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Backup-Medien: Festplatte, Tape, Cloud
Backups müssen irgendwohin gespeichert werden. Die Wahl des Mediums ist genauso wichtig wie die Strategie selbst – sie bestimmt Geschwindigkeit, Kosten, Lebensdauer und Sicherheit. Diese Lektion zeigt die vier wichtigsten Backup-Medien: HDD/SSD, Tape, Cloud-Storage und Misch-Lösungen wie NAS.
Jedes Medium hat klare Stärken und Schwächen. Wer als FISI Backup-Strategien plant, muss diese Trade-offs kennen. In Bewerbungsgesprächen wird oft gefragt: „Warum noch Tape im Jahr 2026?" – mit den richtigen Argumenten beeindruckst du.
1) Die vier wichtigsten Medien im Überblick
Bevor wir tiefer gehen, hier die Übersicht. Jedes Medium hat einen klaren Use-Case:
2) Festplatten (HDD) als Backup-Medium
Die klassische Festplatte ist das häufigste Backup-Medium in kleinen und mittleren Setups. Du kannst sie als externe USB-Platte einsetzen, in einem NAS-Gehäuse, oder in einem dedizierten Backup-Server. Vorteile und Nachteile:
Vorteile:
- Günstig pro GB: ca. 15-25 €/TB Endkundenpreise (Stand 2025/2026)
- Schnell: 100-200 MB/s Lesen/Schreiben bei modernen Modellen
- Einfach: anschließen, schreiben – kein spezielles Drive nötig
- Random Access: einzelne Dateien direkt zugreifbar (im Gegensatz zu Tape)
- Große Kapazitäten: 20 TB pro Platte mittlerweile üblich
Nachteile:
- Mechanik fällt aus: Festplatten haben rotierende Teile, defekt nach ~5 Jahren typisch
- Empfindlich: Erschütterung, magnetische Felder, Temperatur
- Bit-Rot: Daten können über die Jahre kippen, vor allem auf nicht genutzten Platten
- Diebstahlrisiko: kleine externe Platten leicht zu stehlen
- Ständig online: wenn am System angeschlossen, auch von Ransomware erreichbar
Best Practice bei HDD-Backups: rotation von mehreren Platten (z.B. eine pro Wochentag), regelmäßige Health-Checks (S.M.A.R.T.-Werte), physische Trennung nach Backup (Stecker raus oder offline-Modus).
3) SSD: schnell, aber speziell
SSDs sind die schnelle Variante der lokalen Speicherung – bestehen aus Flash-Speicher ohne bewegliche Teile. Für Backups sind sie weniger üblich als HDD, weil teurer, aber haben Nischen:
- Sehr schnelle Restores: für RTO-kritische Systeme
- Mobile Backup-Drives: robust, klein, schnell
- Datenbank-Backup-Caches: schnelle Zwischen-Stage vor Übertragung auf langsamere Medien
Wichtig zu wissen: SSDs haben begrenzte Schreibzyklen. Für ständig überschriebene Backup-Storage nicht ideal – die Zellen nutzen sich ab. Für gelegentliche Schreibzyklen okay. Außerdem: SSDs verlieren bei Lagerung ohne Strom über Jahre Daten (Floating-Gate-Drift). Sind also kein Langzeit-Archiv.
Pro TB sind SSDs heute (2025/2026) etwa 60-100 €/TB – ca. 3-4× teurer als HDD. Für Massen-Backup ineffizient, für Performance-kritische Backups eine Option.
4) Tape (LTO): der unterschätzte Klassiker
Magnetbänder wirken altmodisch – sind aber im Enterprise-Backup nach wie vor Standard. Die aktuelle Technologie heißt LTO (Linear Tape-Open), eine Industrie-Standard-Familie. Aktuelle Generation: LTO-9 mit 18 TB nativ pro Kassette, bis 45 TB komprimiert.
Warum Tape immer noch sinnvoll ist:
- Günstigster Preis pro TB: LTO-9-Tape kostet ca. 80-100 €, für 18 TB. Pro TB also ca. 5-6 €. Niemand schlägt das.
