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- AP Teil 1 – Ganzheitliche Aufgabe Vorbereitung8
Aufbau und Format AP Teil 1
Die Abschlussprüfung Teil 1 (AP1) ist eine der wichtigsten Stationen in deiner Ausbildung als Fachinformatiker:in – sie zählt mit 20 % in die Gesamtnote der Abschlussprüfung mit ein. Die AP1 findet etwa in der Mitte der Ausbildung statt, üblicherweise nach dem dritten Ausbildungsjahr-Anfang, und prüft die Kerngrundlagen, die du in den ersten beiden Ausbildungsjahren erworben hast: einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes mit Hardware, Software, Netzwerk und Schnittstellen.
Diese Lektion erklärt dir den genauen Aufbau, das Format, die Punkteverteilung und die rechtlichen Rahmenbedingungen der AP1. Wer die Struktur kennt, kann gezielt vorbereiten und kommt nicht überrascht ins Prüfungszimmer. Wir gehen die Themen Prüfungsstruktur, Themengewichtung, Aufgabenformate, Bewertung, erlaubte Hilfsmittel und den Ablauf des Prüfungstages durch.
1) Was ist die Abschlussprüfung Teil 1?
Mit der Neuordnung der IT-Ausbildungsberufe im Jahr 2020 wurde die alte „Zwischenprüfung" durch die gestreckte Abschlussprüfung ersetzt. Das heißt: deine Abschlussprüfung besteht heute aus zwei zeitlich getrennten Teilen. AP Teil 1 findet in der Mitte der Ausbildung statt und macht 20 % der Gesamtnote aus. AP Teil 2 – mit Projektarbeit, Fachgesprächen und schriftlichen Prüfungen – findet am Ende der Ausbildung statt und macht 80 % aus.
Anders als die alte Zwischenprüfung ist die AP1 also kein Test ohne Folgen – sie zählt direkt in die Endnote. Wer hier schwach abschneidet, muss die fehlenden Punkte später wieder reinholen. Andererseits hat die AP1 auch klare Vorteile: sie konzentriert sich auf abgegrenzte Themen, ist gut planbar und ihre Inhalte sind in den ersten 18 Ausbildungsmonaten bereits in der Berufsschule und im Betrieb behandelt worden.
2) Die ganzheitliche Aufgabe
Der formale Name der AP1 ist „Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes" – das beschreibt zugleich die Art der Aufgabe. Statt vieler isolierter Wissensfragen bekommst du eine zusammenhängende Situationsbeschreibung: eine fiktive Firma, ein konkreter Auftrag, ein neuer Mitarbeiter oder eine zu lösende technische Anforderung. Aus dieser Situation heraus werden alle Teilaufgaben gestellt.
Diese „Ganzheitlichkeit" ist sowohl Stärke als auch Tücke: einerseits ist die Aufgabenstellung konkret und nachvollziehbar, du arbeitest mit einem realistischen Szenario. Andererseits musst du verschiedene Themengebiete verknüpfen – ein einziges Szenario verlangt Antworten aus Hardware, Netzwerk, Datenschutz, BWL und Sicherheit. Wer in einem Themengebiet Lücken hat, fällt im Gesamttext stärker auf, als wenn die Themen einzeln abgefragt würden.
Ein typisches Szenario lautet etwa: „Die Firma Müller GmbH plant einen neuen Standort und braucht für 25 Mitarbeitende einen vollständig eingerichteten IT-gestützten Arbeitsplatz. Ihre Aufgabe ist es, das Konzept zu erstellen und Teilaufgaben dazu zu bearbeiten." Im Folgenden kommen dann Teilaufgaben zu Hardware-Auswahl, Netzwerktopologie, Sicherheit, Backup-Strategie, Lizenzfragen, BWL-Rechnungen und vielem mehr.
3) Aufgabenformate im Detail
Innerhalb der ganzheitlichen Aufgabe kommen verschiedene Aufgabentypen vor. Wer sie kennt, kann sich gezielt darauf einstellen – jede hat ihre eigene Bearbeitungslogik. Die wichtigsten:
Die Verteilung dieser Formate variiert von Prüfung zu Prüfung, aber die Tendenz der letzten Jahre ist klar: Multiple-Choice-Anteile wachsen, klassische lange Aufsätze werden weniger. Trotzdem sind die mittellangen Begründungsfragen und Berechnungsaufgaben die Punktebringer – hier kann man sich mit präziser Antwort und sauberem Rechenweg deutlich von der Masse abheben.
