstehen
OpenVPN wird über Konfigurationsdateien (.ovpn, .conf) gesteuert, die sowohl auf Client als auch Server notwendig sind. Die folgende Beispielkonfiguration zeigt die wichtigsten Parameter eines Clients.
3) IPsec vs. SSL/TLS-VPN
Zusammenfassung
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Protokoll | TLS (über HTTPS-Port 443 oder UDP 1194) |
| Schicht | Applikationsschicht (Userspace) – nicht Kernel |
| Modi | TUN (Layer 3, Routing) und TAP (Layer 2, Bridging) |
| Verschlüsselung | AES-256-GCM + TLS 1.3 für Steuerkanal |
| Vorteil gegenüber IPsec | Firewall-freundlich (Port 443), flexibel, OS-unabhängig |
| Nachteil gegenüber IPsec/WireGuard | Performance, kein OS-nativer Client |
Nächste Lektion: WireGuard – modernes VPN-Protokoll das OpenVPN in Performance und Einfachheit übertrifft.