- Sehr lange Lebensdauer: ein LTO-Tape hält bei richtiger Lagerung 30 Jahre
- Offline by Default: aus dem Drive entnommen, ist es nicht von Ransomware erreichbar
- Lange Schreibgarantie: bis zu 260 Vollschreibungen je nach Generation
- WORM-Modus (Write-Once-Read-Many): einmal beschriebene Tapes sind nicht änderbar – ideal für Compliance
- Air-Gapped: physikalisch getrennt, perfekt gegen Cyber-Angriffe
Nachteile:
- Sequenzieller Zugriff: einzelne Datei zu finden dauert (Spulen)
- Drive teuer: ein LTO-9-Drive kostet 2.000-5.000 €, Library mit Roboter noch mehr
- Langsam: ca. 400 MB/s bei LTO-9 – schneller als man denkt, aber Random-Read langsam
- Kompatibilität: jede LTO-Generation kann nur 2 zurück lesen (LTO-9 liest LTO-8 und LTO-7)
5) LTO-Generationen im Überblick
Tape entwickelt sich kontinuierlich. Hier die aktuellen Generationen:
| Generation | Native Kapazität | Komprimiert | Eingeführt |
|---|---|---|---|
| LTO-7 | 6 TB | 15 TB | 2015 |
| LTO-8 | 12 TB | 30 TB | 2017 |
| LTO-9 | 18 TB | 45 TB | 2021 |
| LTO-10 (Roadmap) | 36 TB | 90 TB | 2023-2024 |
| LTO-14 (Roadmap) | 576 TB | 1.440 TB | geplant |
Etwa alle 2-3 Jahre verdoppelt sich die Kapazität. Wer in LTO-Hardware investiert, sollte mindestens 5-7 Jahre Nutzungsdauer einplanen – die Investition in Drive und Library rentiert sich erst dann.
6) Cloud-Storage als Backup-Medium
Die Cloud hat den Backup-Markt revolutioniert. Statt eigene Hardware zu kaufen, mietest du Speicher bei AWS, Azure, Google, Backblaze, Wasabi oder anderen. Bezahlt wird pro GB/Monat und oft pro Zugriff. Mehr zum allgemeinen Cloud-Modell in K31 Cloud Computing.
Die wichtigsten Cloud-Backup-Anbieter:
7) Cloud-Storage-Tiers
Cloud-Anbieter bieten verschiedene Storage-Klassen (Tiers) mit unterschiedlichen Preisen und Charakteristika. Je „kälter" der Tier, desto günstiger aber langsamer:
8) Cloud-Backup: Vor- und Nachteile
Die Cloud klingt nach der perfekten Backup-Lösung – ist aber kein Allheilmittel:
Vorteile:
- Geo-redundant: Daten in mehreren Rechenzentren – kein Brand kann alles zerstören
- Skalierbar: keine Hardware-Beschränkung, bezahlt wird was genutzt wird
- Schnell aufsetzbar: kein Lieferzeit für Tapes oder Hardware
- Versionierung oft eingebaut
- Object Lock für immutable Backups gegen Ransomware
- API-basiert: lässt sich gut automatisieren
Nachteile:
- Laufende Kosten: jeden Monat zahlen, addiert sich über Jahre
- Egress-Gebühren: Daten rausholen kostet bei vielen Anbietern extra
- Restore-Dauer: viele Terabyte über das Internet zu laden dauert
- Vendor Lock-in: Anbieter-Wechsel mit großen Datenmengen schwierig
- Verfügbarkeit: nur mit Internet erreichbar – bei Ausfall kein Restore
- DSGVO-Risiken: bei US-Anbietern – siehe Schrems II, Cloud Act
- Account-Risiken: kompromittierter Account = Daten weg oder Ransomware-Ziel
Ein typischer Anti-Pattern: „Wir haben Backup, ist in der Cloud" – aber Egress-Gebühren bei Restore werden nicht eingeplant, oder die Restore-Geschwindigkeit reicht nicht für den RTO.
9) NAS und SAN als Backup-Ziel
Neben den einzelnen Medien gibt es auch fertige Storage-Systeme die Backup-Ziele sein können:
- NAS (Network Attached Storage): dedizierte Box mit mehreren HDDs/SSDs, oft RAID. Bekannte Hersteller: Synology, QNAP, Asustor. Im KMU-Markt populär.
- SAN (Storage Area Network): Enterprise-Lösung mit dediziertem Storage-Netzwerk. Sehr teuer, sehr leistungsfähig.
- Backup-Appliances: spezielle Geräte für Backup, oft mit Deduplizierung. Hersteller: Veeam, Rubrik, Cohesity, Dell EMC.
NAS sind im Mittelstand sehr beliebt: typischerweise 4-8 Festplatten in einem Gehäuse, mit Web-UI, RAID-Schutz, eingebauten Backup-Tools. RAID (K57) ist wichtig, aber kein Backup-Ersatz – das ist ein klassischer Anfänger-Fehler.
