- 1 Section
- 10 Lessons
- unbegrenzt
- IHK-Abschlussprojekt: Dokumentation schreiben10
- 1.1IHK-Anforderungen an die Abschlussdokumentation
- 1.2Thema und Projektantrag
- 1.3Ist-Analyse dokumentieren
- 1.4Soll-Konzept und Lösungsansätze
- 1.5Projektplanung: PSP, Gantt, Zeitschiene
- 1.6Umsetzung dokumentieren
- 1.7Testen und Qualitätssicherung dokumentieren
- 1.8Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
- 1.9Fazit, Reflexion und Quellenverzeichnis
- 1.10Häufigste Bewertungsfehler
Projektplanung: PSP, Gantt, Zeitschiene
Die Projektplanung ist das Kapitel, in dem du zeigst, dass du nicht nur einen guten Plan hast, sondern auch eine konkrete Vorstellung davon, wie du ihn umsetzt. Sie ist ein typischer Schwerpunkt der „Methodik"-Bewertung (20 % der Gesamtnote) und macht in der Doku etwa 1–1,5 Seiten aus.
Diese Lektion zeigt dir die vier zentralen Werkzeuge der IHK-Projektplanung: Projektstrukturplan (PSP), Gantt-Diagramm, Meilensteine und Risikoanalyse. Dazu kommen Aufwandschätzung und Ressourcenplan. Wer diese Bausteine sauber kombiniert, hat eine Projektplanung, die auf jeden Prüfungstisch passt.
1) Was in die Projektplanung gehört
Im Planungskapitel beschreibst du, wie du dein Projekt durchführen wirst. Anders als das Soll-Konzept („was wird gebaut") geht es hier um Ablauf, Zeit, Aufwand und Risiken. Standardinhalt:
- Projektstrukturplan (PSP): hierarchische Zerlegung des Projekts in Teilaufgaben
- Zeitplan / Gantt-Diagramm: zeitliche Anordnung der Aufgaben mit Dauer und Abhängigkeiten
- Meilensteine: 3–6 zentrale Termine, an denen Zwischenergebnisse vorliegen müssen
- Aufwandschätzung: pro Phase oder Teilaufgabe Stundenschätzung
- Ressourcenplan: wer macht was, welche Hardware/Software wird gebraucht
- Risikoanalyse: 3–6 potenzielle Risiken mit Eintrittswahrscheinlichkeit, Auswirkung und Gegenmaßnahme
Du musst nicht jedes dieser Elemente in voller Tiefe ausarbeiten – aber wer alle sechs auch nur kurz anreißt, wirkt deutlich professioneller als jemand, der nur einen Zeitstrahl abdruckt.
2) Projektstrukturplan (PSP)
Der PSP zerlegt das Projekt in eine Baumstruktur. Oben das Projektziel, darunter die Phasen, ganz unten die Arbeitspakete. Er ist das wichtigste Planungswerkzeug, weil er sichtbar macht, dass das Projekt vollständig erfasst ist und nichts vergessen wurde.
Der PSP folgt zwei Regeln. Erstens das 100-%-Prinzip: alle Teilaufgaben zusammen ergeben das ganze Projekt – nichts fehlt, nichts überlappt. Zweitens das Phasen-Prinzip: in den ersten beiden Hierarchie-Ebenen denkst du in Phasen (Analyse, Konzept, Realisierung, Test, Doku) – erst auf der dritten Ebene konkrete Arbeitspakete.
3) Gantt-Diagramm
Während der PSP was zu tun ist zeigt, zeigt das Gantt-Diagramm wann. Es ordnet die Arbeitspakete auf einer Zeitachse an und macht Abhängigkeiten sichtbar. In der IHK-Doku reicht meist eine vereinfachte Form mit den Hauptphasen:
Wichtig: das Gantt muss konsistent zum PSP sein. Alle Phasen aus dem PSP tauchen im Gantt auf, in derselben Reihenfolge. Die Summe der Wochen sollte zu den 35 Stunden Bearbeitungszeit (FISI/FIAE) passen, verteilt auf 4–6 Wochen.