4) Punkteverteilung und Themengewichtung
Die AP1 vergibt insgesamt 100 Punkte, verteilt auf Handlungsbereiche aus der Ausbildungsordnung. Auch wenn die genaue Verteilung von Prüfungstermin zu Prüfungstermin leicht schwankt, gibt es klare Schwerpunkte, an denen sich deine Vorbereitung orientieren sollte. Die folgende Tabelle zeigt eine typische Gewichtung – sie ist nicht starr, sondern eine bewährte Orientierung.
| Handlungsbereich | Anteil | Typische Inhalte |
|---|---|---|
| Hardware und Betriebssysteme | ~20–25 % | CPU, RAM, SSD/HDD, Mainboard, Mobile Devices, Win/Linux/macOS, Cloud-Endpoints |
| Netzwerk und Kommunikation | ~20–25 % | IP-Adressierung, Subnetting, Topologien, OSI-Modell, WLAN, VPN, Protokolle |
| IT-Sicherheit und Datenschutz | ~15–20 % | Verschlüsselung, Firewall, DSGVO-Grundlagen, Passwörter, Backup-Strategie |
| BWL und Wirtschaftlichkeit | ~10–15 % | Kostenrechnung, Make-or-Buy, Wirtschaftlichkeitsvergleich, Abschreibung |
| Software und Anwendungen | ~10–15 % | Office, ERP, Cloud-Software (SaaS), Lizenzmodelle, Patch-Management |
| Recht und Vertrag | ~5–10 % | Kaufvertrag, Lizenz, Garantie, Urheberrecht, Werkverträge |
5) Bewertung und Notenschlüssel
Die IHK bewertet jede Teilaufgabe nach einem Punkteschema – pro Aufgabe stehen mal 2, mal 5, mal 10 Punkte zur Verfügung. Am Ende ergibt sich eine Gesamtpunktzahl, die nach dem 100-Punkte-Schlüssel in eine Note umgerechnet wird. Dieser Schlüssel ist bundesweit einheitlich und gilt für alle IHK-Berufsprüfungen.
Eine wichtige Eigenheit: in der AP1 kann man nicht durchfallen im klassischen Sinne. Das Bestehen der Gesamtabschlussprüfung wird erst nach AP1 und AP2 zusammen bewertet. Ein schwaches AP1-Ergebnis lässt sich in AP2 ausgleichen, wenn dort gute Leistung abgeliefert wird. Umgekehrt sichert ein gutes AP1-Ergebnis das Polster für eine entspanntere AP2.
6) Erlaubte Hilfsmittel
Was darfst du in die Prüfung mitnehmen, und was nicht? Diese Frage taucht jedes Jahr neu auf, und die Antwort ist überraschend restriktiv – die IHK lässt nur sehr wenig zu. Genau deshalb ist es wichtig, das vor dem Prüfungstag zu klären, damit du nicht am Eingang das halbe Material wieder zurücklegen musst.
- Schreibgerät: Kugelschreiber oder Füller mit dokumentenechter blauer oder schwarzer Tinte. Bleistift nur für Skizzen, nicht für die Antworten selbst. Tipp-Ex und vergleichbare Korrekturmittel sind nicht erlaubt
- Taschenrechner: ein einfacher, nicht programmierbarer Taschenrechner. Keine Grafikrechner, keine Smartphones, keine Smartwatch. Manche IHKs stellen Rechner – kläre das vorher
- Lineal, Geodreieck, Bleistift für Skizzen und Netzwerkpläne
- Verpflegung: Getränk in durchsichtiger Flasche (Etiketten oft entfernen), eventuell ein Snack
- Ausweis: Personalausweis oder Reisepass zur Identifikation
- Eintrittsschein der IHK, falls einer ausgestellt wurde
7) Ablauf des Prüfungstages
Der Prüfungstag selbst läuft an allen IHKs sehr ähnlich. Wer den Ablauf einmal durchgegangen ist, kann sich auf die Inhalte konzentrieren statt auf Organisation. Hier die typische Sequenz, an der du dich orientieren kannst:
Vor der Prüfung wirst du den Raum etwa 30 Minuten vor Beginn betreten dürfen. Identifikation prüfen, Plätze zugewiesen bekommen, persönliche Sachen wegpacken (außer dem Erlaubten). Dann gibt es eine kurze Einweisung durch die Aufsicht: Spielregeln, Toilettengang, Notfälle. Pünktlich um die angesetzte Uhrzeit beginnt die Bearbeitungszeit – und die Uhr läuft.