10) Direkter Medien-Vergleich
Hier die wichtigsten Eigenschaften aller vier Medien gegenüber:
11) Welches Medium wann?
Hier konkrete Empfehlungen aus der Praxis. Welches Medium ist für welches Szenario das richtige?
12) Mehrere Medien kombinieren: Tiered Backup
Die Realität in Unternehmen: mehrere Medien werden gestaffelt. Frische Backups schnell zugreifbar (Disk/SSD), mittelfristige Backups günstiger (NAS), langfristige Backups auf Tape oder Cloud-Cold:
- Tier 1 – Hot Backup: SSD/HDD auf NAS oder Backup-Appliance. Letzte 7-14 Tage. Schneller Restore.
- Tier 2 – Warm Backup: günstigere HDDs oder Cloud-Standard. Letzte 1-3 Monate.
- Tier 3 – Cold Backup: Tape oder Cloud-Glacier. Älter als 3 Monate, bis zu 10 Jahre.
Diese Schichtung wird oft mit automatischen Lifecycle-Regeln umgesetzt: ein Backup wandert nach 14 Tagen von Hot zu Warm, nach 90 Tagen zu Cold. So bleibst du sowohl performant als auch kostengünstig.
13) Aufbewahrung und Lagerung physischer Medien
Tapes und externe Festplatten brauchen eine richtige Lagerung. Verschiedene Aspekte:
- Temperatur: 15-25 °C ideal, nicht extrem schwankend
- Luftfeuchtigkeit: 40-60% relative Luftfeuchte
- Lichtschutz: kein direktes Sonnenlicht, manche Medien sind UV-empfindlich
- Magnetische Felder: Tapes empfindlich, von Lautsprechern, Motoren fernhalten
- Sauberkeit: staubfrei, keine Lebensmittel-/Getränke-Bereiche
- Tresor: feuerfest, einbruchsicher – mindestens für Yearly-Backups
- Off-Site: nicht im gleichen Gebäude wie die Originaldaten (siehe 3-2-1-Regel)
- Verschlüsselung: physische Medien können gestohlen werden – also: AES-256
Speditionen wie Iron Mountain bieten professionelle Tape-Lagerung mit klimatisierten Tresoren und Kurierdiensten an. Für kritische Daten der Goldstandard.
14) Spezialthemen: WORM, Object Lock, Immutability
Drei Begriffe die du als FISI kennen solltest:
- WORM (Write-Once-Read-Many): Medium kann nur einmal beschrieben werden, danach nicht mehr ändern. Klassisch bei optischen Medien (Blu-Ray), heute auch bei Tape im WORM-Modus.
- Object Lock: Cloud-Pendant zu WORM. AWS S3 Object Lock, Azure Blob Immutable Storage – Daten können in der gewählten Periode (Tage bis Jahre) nicht gelöscht oder geändert werden, selbst von Admins nicht.
- Immutable Backup: Oberbegriff für Backups die nicht manipulierbar sind. Wichtig gegen Ransomware – auch wenn Hacker die Backup-Software übernehmen, können sie das Backup selbst nicht zerstören.
Diese Features werden zunehmend Pflicht in Compliance-Anforderungen (z.B. SEC 17a-4 für Finanzdaten in USA, DSGVO-Beweisführung in EU).
Zusammenfassung
Vier Hauptmedien für Backups: HDD (günstig, schnell, mechanische Defekte), SSD (sehr schnell, teurer, Schreibzyklen begrenzt), Tape/LTO (günstigster pro TB, langlebig, air-gapped, sequenziell), Cloud (geo-redundant, skalierbar, laufende Kosten, Egress-Gebühren). LTO-9 aktuelle Tape-Generation mit 18 TB nativ. Cloud-Tiers staffeln Preise: Standard ($23/TB) bis Glacier Deep Archive ($1/TB). NAS beliebt im Mittelstand (Synology, QNAP), SAN im Enterprise. Tiered Backup: Hot (SSD/HDD) → Warm (HDD/Cloud) → Cold (Tape/Glacier) mit Lifecycle-Regeln. Physische Lagerung: Temperatur, Luftfeuchte, Tresor, off-site, verschlüsselt. WORM und Object Lock für Compliance und Ransomware-Schutz. Wahl des Mediums: keine eine Antwort, sondern Kombination nach Use Case – Größe, RTO/RPO, Compliance, Budget.
