- 1 Section
- 10 Lessons
- unbegrenzt
- Backup-Strategien & Datensicherung10
Aufgaben Backup
Zum Abschluss von K58 Backup-Strategien findest du hier 10 typische IHK-Prüfungsaufgaben rund um Datensicherung. Sie decken die zentralen Themen ab: Backup-Arten, GFS-Rotation, 3-2-1-Regel, RTO/RPO, Datenbankbackup, Testen, Medien und Datenlöschung. Schwierigkeitsgrade sind farblich markiert.
Lösung
Vollsicherung: Alle Daten werden vollständig gesichert. Speicherbedarf: 100% pro Backup.
Differenzielle Sicherung: Es werden alle Änderungen seit der letzten Vollsicherung gesichert. Der Speicherbedarf wächst täglich. Beispiel: nach 6 Tagen ca. 15-20% einer Vollsicherung.
Inkrementelle Sicherung: Es werden nur die Änderungen seit der letzten beliebigen Sicherung gesichert. Sehr geringer Speicherbedarf pro Tag. Beispiel: ~2-5% einer Vollsicherung pro Tag. Restore aufwendig: Vollsicherung + alle Inkremente in Reihe nötig.
Mehr in L2.
Lösung
Die 3-2-1-Regel beschreibt das Mindest-Setup für Datensicherung:
- 3 Kopien der Daten – 1 Original (produktives System) + 2 Backup-Kopien
- 2 verschiedene Medien – z.B. HDD und Tape, oder NAS und Cloud. Schützt gegen medienspezifische Ausfälle.
- 1 Off-Site-Kopie – mindestens eine Kopie an einem anderen physischen Standort. Schützt gegen Brand, Wasser, Diebstahl.
Konkretes Beispiel für ein Kleinunternehmen: File-Server im Büro (Kopie 1) + NAS im Büro mit HDDs (Kopie 2) + tägliches Backup zu Hetzner Storage Box in anderem Rechenzentrum (Kopie 3, off-site).
Moderne Erweiterung: 3-2-1-1-0 mit +1 immutable Kopie (gegen Ransomware) und 0 Fehler im Restore-Test.
Lösung
RTO (Recovery Time Objective): maximale Zeitspanne, in der ein System nach einem Ausfall wieder verfügbar sein muss. Bestimmt die Restore-Geschwindigkeit und damit die benötigte Technologie: niedriger RTO erfordert schnelle Storage-Medien, ggf. Hot-Standby-Systeme.
RPO (Recovery Point Objective): maximaler Datenverlust, der akzeptabel ist. Bestimmt die Backup-Frequenz: RPO = 24h → tägliches Backup, RPO = 15 min → kontinuierliche Snapshots oder Replikation.
Festlegung der Werte erfolgt durch eine Business Impact Analyse (BIA):
- Ermittlung der Geschäftsprozesse und ihrer Kritikalität
- Berechnung der Kosten pro Stunde Ausfall
- Datenverlust-Toleranz pro System
- Abwägung gegen Kosten der Schutzmaßnahmen (Kosten steigen exponentiell mit sinkendem RTO/RPO)
Mehr in L6.
a) Tägliche Vollsicherung
b) Vollsicherung am Sonntag + tägliche differenzielle Sicherung
c) Vollsicherung am Sonntag + tägliche inkrementelle Sicherung
Lösung
a) Tägliche Vollsicherung: 7 × 100 GB = 700 GB / Woche
b) Voll + differenziell: Sonntag 100 GB (Voll), dann täglich kumulativ:
- Mo: 5 GB, Di: 10 GB, Mi: 15 GB, Do: 20 GB, Fr: 25 GB, Sa: 30 GB
- Summe Diff: 5+10+15+20+25+30 = 105 GB
- Gesamt: 100 + 105 = 205 GB / Woche
c) Voll + inkrementell: Sonntag 100 GB, dann jeden Tag 5 GB:
- Summe Inc: 6 × 5 = 30 GB
- Gesamt: 100 + 30 = 130 GB / Woche
Vergleich: Inkrementell ist am sparsamsten (~19% von a), differenziell guter Mittelweg (~29%), Vollsicherung am teuersten aber einfachstes Restore.
Lösung
GFS steht für Grandfather-Father-Son – ein klassisches Rotationsschema für Backup-Aufbewahrung mit drei Generationen unterschiedlicher Aufbewahrungsdauer:
- Son (Sohn): tägliche Sicherung, Aufbewahrung 1 Woche → 6 Medien (Mo-Sa)
- Father (Vater): wöchentliche Sicherung (Sonntag), Aufbewahrung 1 Monat → 4 Medien
- Grandfather (Großvater): monatliche Sicherung (letzter Sonntag des Monats), Aufbewahrung 1 Jahr → 12 Medien
Gesamt: 22 Medien (6 + 4 + 12).