4) Meilensteine
Meilensteine sind feste Termine, an denen ein konkretes Zwischenergebnis vorliegen muss. Sie sind keine Aufgaben, sondern Messpunkte: „M2 — Konzept fertig, vom Auftraggeber abgenommen, am 15. März". Typisch 3–6 Meilensteine über die ganze Projektlaufzeit.
Ein guter Meilenstein ist binär: er ist entweder erreicht oder nicht. Vermeide schwammige Formulierungen wie „Realisierung gut vorangekommen". Stattdessen: konkretes Ergebnis nennen, das man prüfen kann.
5) Aufwandschätzung
Wie viel Zeit kostet welche Teilaufgabe? Eine realistische Aufwandschätzung ist die Grundlage des ganzen Plans. Drei Schätzmethoden, die bei IHK-Projekten gut funktionieren:
6) Ressourcenplan
Welche Ressourcen brauchst du, um das Projekt durchzuziehen? Drei Kategorien sind Standard. In der Doku reichen kurze Listen pro Kategorie, oft sogar nur ein Absatz.
- Auszubildende:r (Projektverantwortung)
- Ausbilder (Coaching, Reviews)
- IT-Leitung (Auftraggeber, Abnahme)
- Kollegin Server-Team (technische Unterstützung)
- Backup-Server (vorhanden, neu konfiguriert)
- NAS-Storage (4 TB, bestellt)
- Test-VM für Restore-Tests
- Veeam-Lizenz (Standard, 1 Jahr)
- Veeam-Doku, Hersteller-Webinare
- MS Office (Word, Excel) für Doku
- Visio für Diagramme
- Firmen-Wiki für Inhaltsanbindung
7) Risikoanalyse
Die Risikoanalyse zeigt, dass du vorausschauend planst. Sie listet 3–6 potenzielle Risiken auf – jedes mit Wahrscheinlichkeit, Auswirkung und einer Gegenmaßnahme. Das Risikoprodukt (W × A) gibt die Priorität an.
8) Methodenwahl: Wasserfall vs. agil
Welche Vorgehensmethode passt zu deinem Projekt? Die meisten IHK-Projekte sind Wasserfall-orientiert, weil sie eine klare, vorab definierte Lösung haben (z. B. „Einführung System X"). Agile Methoden (Scrum, Kanban) passen, wenn die Anforderungen unscharf sind und sich im Laufe entwickeln (typisch Software-Entwicklung mit unklarem Pflichtenheft).
| Aspekt | Wasserfall | Agil |
|---|---|---|
| Anforderungen | vorab klar definiert | entwickeln sich |
| Phasen | nacheinander | iterativ, parallel |
| Typisch für | Infrastruktur, Migration, Einführung | Softwareentwicklung, Prototyp |
| Doku | parallel zum Vorgehen | zusammenfassend nach Sprints |
| Beruf | häufiger FISI | häufiger FIAE |
In der Doku reicht ein Absatz zur Methodenwahl mit Begründung. Beispiel: „Das Projekt folgt einem klassisch wasserfallorientierten Vorgehen, da die Anforderungen vorab vom Auftraggeber klar definiert sind und sich keine grundlegenden Änderungen während der Umsetzung erwarten lassen. Die Phasen Analyse, Konzept, Realisierung, Test und Doku werden sequenziell durchgeführt, wobei die Dokumentation parallel zur Realisierung läuft."
