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Von Klassen zu CIDR
Die Einteilung von Netzwerken in feste Klassen (A, B, C) war der ursprüngliche Ansatz des Internets, um Adressen zu strukturieren.
Mit wachsender Zahl an Geräten und Netzen wurde dieses starre System jedoch zu unflexibel.
Deshalb wurde es durch CIDR (Classless Inter-Domain Routing) ersetzt – eine Methode, die den Adressraum effizienter nutzt.
1. Das ursprüngliche Klassensystem
In den Anfangsjahren des Internets wurden IP-Adressen nach festen Klassen eingeteilt.
Die Klasse wurde durch die ersten Bits der Adresse bestimmt.
Je nach Klasse war der Netzanteil unterschiedlich groß.
| Klasse | Startbit-Muster | Adressbereich | Standardmaske | Mögliche Hosts pro Netz |
|---|---|---|---|---|
| A | 0xxxxxxx | 1.0.0.0 – 126.255.255.255 | 255.0.0.0 (/8) | ca. 16 Millionen |
| B | 10xxxxxx | 128.0.0.0 – 191.255.255.255 | 255.255.0.0 (/16) | ca. 65.000 |
| C | 110xxxxx | 192.0.0.0 – 223.255.255.255 | 255.255.255.0 (/24) | 254 |
(Klassen D und E wurden für Multicast bzw. experimentelle Zwecke reserviert.)
Diese Einteilung war leicht zu verstehen, aber sie hatte einen großen Nachteil:
Netze konnten nur in festen Größen vergeben werden – sehr groß, mittel oder klein.
Dadurch gingen viele Adressen ungenutzt verloren.
2. Warum das Klassensystem ineffizient war
Ein Beispiel verdeutlicht das Problem:
Ein Unternehmen benötigt 1000 IP-Adressen.
Im Klassensystem gibt es zwei Möglichkeiten:
Klasse C: zu klein (nur 254 Hosts)
Klasse B: zu groß (65.534 Hosts)
Ergebnis: Man musste ein ganzes Klasse-B-Netz vergeben – und über 98 % der Adressen blieben ungenutzt.
Da der weltweite Adressraum begrenzt ist (ca. 4,3 Milliarden IPv4-Adressen), führte diese Verschwendung schnell zu Engpässen.
3. Einführung von CIDR (Classless Inter-Domain Routing)
1993 wurde mit CIDR ein flexibles System eingeführt, das nicht mehr auf festen Klassen basiert.
Statt Klassen wird die Netzgröße direkt über den Präfix angegeben – z. B. /20, /24 oder /30.
Beispiel:
192.168.0.0/24 → 254 Hosts
192.168.0.0/22 → 1022 Hosts
192.168.0.0/30 → 2 Hosts
So können Netzgrößen genau an den Bedarf angepasst werden.
CIDR wird deshalb auch als „klassloses Adressierungssystem“ bezeichnet.
4. Vorteile von CIDR
Flexible Netzgrößen – keine festen Klassen mehr
Effizientere Nutzung des Adressraums
Zusammenfassung mehrerer kleiner Netze („Supernetting“)
Vereinfachtes Routing durch Aggregation von Routen
CIDR ist heute der Standard in allen modernen Netzwerken – von Unternehmensnetzen bis zum Internet-Routing.
5. Beispiel: Vom Klassennetz zum CIDR-Netz
Ein klassisches C-Netz hatte die Maske /24 → 254 Hosts.
Wenn vier solcher Netze zusammengelegt werden sollen, kann daraus ein Supernetz mit /22 werden.
192.168.0.0/24
192.168.1.0/24
192.168.2.0/24
192.168.3.0/24
----------------------
→ zusammengefasst zu 192.168.0.0/22
Das neue Netz umfasst die Adressen 192.168.0.0 bis 192.168.3.255 und bietet 1022 nutzbare Hostadressen.
Damit sinkt auch die Zahl der Routing-Einträge – ein wichtiger Vorteil für große Netzwerke.
6. Präfixlänge und Netzgröße im Überblick
| Präfix | Hostbits | Nutzbare Hosts | Typisches Einsatzgebiet |
|---|---|---|---|
| /8 | 24 | 16.777.214 | sehr große Provider-Netze |
| /16 | 16 | 65.534 | mittlere Organisationen |
| /24 | 8 | 254 | lokale Netze, Standard-Heimrouter |
| /30 | 2 | 2 | Punkt-zu-Punkt-Verbindungen |
Von Klassen zu CIDR – Visualisierung
Die farbigen Balken zeigen, wie starre Klassen (A, B, C) durch frei wählbare Präfixe ersetzt wurden.
Gold = Netzanteil | Türkis = Hostanteil
7. Zusammenfassung
Früher wurden IP-Adressen in Klassen (A, B, C) eingeteilt.
Das führte zu ineffizienter Nutzung des Adressraums.
CIDR ersetzt die Klasseneinteilung durch flexible Präfixe.
Netzgrößen können exakt an den Bedarf angepasst werden.
Routing wird durch Aggregation einfacher und effizienter.