Logik: Logarithmische Granularität – nahe Vergangenheit fein (täglich), entferntere Vergangenheit grobkörniger. Ermöglicht Restore auf jeden Tag der letzten Woche, jede Woche des letzten Monats und jeden Monat des letzten Jahres.
Erweiterung: Zusätzlich Yearly-Backups (Jahresendsicherung) für Compliance (z.B. GoBD: 10 Jahre). Mehr in L3.
Lösung
HDD (Festplatte):
- Kosten: ~20 €/TB (günstig im Anschaffung, schnell verfügbar)
- Geschwindigkeit: 100-200 MB/s, Random Access möglich
- Lebensdauer: 3-7 Jahre, mechanische Defekte
- Geeignet für: tägliche Backups, NAS-Lösungen, mittelfristige Aufbewahrung
Tape (LTO):
- Kosten: ~6 €/TB (Tape selbst), Drive teuer (2.000-5.000 €). Aktuelle Generation LTO-9 mit 18 TB nativ.
- Geschwindigkeit: ~400 MB/s sequenziell, langsamer Random Access
- Lebensdauer: 30 Jahre bei richtiger Lagerung
- Geeignet für: Langzeit-Archivierung, Compliance, air-gapped Off-Site-Backup, WORM-Modus für Unveränderlichkeit
Cloud-Storage:
- Kosten: monatliche Mietkosten, Tiers von $23/TB (Hot) bis $1/TB (Cold Archive)
- Geschwindigkeit: Internet-limitiert, Egress-Gebühren beachten
- Lebensdauer: Anbieter-abhängig, geo-redundant
- Geeignet für: Off-Site-Kopie, skalierbares Backup, Disaster Recovery
In der Praxis kombiniert: tiered Backup mit Hot/Warm/Cold-Tiers nach Alter und Zugriffsfrequenz.
Lösung
Point-in-Time-Recovery ermöglicht die Wiederherstellung einer Datenbank auf einen beliebigen Zeitpunkt in der Vergangenheit – nicht nur auf den Zeitpunkt eines vorhandenen Backups. Dadurch lassen sich extrem niedrige RPO-Werte (Sekunden) erreichen.
Prinzip: Vollsicherung + kontinuierliche Sicherung der Transaction Logs. Bei MySQL heißen diese Binary Logs (binlog), bei PostgreSQL WAL (Write-Ahead Logs), bei Oracle Redo Logs.
Beispiel-Ablauf für MySQL:
- Sonntag 02:00 Uhr: Vollsicherung mit
mysqldump --master-data=2(notiert Binlog-Position) - Ab Sonntag werden alle Binary Logs zusätzlich archiviert
- Disaster Donnerstag 14:35 Uhr: DROP DATABASE durch Bedienfehler
- Restore: Sonntag-Dump einspielen → DB im Sonntag-Zustand
mysqlbinlog --stop-datetime="2026-05-15 14:34:59" binlog.* | mysql→ Logs bis Sekunde vor Disaster abspielen- Ergebnis: DB im Zustand 14:34:59 – nur ~1 Sekunde Daten verloren
Voraussetzungen:
- Binary Logging in DB aktiviert (
log-bin,binlog_format=ROW) - Vollsicherung mit Logposition (master-data oder snapshot)
- Binary Logs müssen außerhalb des DB-Servers gesichert sein (sonst weg bei Hardware-Defekt)
- Logs müssen sich überlappen mit Vollsicherung (keine Lücke)
Mehr in L7.
Lösung
RAID 1 (Mirroring) spiegelt Daten auf zwei (oder mehr) Festplatten in Echtzeit. Es bietet Verfügbarkeit bei Hardware-Ausfall einzelner Platten – aber kein Backup im eigentlichen Sinn. Mehr zu RAID in K57.
Szenarien, die RAID 1 nicht abdeckt:
- Versehentliches Löschen: Datei wird gelöscht → auf beiden Platten weg, sofort
- Logische Fehler / Korruption: kaputte Datei wird auf beide Platten geschrieben
- Ransomware-Verschlüsselung: beide Platten werden verschlüsselt
- Software-Bugs: löschen Daten auf beiden Platten
- Brand / Wasserschaden / Diebstahl: trifft beide Platten gleichzeitig (gleicher Standort)
- Zeitliche Rückkehr: kein Zugriff auf älteren Zustand möglich
- Auditpflichten: keine Versionierung über die Zeit
Ein echtes Backup hingegen:
- Ist eine separate Kopie zu einem definierten Zeitpunkt
- Ist (idealerweise) off-site und gegen lokale Katastrophen geschützt
- Erlaubt Rückkehr zu früheren Zuständen
- Sollte nach 3-2-1-Regel umgesetzt sein
- Wird regelmäßig getestet (siehe L8)
Fazit: RAID schützt vor Hardware-Ausfall, Backup schützt vor Datenverlust. Beide ergänzen sich – aber ersetzen sich nicht.
