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- IT-Betrieb & Support10
- 1.11st, 2nd, 3rd Level Support
- 1.2Incident Management
- 1.3Ticket-Priorisierung
- 1.4Problem Management: Root Cause Analysis
- 1.5Known Error Database (KEDB)
- 1.6Change Management: RFC, CAB
- 1.7Change-Typen: Standard, Normal, Emergency
- 1.8Knowledge Base aufbauen
- 1.9Netzwerkdrucker und Druckserver einrichten
- 1.10Aufgaben IT-Betrieb & Support
Change-Typen: Standard, Normal, Emergency
In Change Management wird klar: nicht jeder Change muss durchs CAB. Manche Änderungen sind so routinemäßig, gut getestet und risikoarm, dass formale Genehmigung jedes Mal Verschwendung wäre – andere sind so kritisch, dass sie maximale Aufsicht brauchen. Wieder andere müssen gerade jetzt passieren, weil ein Brand zu löschen ist. ITIL unterscheidet deshalb drei Change-Typen: Standard, Normal und Emergency. Jeder hat seinen eigenen Genehmigungspfad, sein eigenes Risikoprofil, seine eigene Dringlichkeit. Diese Lektion zeigt dir die drei Typen mit klaren Beispielen, einen Entscheidungs-Pfad „welcher Typ passt hier?" und die typischen Stolperfallen.
1) Die drei Typen im Vergleich
2) Standard Change – das stille Arbeitspferd
Ein Standard Change ist vorab als Typ genehmigt. Das CAB hat einmal definiert: „Diese Art von Änderung darf jederzeit durchgeführt werden, weil sie risikoarm, gut dokumentiert und tausendfach erprobt ist." Beispiele:
- Neue User-Accounts anlegen (Standard-Profile, Standard-Berechtigungen)
- Mailbox-Erweiterungen auf Standard-Quota
- Druckerinstallation aus dem Standard-Katalog
- Standardsoftware aus dem Software-Katalog installieren
- Reguläre Sicherheits-Patches auf Test-Servern
- Nutzer-Passwort zurücksetzen (auch wenn das oft Self-Service ist)
Voraussetzungen, damit ein Change überhaupt zum Standard wird:
- Wiederholbar: tritt regelmäßig auf
- Niedriges Risiko: mehrfach erfolgreich durchgeführt
- Vor-genehmigt: CAB hat das Pattern formal abgesegnet
- Dokumentiertes Vorgehen: Schritt-für-Schritt-Anleitung verfügbar
- Klare Rollback-Strategie: falls doch was schiefgeht
Vorteil: enorme Effizienz. Service Desk und 2nd Level können selbständig arbeiten, das CAB wird entlastet, der Anwender wird schnell bedient. Mehr Service-Anliegen werden zu Service Requests, die per Standard-Change-Workflow umgesetzt werden – oft sogar automatisiert mit Ansible oder ähnlich.
3) Normal Change – der Klassiker
Ein Normal Change ist einzeln zu beantragen und zu genehmigen. Hier läuft der gesamte RFC-Prozess aus der vorigen Lektion: Antrag → Bewertung → CAB → Plan → Umsetzung → PIR. Beispiele:
- Firmware-Update am Core-Switch
- Migration einer Datenbank auf neuere Version
- Einführung einer neuen Anwendung
- Restrukturierung eines AD-Forest
- Verlagerung eines Servers von einem RZ ins andere
- Architektur-Anpassungen an produktiven Systemen
Normal Changes können selbst unterschiedlich groß sein: kleine Konfigurations-Tweaks bis Großprojekt-Migrationen. Manche Organisationen unterteilen weiter in Minor / Major / Significant Normal Changes mit jeweils unterschiedlichen CAB-Eskalationsstufen. Das ist nicht ITIL-Pflicht, aber in der Praxis verbreitet.