Während der Prüfung: Toilettengang ist erlaubt, aber Zeit läuft weiter. Bei Verständnisfragen zum Aufgabentext (nicht zum Lösungsweg!) kannst du leise eine Aufsicht ansprechen. Lärm machen, Mitschauen, Notizen weitergeben → führt zur Disqualifikation, im Wiederholungsfall mit ernsten Konsequenzen.
8) Was prüft die AP1 wirklich – und was nicht?
Eine häufige Fehlannahme bei der Vorbereitung: „Ich muss alles wissen, was bisher im Berufsschulunterricht dran war." Das wäre zu viel und nicht zielgerichtet. Die AP1 prüft das, was der gemeinsame Ausbildungsrahmenplan für die ersten 18 Monate aller IT-Berufe festlegt – also Kerngrundlagen, die jede:r IT-Fachkraft können muss, unabhängig von der späteren Spezialisierung.
Konkret gehört dazu nicht: tief gehende Programmierfragen (die kommen in AP2 für FIAE), spezielle Server-Konfigurationen (AP2 FISI), spezifische Cloud-Migrationsstrategien, fortgeschrittene Datenbankmodellierung. Sehr wohl gehört dazu: grundsätzliche Hardware-Auswahl mit Begründung, IP-Adressen mit Subnetting auf Anfänger-Niveau, einfache Sicherheitskonzepte, BWL-Grundlagen wie Wirtschaftlichkeitsvergleich und Abschreibung, Verträge und Lizenzen im Überblick.
Wer das versteht, lernt fokussiert: keine spezialisierten Tutorials, sondern die Grundlagen aus den Kursen Hardware und IT-Systeme, Netzwerktechnik, IT-Sicherheit Grundlagen, DSGVO und Datenschutz, Gehalt und Sozialversicherung und Vertragslehre solide abrufbar haben.
9) Unterschied AP1 für FISI, FIAE und andere IT-Berufe
Die AP1 ist für alle IT-Ausbildungsberufe identisch. Das ist eine Besonderheit der Reform von 2020 – die Idee dahinter: die ersten 18 Monate der Ausbildung sollen für alle IT-Berufe gemeinsame Grundlagen schaffen. Erst danach beginnt die Spezialisierung. Diese Gleichheit hat Vor- und Nachteile.
Vorteil: alle lernen für AP1 dasselbe – riesige Vorbereitungsmaterialien, Lerngruppen über Berufsgrenzen hinweg möglich. Nachteil für FIAEs: viele AP1-Inhalte (Netzwerk, Hardware) sind nicht das, womit man im Code-Alltag täglich zu tun hat – das erfordert bewusste Lernarbeit auch in Bereichen, die scheinbar weniger relevant sind. Genau das macht die AP1 zu einer fairen Querschnittsprüfung.
10) Vorbereitungszeit realistisch planen
Wie viel Zeit brauchst du, um dich gut vorzubereiten? Die ehrliche Antwort: das hängt stark davon ab, wie gut du in der Berufsschule und im Betrieb mitgekommen bist. Wer kontinuierlich mitlernt, braucht in den letzten 4–8 Wochen vor der Prüfung etwa 3–5 Stunden pro Woche gezielter Wiederholung. Wer vieles aufschiebt, sollte realistisch 10–15 Stunden pro Woche in den letzten 8 Wochen einplanen.
