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- DHCP – Dynamic Host Configuration Protocol10
- 1.1Warum DHCP?
- 1.2DORA-Prozess: Discover, Offer, Request, Acknowledge
- 1.3DHCP-Adresspools und Leases
- 1.4DHCP-Optionen: Gateway, DNS, Domäne
- 1.5Reservierungen und Ausschlüsse
- 1.6DHCP-Relay-Agent
- 1.7DHCP unter Windows Server einrichten
- 1.8DHCP unter Linux einrichten
- 1.9DHCP-Failover und Hochverfügbarkeit
- 1.10Aufgaben DHCP
DORA-Prozess: Discover, Offer, Request, Acknowledge
Der DORA-Prozess ist der vierstufige Handshake zwischen DHCP-Client und DHCP-Server. Das Akronym steht für Discover, Offer, Request, Acknowledge – die vier Nachrichten, die bei jeder erstmaligen IP-Adressvergabe ausgetauscht werden. Versteht man DORA, versteht man DHCP im Kern.
Ein wichtiges Detail vorab: Die ersten beiden Nachrichten (Discover und Offer) laufen als Broadcasts – das Gerät kennt noch keine IP-Adresse und kann daher keine gezielte Unicast-Anfrage stellen. Der Client verwendet als Absenderadresse 0.0.0.0 (keine IP bekannt) und sendet an 255.255.255.255 (alle Geräte im Segment). Erst nach dem Acknowledge kommuniziert das Gerät mit seiner zugewiesenen IP. Dieses Broadcastverhalten erklärt auch, warum DHCP ohne einen DHCP-Relay-Agent nur innerhalb eines Subnetzes funktioniert – Broadcasts werden von Routern nicht weitergeleitet. Der Prozess arbeitet auf OSI-Schicht 7 über UDP.
1) Die vier DORA-Schritte – animiert
Die folgende Animation zeigt den vollständigen DORA-Prozess. Zu beachten: Schritt 1 und 3 gehen vom Client aus, Schritt 2 und 4 vom Server. Broadcast-Nachrichten erreichen alle Geräte im Segment, aber nur der DHCP-Server reagiert auf sie.
2) Paketinhalte im Detail
Jede DORA-Nachricht enthält spezifische Felder. Besonders wichtig ist die Transaction-ID – eine zufällige Zahl, die Client und Server in allen vier Nachrichten einbauen, um den Austausch eindeutig zuzuordnen. Außerdem trägt jede Nachricht die MAC-Adresse des Clients, damit der Server die Kommunikation einem physischen Gerät zuordnen kann.
3) Lease-Erneuerung: kein voller DORA nötig
Nach der erstmaligen Zuweisung muss der Client die Lease-Zeit regelmäßig verlängern. Dafür sind nicht alle vier DORA-Schritte nötig – Client und Server kennen sich bereits. Die Erneuerung erfolgt mit nur zwei Nachrichten direkt (Unicast, kein Broadcast).
| Zeitpunkt | Aktion | Nachrichten |
|---|---|---|
| 50% der Lease-Zeit | Client versucht Erneuerung beim selben Server (Unicast) | DHCPREQUEST → DHCPACK |
| 87,5% der Lease-Zeit | Rebinding: Client versucht Erneuerung bei beliebigem Server (Broadcast) | DHCPREQUEST (Broadcast) → DHCPACK |
| 100% der Lease-Zeit | Lease abgelaufen: Client verliert IP, startet neuen DORA-Prozess | Voller DORA |