Lösung
Anzuwendende Norm: DIN 66399 für Datenträgervernichtung. Für vertrauliche Daten wie Personalakten ist Sicherheitsstufe 3 (vertraulich) oder Stufe 4 (besonders sensibel) angemessen.
Methoden für HDDs:
- Bei Wiederverwendung: Überschreiben (Wiping) mit Tools wie DBAN, ShredOS oder Blancco. Mehrere Passes (DoD 5220.22-M: 3 Passes, BSI VSITR: 7 Passes)
- Bei Aussonderung: Schreddern durch zertifizierten Dienstleister nach DIN 66399 Materialklasse H (Festplatten)
- Alternative bei defekten Drives: Degaussen (magnetisches Löschen mit Spezialgerät)
Methoden für SSDs:
- Überschreiben ist nicht zuverlässig wegen Wear-Leveling und Reserveblöcken
- Königsweg: ATA Secure Erase (Firmware-Befehl) via
hdparmoder Hersteller-Tools - Bei Aussonderung: Schreddern nach DIN 66399 Materialklasse E (elektronische Datenträger)
- Bei verschlüsselten SSDs: Crypto Erase (Schlüssel löschen)
Erforderliche Dokumentation:
- Inventar der ausgemusterten Geräte (Seriennummern, vorheriger User)
- Klassifizierung der Datenkategorien
- Gewählte Sicherheitsstufe nach DIN 66399
- Vernichtungsprotokoll mit Datum, Verfahren, Verantwortlichem
- Bei externem Dienstleister: Vernichtungszertifikat mit Seriennummern und Sicherheitsstufe
- Aktualisierung des Asset-Management-Systems
DSGVO-Relevanz: Art. 32 (technisch angemessene Sicherheit) und Art. 5 Abs. 1 lit. f (Integrität, Vertraulichkeit) verlangen sichere Vernichtung. Strafen bis 4% Jahresumsatz möglich. Aufbewahrung der Vernichtungsdokumentation mindestens 3 Jahre.
Lösung
Bei RPO = 5 Minuten und RTO = 1 Stunde scheiden klassische tägliche Backups aus. Die Strategie muss kontinuierliche Verfahren mit schneller Restore-Fähigkeit kombinieren.
1. Datenbank-Sicherung (MySQL 500 GB):
- MySQL Replikation: Streaming Replication zu einem Standby-Server (semi-sync) → RPO ~0
- Binary Logs aktivieren und alle 5 Minuten auf separates Storage replizieren → PITR möglich
- Tägliche Vollsicherung mit
mysqldump --master-data=2oder Percona XtraBackup → wöchentlich Voll, täglich Inkrementell auf NAS - Restore-Test monatlich auf isolierter Test-VM
2. File-Server (2 TB):
- Snapshots alle 5 Minuten auf NAS (z.B. ZFS oder Synology mit Snapshot Replication) → RPO 5 Min
- Stündliche Replikation auf zweites NAS in anderem Brandabschnitt
- Tägliches Backup nach S3 Glacier IR (für Off-Site) und LTO-Tape
3. 3-2-1-1-0 nach L5:
- Kopie 1: produktives System (MySQL Master, File-Server)
- Kopie 2 (anderes Medium): NAS mit HDDs im Büro – schneller Restore
- Kopie 3 (off-site): AWS S3 / Glacier in anderer Region UND zusätzliches Tape im Bankschließfach
- +1 immutable: S3 Object Lock aktiviert für Ransomware-Schutz
- 0 Fehler: monatliche Restore-Tests dokumentiert
4. RTO-Sicherstellung (1 Stunde):
- Warm Standby: DB-Replica und gespiegelter File-Server vorhanden → Aktivierung < 30 Min
- Lokale Backups auf schneller SSD-NAS → Restore-Geschwindigkeit hoch
- Klare Runbooks für Restore-Prozess, getestet im DR-Drill
5. Aufbewahrung (GFS-Schema, siehe L3):
- Daily Snapshots: 7 Tage
- Weekly Backups: 4 Wochen
- Monthly Backups: 12 Monate
- Yearly (GoBD): 10 Jahre auf Tape
6. Testing:
- Täglich: automatisierter Existence Check
- Wöchentlich: Integrity Check
- Monatlich: Restore-Test einer Anwendung auf Test-System
- Quartalsweise: vollständiger DB-Restore mit PITR auf Test-DB
- Jährlich: kompletter DR-Drill mit Failover auf Standby
7. Dokumentation und Monitoring:
- Backup-Konzept schriftlich festgehalten
- Monitoring mit Alarm bei fehlerhaftem Backup-Job
- DSGVO-Lösch-Konzept dokumentiert
- Restore-Runbooks für Notfall (auch ohne Original-Admin nutzbar)
Diese Strategie erfüllt RTO = 1h durch Warm Standby + schnelle lokale Backups und RPO = 5 Min durch kontinuierliche Replikation + Snapshots. Kosten: deutlich höher als reines Tagesbackup, aber für Tier-1-System angemessen.