9) Häufige Fehler in der Projektplanung
- Planung wirkt erfunden: alles zu glatt, alle Risiken trivial, Aufwand fast aufs Mal genau. Wirkt nachträglich konstruiert. Heilung: ehrliche Schätzungen, mit Puffer
- Realisierung > 60 % der Zeit: zeigt fehlendes Planungsverständnis. Heilung: Analyse, Konzept, Test, Doku angemessen einplanen
- Keine Meilensteine: man sieht nicht, wann etwas fertig sein soll. Heilung: 3–6 Meilensteine setzen
- Risiken trivial: „Stromausfall" als Risiko, ohne Gegenmaßnahme. Heilung: projektspezifische Risiken nennen
- Keine Gegenmaßnahmen: Risiken aufgelistet, aber nicht gegengesteuert. Heilung: zu jedem Risiko 1–2 Sätze Maßnahme
- PSP nicht hierarchisch: flache Liste statt Baum. Heilung: 2–3 Ebenen mit klarer Logik
- Gantt ohne Zeitachse: Balken ohne Skala. Heilung: Wochen oder Tage als Achse anlegen
- Kein Personal genannt: alles wirkt, als hätte man alleine gearbeitet. Heilung: Stakeholder klar zuordnen
- Methodenwahl nicht begründet: einfach „Wasserfall" hingeschrieben. Heilung: warum diese Methode, warum nicht die andere
10) Tipps für eine starke Planung
- PSP zuerst: erst die Struktur klären, dann die Zeit. Wer das umgekehrt macht, verliert sich in Termindetails
- 15 % Puffer einplanen: explizit ausweisen, nicht versteckt
- Doku parallel zur Realisierung: realistisch, weil Details verloren gehen, wenn man später schreibt
- Meilensteine binär: „erreicht oder nicht", keine schwammigen Formulierungen
- Risiken projektspezifisch: keine Trivialitäten („Mein PC könnte kaputtgehen"), sondern relevante Themen
- Gegenmaßnahmen vor Eintritt: nicht „wenn es passiert, dann …", sondern „um Eintritt zu verhindern, machen wir …"
- Methodenwahl begründen: nicht nur nennen, sondern erklären warum
- Tools nennen: Excel, MS-Project, Trello, Notion – zeigt, dass du nicht ohne Werkzeug arbeitest
- Externe Abhängigkeiten markieren: was hängt von Dritten ab (Lieferungen, Genehmigungen, Termine)
11) Beispiel-Eröffnung Projektplanung
„Das Projekt gliedert sich in fünf Phasen: Analyse, Konzeption, Realisierung, Test und Dokumentation. Das gewählte Vorgehen orientiert sich am klassischen Wasserfallmodell, da die Anforderungen vorab klar definiert sind. Der Projektstrukturplan (Abb. 1) zerlegt das Vorhaben in 11 Arbeitspakete. Diese sind im Gantt-Diagramm (Abb. 2) auf eine sechswöchige Bearbeitungszeit verteilt; fünf Meilensteine markieren zentrale Zwischenergebnisse. Die geplante Aufwandverteilung folgt der für 35-h-Projekte üblichen Aufteilung mit Schwerpunkt in der Realisierungsphase (14 h, 40 %). Sechs zentrale Risiken wurden identifiziert, gewichtet und mit Gegenmaßnahmen versehen."
Was hier gut funktioniert: in 5 Sätzen ist die ganze Planungslogik klar. Jede zentrale Komponente (PSP, Gantt, Meilensteine, Aufwand, Risiken) ist erwähnt und mit konkreten Zahlen unterlegt. Prüfende wissen sofort, was sie auf den nächsten Seiten erwartet.
Zusammenfassung
Die Projektplanung ist 1–1,5 Seiten lang und umfasst sechs Bausteine: PSP (hierarchischer Strukturplan, 100-%-Prinzip), Gantt-Diagramm (zeitliche Anordnung), Meilensteine (3–6 Messpunkte mit binärem Status), Aufwandschätzung (erfahrungsbasiert oder Drei-Werte), Ressourcenplan (Personal, Sach, Wissen) und Risikoanalyse (3–6 Risiken mit Wahrscheinlichkeit × Auswirkung und Gegenmaßnahmen). Methodenwahl Wasserfall vs. agil begründen. 15 % Zeitpuffer einplanen, Doku parallel zur Realisierung führen. Häufige Fehler: zu glatte Planung, Realisierung > 60 %, fehlende Meilensteine, triviale Risiken ohne Gegenmaßnahmen, fehlende Methodenbegründung. Tipps: PSP zuerst, Risiken projektspezifisch, Tools nennen, externe Abhängigkeiten markieren, Realismus statt Perfektion.