Eine bewährte Strategie ist die Aufteilung in drei Phasen: Phase 1 (Wochen 8–5 vor Prüfung): Stoff systematisch wiederholen, ein Kapitel oder Themengebiet pro Woche. Phase 2 (Wochen 4–2): alte Prüfungsaufgaben durcharbeiten, eigene Lücken identifizieren, gezielt nacharbeiten. Phase 3 (letzte 2 Wochen): vollständige Simulationen unter Zeitdruck, schwache Themen ein letztes Mal vertiefen. In der letzten Woche kein neues Material mehr lernen, nur konsolidieren und gut schlafen.
11) Häufige Fragen zur Prüfungsorganisation
- Was, wenn ich krank bin? Mit einem ärztlichen Attest, das vor oder am Prüfungstag bei der IHK eingeht, kannst du nachschreiben. Wer ohne Attest fehlt, gilt als nicht angetreten und muss zum nächsten Termin warten
- Wie erfahre ich das Ergebnis? Per Brief von der IHK, typisch 4–6 Wochen nach der Prüfung. Manche IHKs stellen das Ergebnis auch online im Bewerberportal bereit
- Kann ich die AP1 wiederholen? Nein, die AP1 ist Teil der gestreckten Prüfung und nicht einzeln wiederholbar. Erst nach Abschluss von AP2 entscheidet sich, ob du bestanden hast – falls nicht, kannst du die gesamte Abschlussprüfung (AP1 + AP2) wiederholen
- Wann muss ich mich anmelden? Die Anmeldung läuft über deinen Ausbildungsbetrieb, der dies in der Regel automatisch erledigt. Eine eigene Frist musst du selbst nicht im Auge haben – aber prüfe das im Zweifel mit deinem Ausbilder
- Was, wenn die Aufgabe einen Fehler hat? Bei klar erkennbaren Fehlern in der Aufgabenstellung wird die betroffene Frage typischerweise nachträglich neutralisiert oder mit voller Punktzahl bewertet. Du kannst während der Prüfung nichts tun außer plausibel weiterzuarbeiten
- Darf ich die Aufgabenstellung mitnehmen? In der Regel ja, die Aufgabe und auch ein etwaiges Konzeptpapier können nach Prüfungsende mitgenommen werden. Das ist gutes Material für die Vorbereitung der Freunde im nächsten Jahrgang
12) Was diese Lektionsreihe für dich tut
Die Lektionen K74 L2 bis L10 bauen direkt auf dem hier vorgestellten Format auf: L2 Typische Themengebiete geht jedes Schwerpunktfeld detailliert durch. L3 Zeitmanagement und L4 Multiple-Choice-Strategie liefern konkrete Bearbeitungstechniken. L5 Netzwerk-Aufgaben, L6 IT-Sicherheit und L7 BWL/WiSo geben fachspezifische Strategien. L8 und L9 sind vollständige Prüfungssimulationen mit Original-Format, und L10 fasst die häufigsten Fehler und letzten Tipps zusammen.
Wer diese Reihe systematisch durcharbeitet – idealerweise 8 Wochen vor der Prüfung beginnend – ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gut vorbereitet. Und keine Sorge: die AP1 ist anspruchsvoll, aber kein Albtraum. Die meisten Auszubildenden bestehen sie problemlos, viele mit guter oder sehr guter Note.
Zusammenfassung
Die AP Teil 1 ist eine 90-minütige schriftliche Prüfung mit 100 Punkten und zählt 20 % in die Endnote der gestreckten Abschlussprüfung. Sie ist identisch für alle IT-Ausbildungsberufe (FISI, FIAE, FIDM, FIDV u. a.). Format: ganzheitliche Aufgabe „Einrichten eines IT-Arbeitsplatzes" mit verschiedenen Aufgabentypen (Multiple-Choice, Berechnung, Erklärung, Begründung, Skizze). Schwerpunkte: Hardware, Netzwerk, IT-Sicherheit, BWL/Wirtschaftlichkeit, Software/Lizenzen, Recht. Erlaubt sind Schreibgerät, einfacher Taschenrechner, Lineal – nicht erlaubt Smartphones, Smartwatches, eigene Notizen. Bestehensgrenze 50 Punkte, aber durchfallen kann man in AP1 allein nicht. Realistische Vorbereitungszeit: 3–5 Stunden pro Woche über 4–8 Wochen, am besten mit alten Prüfungsaufgaben.
