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- Softwarearchitektur & Systemmodellierung10
- 1.1Anforderungen erheben: funktional vs. nicht-funktional
- 1.2Use-Case-Diagramm
- 1.3Aktivitätsdiagramm
- 1.4Sequenzdiagramm
- 1.5Zustandsdiagramm und Komponentendiagramm
- 1.6Schichtenarchitektur (3-Tier)
- 1.7Microservices vs. Monolith
- 1.8REST-APIs: Grundprinzipien
- 1.9Datenaustausch: JSON, XML, CSV
- 1.10Aufgaben Softwarearchitektur
Aktivitätsdiagramm
Ein Use-Case-Diagramm zeigt was ein System tut, aber nicht wie der Ablauf eines einzelnen Use-Cases tatsächlich aussieht. Genau für diese Detail-Sicht ist das Aktivitätsdiagramm da: es zeigt einen Geschäftsablauf oder Algorithmus Schritt für Schritt, mit Entscheidungen, parallelen Pfaden und Endpunkten.
Aktivitätsdiagramme sind die UML-Schwester des klassischen Flussdiagramms (Flowchart) – aber mit präziser Notation und einigen mächtigen Erweiterungen wie Swimlanes und parallelen Bereichen. In dieser Lektion lernst du, sie zu lesen, zu zeichnen und in IHK-Prüfungen sicher anzuwenden.
1) Wozu Aktivitätsdiagramme?
Aktivitätsdiagramme beantworten die Frage: In welcher Reihenfolge passieren welche Schritte – und wer macht was? Sie eignen sich für:
- Geschäftsprozesse dokumentieren: vom Bestelleingang bis zur Auslieferung.
- Use-Case-Details visualisieren: der konkrete Ablauf eines Anwendungsfalls.
- Algorithmen grafisch darstellen: ähnlich wie Struktogramme, aber mit anderen Konventionen.
- Genehmigungsabläufe: wer prüft was, wann eskaliert es?
- Parallele Vorgänge: was läuft gleichzeitig, wo wird wieder zusammengeführt?
Im Gegensatz zum Use-Case-Diagramm (Was-Sicht) ist das Aktivitätsdiagramm eine Ablauf-Sicht. Beide ergänzen sich – meist gibt es pro Use-Case ein zugehöriges Aktivitätsdiagramm.
2) Die Grundsymbole
Aktivitätsdiagramme verwenden eine Handvoll Standardsymbole. Wer sie kennt, kann jedes Diagramm lesen:
3) Ein einfaches Beispiel
Bevor wir komplexe Strukturen anschauen, ein simples Aktivitätsdiagramm: der Ablauf einer Geld-Abhebung am Geldautomaten. Du wirst die wichtigsten Symbole im Einsatz sehen – Start, Aktionen, Entscheidung, Endknoten:
[ja] bzw. [nein]. Bei „nein" geht's nach rechts zum „Karte einziehen"-Pfad mit eigenem Endknoten. Bei „ja" weiter geradeaus zum normalen Ende. Das ist die übliche Form: mehrere Endknoten für verschiedene Ausgänge.4) Animation: das Diagramm „durchlaufen"
Aktivitätsdiagramme sind dynamisch – sie beschreiben einen Ablauf. Schau dir an, wie der „Token" (sozusagen die aktuelle Position) durch das Diagramm wandert. Mit jeder Aktion wird ein Schritt gemacht:
5) Swimlanes: wer macht was?