4) Emergency Change – das Notfall-Verfahren
Ein Emergency Change ist jetzt sofort nötig, weil ein konkretes, akutes Problem zu bekämpfen ist. Typische Auslöser:
- Cyberangriff läuft, Firewall-Regeln müssen sofort schließen
- Kritischer Service down, nur ein Reboot/Konfig-Wechsel hilft
- Sicherheits-Lücke (Zero-Day) wurde bekannt, sofortiges Patchen
- Hardware-Defekt zwingt zu unmittelbarem Failover
- Compliance-Vorfall, sofortige Zugriffsbeschränkung
Die Genehmigung läuft über das ECAB (Emergency CAB): nicht das volle CAB-Gremium, sondern eine kleine Runde (Change Manager + 1-2 wichtigste Stakeholder), die innerhalb von Minuten erreichbar ist. Auch hier gibt es eine Genehmigung – nicht „einfach machen", sondern bewusste Entscheidung mit dokumentierter Verantwortung. Vollständige Dokumentation wird nach der Umsetzung nachgeholt.
5) Welcher Typ passt? Entscheidungspfad
Anhand weniger Fragen ermitteln, welcher Change-Typ angebracht ist:
6) Die Change-Typen und ihre Tools
| Werkzeug | Funktion |
|---|---|
| Change-Calendar | Zeigt alle anstehenden Changes – wer plant wann was? Verhindert Kollisionen („zwei Changes am gleichen Switch gleichzeitig?") |
| Standard-Change-Katalog | Liste aller vorab genehmigten Change-Typen mit Anleitungen. Selbstbedienung im Self-Service-Portal. |
| RFC-Template-Bibliothek | Vorlagen für die häufigsten Normal Changes – spart Zeit beim Antrag. |
| Risk-Assessment-Matrix | Tool zur Risikobewertung (siehe vorige Lektion) |
| Change Freeze Periods | Zeiten, in denen keine Normal Changes erlaubt sind (z. B. Black Friday im E-Commerce, Quartalsende in der Finanz-IT) |
7) Antipatterns
- „Wir machen das als Emergency, dann sparen wir uns das CAB." Falsche Verwendung als CAB-Umgehung. Echter Test: Ist jetzt sofort nötig, oder kann es bis nächste CAB-Sitzung warten? Wenn ja → Normal Change.
- Standard-Change-Inflation. Aus Bequemlichkeit werden zu viele Change-Typen pauschal abgenickt. Lösung: Standard-Change-Katalog regelmäßig überprüfen, Kandidaten kritisch hinterfragen.
- Standard-Change-Mangel. Umgekehrt: alles bleibt Normal Change, niemand bemüht sich, Routine-Themen zu standardisieren. Service Desk und CAB ersticken. Lösung: aktiv standardisieren.
- Emergency-Vermeidung um jeden Preis. Manager will keine Emergency Changes in seinem Report → echte Notfälle werden zu „dringenden Normal Changes" umetikettiert. Risiko: Brand wird nicht ausreichend dokumentiert.
- Keine Nachdokumentation nach Emergency. Brand gelöscht, alle gehen nach Hause. Beim nächsten Vorfall fehlen die Daten für die Ursachen-Analyse. Lösung: 48-Stunden-Frist für Nach-Dokumentation, Post-Mortem-Pflicht.
- Change Freeze umgangen. Wichtiger Change „muss raus", obwohl Freeze-Periode. Risiko: ausgerechnet zum schlechtesten Moment Probleme. Lösung: Freezes sind heilig, Ausnahmen nur mit Vorstands-Genehmigung.
Zusammenfassung
ITIL kennt drei Change-Typen: Standard (vorab pauschal genehmigt, niedriges Risiko, häufig wiederholt), Normal (einzeln zu beantragen, durchläuft CAB), Emergency (jetzt sofort nötig, läuft über ECAB). Typische Verteilung: ~70/25/5 %. Voraussetzung für Standard-Change: wiederholbar, niedriges Risiko, dokumentiert, vor-genehmigt, mit klarem Rollback. Normal Changes können weiter in Minor/Major/Significant unterteilt werden. Emergency Changes brauchen schnellen ECAB (Change Manager + 1-2 Stakeholder), volle Dokumentation wird nachgeholt. Entscheidungs-Pfad: 1) Akut? → Emergency. 2) Vorab genehmigter Typ? → Standard. 3) Sonst → Normal. Werkzeuge: Change Calendar, Standard-Change-Katalog, RFC-Templates, Risk-Matrix, Change Freeze Periods. Antipatterns: Emergency als CAB-Umgehung, Standard-Inflation oder -Mangel, fehlende Nachdokumentation nach Emergency, umgangene Freezes.
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