Bisher haben wir den Ablauf abstrakt gezeichnet. Was, wenn mehrere Verantwortliche beteiligt sind und wir zeigen wollen, wer welchen Schritt macht? Dafür gibt es Swimlanes (auch Aktivitätsbereiche oder Partitionen). Das Diagramm wird in vertikale oder horizontale Bahnen geteilt – je eine pro Akteur oder Verantwortlichem:
6) Parallelisierung: Fork und Join
Manche Schritte können gleichzeitig ablaufen. Beispiel: nach einer Bestellung kann gleichzeitig die Rechnung erstellt UND das Paket gepackt werden – keiner wartet auf den anderen. In UML wird das mit einem Fork (Aufspaltung) und einem Join (Zusammenführung) ausgedrückt – zwei dicke schwarze Balken:
7) Aktivitätsdiagramm vs. Flussdiagramm
Wer schon Flussdiagramme (Flowcharts) kennt: wo ist der Unterschied zum UML-Aktivitätsdiagramm? Beide haben Rauten für Entscheidungen, Rechtecke für Aktionen und Pfeile für Reihenfolge. Aber es gibt wichtige Unterschiede:
8) Vorgehensweise: ein Aktivitätsdiagramm zeichnen
So gehst du in einer IHK-Aufgabe oder einem echten Projekt vor, wenn du aus einer Anforderung ein Aktivitätsdiagramm erstellen sollst:
9) Typische Klausur-Fehler
Aktivitätsdiagramme sind ein Klassiker in IHK-Aufgaben. Diese Fehler kosten besonders häufig Punkte:
[ja], [nein], [Betrag > 100]). Unbeschriftete Ausgänge sind ein Klassiker für Punktabzug.10) Aktivitätsdiagramm vs. Sequenzdiagramm – wann was?
Sowohl Aktivitäts- als auch Sequenzdiagramme (L4 dieses Kurses) zeigen zeitliche Abläufe. Wo ist der Unterschied?
- Aktivitätsdiagramm: zeigt den Prozess-Ablauf. Was sind die Schritte? Wer macht sie? Welche Bedingungen führen wohin? Sehr gut für fachliche Prozesse.
- Sequenzdiagramm: zeigt die Interaktion zwischen Objekten. Welche Nachrichten werden in welcher Reihenfolge zwischen Komponenten ausgetauscht? Sehr gut für technische Abläufe.
Faustregel: fachlich → Aktivitätsdiagramm. technisch zwischen Komponenten → Sequenzdiagramm. In großen Projekten kommen oft beide vor: Aktivitätsdiagramme für die Anforderungs-/Prozess-Sicht, Sequenzdiagramme für die Architektur-Sicht.
Zusammenfassung
Das Aktivitätsdiagramm ist ein UML-Diagrammtyp, der Abläufe und Prozesse visualisiert. Es zeigt, in welcher Reihenfolge welche Schritte passieren, mit Entscheidungen, parallelen Pfaden und mehreren Endpunkten. Es ist die Detail-Sicht auf einen Use-Case und die UML-Antwort auf das klassische Flussdiagramm. Symbole: gefüllter Kreis (Start), Ring-mit-Punkt (Ende), abgerundetes Rechteck (Aktion), Raute (Entscheidung), dicker schwarzer Balken (Fork/Join für Parallelität), Pfeile (Kontrollfluss). Swimlanes sind eine Erweiterung: vertikale oder horizontale Bahnen pro Akteur zeigen die Verantwortlichkeit. Fork und Join: mit Forks lässt sich Parallelität modellieren – mehrere Pfade laufen gleichzeitig, der Join wartet auf alle. Unterschied zum Flussdiagramm: präzise UML-Semantik, Swimlanes, Fork/Join, modernes Standardtool. Vorgehensweise: 1) Use-Case klären, 2) Akteure identifizieren, 3) Hauptpfad zeichnen, 4) Entscheidungen einfügen, 5) Parallelität ergänzen, 6) Endknoten, 7) prüfen. Häufige Fehler: Substantive statt Verben, unbeschriftete Entscheidungs-Ausgänge, Fork ohne Join, vergessene Endknoten, technisches Innenleben. Abgrenzung: Aktivitätsdiagramme zeigen Prozesse (fachlich), Sequenzdiagramme zeigen Interaktionen (technisch). Praxis-Anwendung: Geschäftsprozesse, Use-Case-Abläufe, Genehmigungs-Workflows, parallele Operationen. Nächste Lektion: Sequenzdiagramme – noch detaillierter, jetzt mit Fokus auf der Kommunikation zwischen Objekten.
